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Veröffentlicht: 13.09.2016, 17:48 Uhr

Schach-Olympiade Die neue Macht am Brett

Eigentlich sind Russlands Großmeister die besten Schachspieler der Welt. Doch im Teamwettbewerb der Schach-Olympiade in Aserbaidschan können auch sie den Amerikanern nichts entgegensetzen. Das hat vor allem einen Grund.

von Stefan Löffler, Baku
© dpa Gemeinsam mit seinen Teamkollegen siegt Fabiano Caruana bei der Schach-Olympiade in Baku (Archivbild)

Andrei Filatow hat Recht behalten. Vor der Schacholympiade hatte der Milliardär an der Spitze des Russischen Schachverbands die Vereinigten Staaten zum Favoriten erklärt. Dabei sind Russlands Großmeister von der Papierform eigentlich stärker. Doch drei aktuelle Weltklassespieler können derzeit nur die Amerikaner aufstellen, und das kann in einem an vier Brettern ausgespielten Teamwettbewerb den Ausschlag geben.

Das Trio Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura und Wesley So hat in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku groß aufgespielt. Gegen Russland glich es die Niederlage des Ersatzspielers Ray Robson zum 2:2 aus. Und gegen die Ukraine, die Russland und auch sonst alle Gegner schlug, gab es ein vorentscheidendes 2,5:1,5. Für Russland ist es bereits die siebte sieglose Schacholympiade in Folge. Es gab zwar Einzel-Gold an den Brettern von Wladimir Kramnik und Jan Nepomnjaschtschi, jedoch als Team nur Bronze, obwohl der Verband ganz im Gegensatz zum „Silberland“ Ukraine im Geld schwimmt.

Bestausgestatteter Schachklub der Welt

Hinter dem Aufstieg der Amerikaner im Schach steckt ebenfalls Geld. Der große Mäzen heißt Rex Sinquefield. In seiner Heimatstadt Saint Louis unterhält er den bestausgestatteten Schachklub der Welt. Dort finden seit Jahren alle amerikanischen Meisterschaften und alljährlich ein Weltklasseturnier statt. Nakamura und Caruana verbringen einen Teil des Jahres in Saint Louis, So wohnt nur ein paar Autostunden entfernt. Nakamura und Caruana sind bei New York aufgewachsen. Caruana spielte einige Jahre für das Geburtsland seiner Eltern Italien und kehrte vor zwei Jahren zu seinem alten Verband zurück. So ist 2012 mit einem Unistipendium in die Vereinigten Staaten gekommen und daraufhin von den Philippinen abgeworben worden.

Auf solche Zugänge ist das amerikanische Schach künftig nicht mehr angewiesen. Unter den Kindern ehrgeiziger asiatischer Einwanderer finden sich einige der größten Talente weltweit. Der 15 Jahre alte Jeffery Xiong, der im August U-20-Weltmeister wurde, dürfte schon bei der nächsten Schacholympiade im Team stehen. Xiong wird unter anderem von Garri Kasparow gecoacht. Der frühere Weltmeister lebt in New York und trägt seinen Teil dazu bei, dass Amerika seiner früheren Heimat den Rang abläuft. Filatow behauptete gegenüber der russischen Presse sogar, es habe geheime Trainingssitzungen Kasparows mit dem amerikanischen Olympiade-Team gegeben.

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Russland tröstete sich in der Vergangenheit damit, dass sein Damenteam viermal in Folge den Wettbewerb der Schacholympiade gewann. Das wäre im Fall eines abschließenden Sieges gegen China auch dieses Mal möglich gewesen. Nach einer 1,5:2,5-Niederlage sind dagegen noch Polen und die Ukraine an den Russinnen vorbeigezogen, die damit ohne Medaille blieben. Und Favorit China hat endlich einmal wieder gewonnen.

Unterdessen gab der Präsident des Weltschachbunds, Kirsan Iljumschinow, über Moskauer Agenturen bekannt, dass er Präsident Barack Obama persönlich um die amerikanische Staatsbürgerschaft gebeten habe. Das hat allerdings nichts mit dem Schach-Aufschwung in den Vereinigten Staaten zu tun. Der umstrittene Funkionär steht seit fast zehn Monaten auf einer Sanktionsliste, weil er als Mittelsmann des syrischen Regimechefs Assad Geschäfte mit dem Islamischen Staat abgewickelt haben soll. Angeblich um sich reinzuwaschen, wollte er Ende August in die Vereinigten Staaten fliegen, wurde aber schon am Moskauer Flughafen zurückgewiesen. Ein faires Verfahren vor einem amerikanischen Gericht bekomme er nur als amerikanischer Bürger, hieß es. Und dann will er Amerika verklagen.

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