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Andrea Petkovic Erst der Schmerz, dann der Tanz

05.09.2011 ·  Andrea Petkovic steht bei den US Open im Achtelfinale und trifft dort an diesem Montag auf Carla Suarez Navarro. Trotz einer Verletzung will die 23 Jahre alte Hessin weiterspielen. Manche werten das als falschen Ehrgeiz.

Von Wolfgang Scheffler, New York
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© dpa Andrea Petkovic und ihr Kniefall: Die Hessin hat gesundheitliche Probleme bei den US Open

New York. Andrea Petkovic kämpft in New York bei den US Open an zwei Fronten: gegen ihre Gegnerinnen auf dem Platz und gegen ihr Umfeld. „Es kommt mir vor wie: ich gegen die ganze Welt“, sagte die Darmstädter Tennisspielerin. „Ich bin jetzt zwei Wochen mit fünf Menschen zusammen, die mich jeden Tag fragen, ob es richtig sei, dass ich mit meiner Verletzung spiele. Und auch die anderen Spielerinnen wollen das ständig wissen.“

Die 23 Jahre alte Hessin hat sich bisher sowohl gegen ihre Widersacherinnen auf dem Court als auch gegen alle wohlmeinenden Ratgeber durchgesetzt. Sie spielt trotz des Innenmeniskus-Einrisses am rechten Knie weiter - und sie gewinnt weiter. Am Samstag feierte die Weltranglistenelfte gegen die neun Plätze tiefer eingestufte Italienerin Roberta Vinci mit 6:4 und 6:0 in nur 66 Minuten ihren dritten Sieg beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres.

Gegen die nur 1,63 große Sizilianerin, die die Rückhand einhändig und nur mit Slice spielt, ging ihr die Arbeit leicht von der Hand. Besonders im zweiten Satz zahlte sich die Taktik aus, mit viel Topspin auf die Rückhand der Italienerin zu spielen. Danach gönnte sich die spielfreudige Andrea Petkovic noch eine Zugabe im Doppel, obwohl ihre Partnerin Julia Görges auch nicht fit ist. Die Dreiundzwanzigjährige aus Bad Oldesloe, die im Einzel am Freitag in der dritten Runde gegen die Chinesin Shuai Peng ausgeschieden war, plagen Rückenbeschwerden. Die beiden Verletzten scheiterten gegen die Tschechinnen Andrea Hlavackova und Lucie Hradecka mit 4:6, 7:6 und 4:6 in der zweiten Runde der Doppelkonkurrenz, an der nur 32 Paare teilnehmen.

„Da werde ich viel rennen müssen“

Im Einzel dagegen geht der Wettbewerb für die beste deutsche Tennisdame weiter. Wie im Vorjahr steht Andrea Petkovic im Billie Jean King National Tennis Center im Flushing Meadows Corona Park in Queens im Achtelfinale. Dort trifft sie auf die Spanierin Carla Suarez Navarro. Zumindest nach der Weltrangliste, die die nächste Gegnerin auf Rang 76 führt, ist dies eine lösbare Aufgabe.

Allerdings erinnerte Andrea Petkovic alle, die sie schon im Viertelfinale gegen die Siegerin der Partie zwischen der dänischen Weltranglistenersten Caroline Wozniacki und der Russin Swetlana Kusnezowa sehen, an das bisher einzige Match gegen die auf Gran Canaria geborene Spanierin. Bei den Australian Open war die Deutsche 2010 mit 1:6 und 4:6 deutlich unterlegen. Allerdings: Zu jenem Zeitpunkt wurde Carla Suarez Navarro als 33. der Weltrangliste noch vor ihrer deutschen Gegnerin (49) geführt.

In jenen knapp zwanzig Monaten, die seit diesem einzigen Aufeinandertreffen der beiden vergangen sind, hat sich viel verändert: Andrea Petkovic erzählte, wie sehr sie sich vor allem mental verbessert habe: „Ich war schon vor einem Jahr eine gute Spielerin, aber unter Druck bin ich immer eingebrochen. Ich habe immer bis zu einem gewissen Zeitpunkt gut gespielt, aber dann nie meine Chancen genutzt. Mit all der Erfahrung vieler enger Matches bin ich in den entscheidenden Momenten einfach ruhiger. Ich weiß jetzt, was zu tun ist - jedenfalls meistens.“ Andrea Petkovic weiß auch, was sie im Match gegen Carla Suarez Navarro erwartet: „Da werde ich viel rennen müssen.“

„Die ganze Balkan-Truppe rennt da hin“

Damit sie das kann, lässt sie sich jeden Tag von Professor Dr. Pier Francesco Parra behandeln. Der Chirurg aus der Toskana gilt mit seiner Lasertherapie in Tenniskreisen schon seit Jahren als Wunderheiler, obwohl die Schulmedizin sein Verfahren skeptisch betrachtet. Parra baut immer im Umfeld der Grand-Slam-Turniere seine mobile Praxis auf, in Manhattan praktiziert er in einer Hotelsuite.

„Die ganze Balkan-Truppe rennt da hin“, sagte Andrea Petkovic zur Popularität des Italieners, der vor einiger Zeit auch den Spanier Rafael Nadal behandelte. Ob die drei defokussierten Laserstrahlen ihre Schmerzen linderten, darüber ist sich die Deutsche noch nicht im Klaren: „Aber heute ist es mir nur eineinhalbmal ins Knie gefahren, nicht drei- oder viermal wie in den Matches zuvor. Aber vielleicht lag das auch daran, dass ich mich am Vortag gezwungen habe, weniger zu trainieren.“

Auch eine Maßnahme, um das besorgte Umfeld ruhigzustellen und den geschlossenen Friedensvertrag nicht zu gefährden. „Wir haben uns geeinigt, wenn das Knie anschwillt, höre ich sofort auf.“ Aber daran denkt sie nicht. Vorläufig wird munter nach jedem Sieg der „Petko-Dance“ aufgeführt. Am Samstag brachte sie den ehemaligen Wimbledon-Finalisten Malivai Washington, der mittlerweile als Interviewer für den amerikanischen Sender ESPN arbeitet, dazu mitzutanzen - auch der Afroamerikaner konnte wie die bisherigen Gegnerinnen nicht mit der deutschen Vortänzerin mithalten.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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