Wenn Andrea Petkovic in den kommenden Tagen einen Tennisplatz in Flushing Meadows betritt, weiß sie genau, was sich die New Yorker von ihr erhoffen: Siege, Siege, Siege, und am Ende jedes Mal ein flottes Tänzchen und den einen oder anderen flotten Spruch hinterher.
Schließlich hat die deutsche Spielerin das amerikanische Publikum verwöhnt, seit sie vor zwei Jahren ihren „Petko-Dance“ erstmals auf der größten Tennisbühne aufführte und damit alle Sportwelt auf sich aufmerksam machte. Die New Yorker dürfen sich also freuen, dass die Vierundzwanzigjährige wieder tanzt, wie am Montag in New Haven nach ihrem ersten Sieg nach viermonatiger Verletzungspause.
Weniger erfreulich ist, dass die aktuelle Version ihres alten Siegestänzchens wohl selten zu sehen sein wird. „Mein Ziel ist es, ein Spiel zu gewinnen“, sagt Andrea Petkovic, die ohne große Erwartungen bei den US Open aufschlägt: „Ich bin noch nicht richtig drin in den Matches.“
Alles wird anders sein
In den vergangenen beiden Jahren hatte die Deutsche, die es zum Auftakt mit der Schweizerin Romina Oprandi zu tun bekommt, in New York jeweils für Furore gesorgt. 2010 erreichte sie dort erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier das Achtelfinale, im Sommer vergangenen Jahres stieß sie, obwohl von einem Meniskusschaden gehandicapt, gar in die Runde der letzten acht vor.
Doch von diesem Montag an wird alles anders sein. Nach einer Verletzungsserie, wie sie im Profitennis selten vorkommt, ist Andrea Petkovic auf Weltranglistenplatz 43 abgerutscht und gehört bei diesen US Open nicht mehr zu den gesetzten Spielerinnen.
„Ängstliche“ Rückkehr
Zudem ist die einstige Anführerin nur noch die fünftbeste in der deutschen Damengruppe und weit entfernt von jener Form, mit der sie sich 2011 unter die besten zehn der Welt spielte. Ihr einziges Ziel, sagt die Darmstädterin, sei es „gesund zu bleiben, meinen Rhythmus zu finden und die Unbeständigkeit aus meinem Spiel zu bekommen“.
Ihre Pechsträhne begann an jenem Ort, an den sie nun zurückkehrt. In New York plagte sich Andrea Petkovic im vergangenen Spätsommer mit einer Knieverletzung, die sie kurz zuvor erlitten hatte und die sie etwas später zum vorzeitigen Saisonende zwang.
Nachdem die Hessin im Januar genesen auf die Tour zurückgekehrt war, dauerte es gerade einmal fünf Matches, bis sie den nächsten Rückschlag erlitt - einen Ermüdungsbruch im unteren Rücken. Nach einer dreimonatigen Pause folgte im dritten Spiel ein Fehltritt, der zu einem doppelten Bänderriss im rechten Sprunggelenk führte.
Nun, bei ihrer Rückkehr, plagen Andrea Petkovic neue Sorgen. Es ist aber nicht ihr Körper, der ihr zu schaffen macht, sondern die Konkurrenz, die ihr Kopfzerbrechen bereitet. Schon als sie während der Reha am Nichtstun schier verzweifelte, habe sie sich gefragt, ob sie nach acht Monaten fast ohne Turnierpraxis wieder mit den Topspielerinnen mithalten könne. „Ängstlich“ sei sie, „dass ich nicht in der Lage sein könnte, dorthin zurückzukehren, wo ich einst war - unter die besten zehn der Welt.“
Ohne Chance gegen die Nummer 13 der Welt
Der Weg zurück nach vorn wird lang und hart. Und er erfordert einen Charakterzug, für den die Deutsche in der Vergangenheit nicht allzu bekannt war: Geduld.
Ihre Auftritte in der zurückliegenden Woche in New Haven haben Andrea Petkovics Zweifel bestätigt. Weil es ihr an Matchpraxis mangelt und daher auch am Rhythmus und der Sicherheit in den Ballwechseln, kann sie der Anspannung bei Turnieren nicht Herr werden. „Nachdem mir drei, vier gute Schläge gelungen sind, habe ich Bälle verschlagen wie sonst in hundert Jahren nicht“, sagte die Darmstädterin, nachdem sie in New Haven nur die erste Runde überstand.
Die junge Ungarin Timea Babos konnte sie nach fast dreistündigem Kampf noch bezwingen. Doch gegen die Slowakin Dominika Cibulkova, 13. der Weltrangliste, war sie anschließend chancenlos.
„Hässlicher“ Dubstep
Was der Deutschen - neben fehlender Spielpraxis - vor allem zu schaffen macht, ist ihr Aufschlag. Sie hat die Pause nach der Rückenverletzung genutzt, um ihre Technik zu verändern. Doch gut Ding will Weile haben, wie die ersten Spiele zeigten. Gegen Timea Babos holte sie bei eigenem Service weit weniger als die Hälfte der Punkte, gegen Dominika Cibulkova gewann sie am vorigen Mittwoch nur zwei ihrer neun Aufschlagspiele.
Die fehlende Konstanz sei der Preis, den sie für ihre Verletzungspause zu zahlen habe, sagt Andrea Petkovic: „Ich muss akzeptieren, dass es das schlimmste Jahr meiner bisherigen Karriere ist.“
Immerhin hatte die Hobbytrommlerin in ihrem bösen Tennisjahr öfter Gelegenheit gehabt, sich der Musik hinzugeben: Den Rapper Casper hat sie live erlebt, die Gruppe The Cure, ein Dubstep-Konzert hat sie auch besucht. „Ich habe Dubstep getanzt“, sagte sie: „Hoffentlich beeinflusst das nicht den Petko-Dance, denn es sah wirklich hässlich aus.“ Egal. Die New Yorker fänden es trotzdem toll.
Zehn Herren, sechs Damen 16 deutsche Tennisprofis gehen von diesem Montag an bei den US Open an den Start. Über die Qualifikation sicherten sich am Freitag in New York noch Tatjana Malek, Matthias Bachinger und Daniel Brands Plätze im Hauptfeld. Damit sind aus Deutschland zehn Herren und sechs Damen beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres dabei. Tatjana Malek bekommt es in der ersten Runde mit der Usbekin Akgul Amanmuradova zu tun. Bachinger trifft zum Auftakt auf Marcos Baghdatis aus Zypern, Brands auf den Rumänen Adrian Ungur. Angeführt wird das Aufgebot bei den Damen von Angelique Kerber. Die Weltranglistensechste bekommt es zunächst mit der Britin Anne Keothavong zu tun. F.A.S.
Aufhören kann auch sehr heilsam sein !
Erik Schlonzberger (erik_schlonz)
- 27.08.2012, 20:50 Uhr
Lustige Überschrift
Dennis Sander (Androidbeere)
- 27.08.2012, 17:44 Uhr