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American Football Stürmische Taufe

Jugendtrend in der NFL: Junge Spielmacher tragen im American Football in den Play-offs viel Verantwortung. Manchmal zu viel, wie das Ausscheiden zweier Teams in den Wildcard Games zeigte.

© REUTERS Zusammengesackt wie ein Stapel Bauklötze: Robert Griffin (l.) muss Russel Wilson gratulieren

Eine Stunde nach Spielende humpelte Robert Griffin III durch die Katakomben. Er lehnte sich an einen Kleiderschrank. Hielt inne. Humpelte weiter. Klammerte sich an die orangefarbene Wand neben seinem Spind. Zwängte sich vor den Augen der Reporter in seinen Anzug, ungeduscht. 14:24 hatte der Zweiundzwanzigjährige mit den Washington Redskins gerade in der ersten Play-off-Runde gegen die Seattle Seahawks verloren. Griffins famose Saison hatte damit ein schmerzliches Ende genommen.

Seit vergangenem Wochenende laufen die Play-offs in der amerikanischen Football-Liga (NFL) - und schon jetzt wird deutlich: Es ist eine geschichtsträchtige Endrunde für die jungen Quarterbacks wie Griffin. Drei „Rookies“, Spieler in ihrem ersten Dienstjahr, hatten ihre Mannschaften als Spielmacher in die Endrunde geführt: Andrew Luck (Indianapolis Colts), Russell Wilson (Seattle Seahawks) und Griffin. Drei Spielmacher-Neulinge in den Play-offs, das hatte es in der NFL-Historie noch nie gegeben. Den Rekord verdanken sie nicht nur ihrem Talent, ihrer guten Ausbildung. Sondern auch einem riskanten Strategiewechsel ihrer Trainer und Manager, der den jungen Leuten viel Verantwortung aufbürdet - manchmal zu viel, wie in Griffins Fall.

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Der Quarterback ist die Schaltzentrale einer Football-Mannschaft. Innerhalb von drei, zwei oder weniger als einer Sekunde muss er entscheiden: Werfe ich den Football zu einem meiner Fänger? Drücke ich das Ei einem Läufer in die Hand, der sich dann durch die gegnerische Verteidigung wühlt? Oder schmeiße ich mich den Abwehrmännern persönlich entgegen? Diesen Job hatten die Trainer bisher Routiniers anvertraut. Erfahrung war wichtiger als Begabung. Dieses Modell geriet aus der Mode. „Wir werfen die Rookies sofort ins Feuer und riskieren unsere Jobs lieber nach einem Jahr, anstatt drei Jahre zu warten“, sagte ein NFL-Sportdirektor, der anonym bleiben wollte, dem Sportsender ESPN.

Jugendtrend im American Fopotball

14 von 32 Stamm-Spielmachern in dieser Saison waren 25 Jahre - oder jünger. „Baptism by Storm“, stürmische Taufe, nennen sie in der NFL diesen Trend. Bis zu den Play-offs navigierten die Rookies überraschend sicher durch diverse Sturmböen. Griffin führte die Redskins zur ersten Divisionsmeisterschaft seit 13 Jahren. Sein Trainer Mike Shanahan hatte für das „Wunderkind“ (“New York Times“) sogar das Spielsystem umgestellt - früher ein fast undenkbarer Schachzug.

In Seattle vertrauten sie nicht ihrem teuren Zugang Matt Flynn den Spielmacher-Posten an, sondern den Debütanten Russell Wilson. Der Vierundzwanzigjährige lotste die Seahawks zu elf Siegen und der Play-off-Qualifikation. Und dann war da noch Andrew Luck, 23. Der Quarterback, der bis zu seinem elften Lebensjahr in Frankfurt gelebt und lieber Fußball als Football gespielt hatte. Das Talent, das 2011 einen mit angeblich 50 Millionen Dollar dotierten Profivertrag ablehnte, weil er lieber sein Architekturstudium beenden wollte.

Indianapolis Colts versus Baltimore Ravens © dpa Vergrößern Aufgewachsen mit Fußball in Frankfurt: Indianapolis-Quarterback Andrew Luck gilt trotz des Ausscheidens in den Wildcard Games als große Verheißung

Der Rookie, der ein Jahr später in Indianapolis die Nachfolge des Klub-Heiligen Peyton Manning antrat - und die Colts nach einer miserablen Vorsaison (2 Siege aus 16 Spielen) sensationell in die Play-offs führte, während sein Trainer Chuck Pagano im Krankenhaus gegen eine Leukämieerkrankung kämpfte. Doch mittlerweile, nach der ersten Play-off-Runde, ist klar: So bravourös die Neulinge bisher als Spielmacher agierten, so überfordert sind sie mit ihrer Verantwortung in der Endrunde. Luck wirkte nervös bei seinem Auftritt gegen die Baltimore Ravens. Er verwarf spielentscheidende Pässe, ganz anders als in der Hauptrunde. Am Ende gingen die Colts 9:24 unter. Griffin traf derweil auf die Seattle Seahawks und Rookie-Kollege Wilson. Nach 12 Minuten führten die Redskins 14:0. Dann kam der Moment, in dem Griffins Saison abrupt aufhörte.

Zusammengesackt wie ein Stapel Bauklötze

Im ersten Spielabschnitt schleppte er sich plötzlich vom Feld - Nachwehen einer vier Wochen alten Knieverletzung. Griffin war angeschlagen, zu angeschlagen, um weiterzumachen. Alle Zuschauer ahnten es. Griffins Trainer Shanahan wusste es. „Er war nicht so gut wie sonst“, sagte der Coach nach der Partie. Die Entscheidung, ob Griffin weitermachen durfte, traf allerdings ein anderer: Griffin selbst. „Ich verdiene es weiterzuspielen. Ich mache weiter!“, rief er seinem Trainer zu. Sechs Minuten vor Spielschluss holte Shanahan ihn dann doch vom Feld.

Griffin war zusammengesackt wie ein Stapel Bauklötze, das Knie hatte endgültig nachgegeben. Dass Seattles Russell Wilson das „Rookie-Duell“ letztlich 24:14 gewann, ging in der Debatte unter, warum Shanahan gegenüber seinem jungen Spielmacher klein beigegeben und ihn nicht früher ausgewechselt hatte. Am Dienstag berichtete ESPN, dass Griffin sich mindestens ein Außenband im Knie angerissen hat. Wann er wieder fit sein wird, ist unklar. Weshalb viele Fans nun die Entlassung von Shanahan fordern - also genau das, was der Trainer mit Hilfe seiner Verjüngungskur vor der Saison verhindern wollte.

Quelle: F.A.Z.

 
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