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American Football NFL beschließt das Ende der Europaliga

29.06.2007 ·  Aus für Frankfurt Galaxy, Aus für die NFL Europa. Die amerikanische National Football League hat bekanntgegeben, dass sie den Spielbetrieb ihrer europäischen Tochter einstellt. Damit endet eine Ära.

Von Leonhard Kazda
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Es kam wie befürchtet. Als sich am Freitagvormittag die rund 120 Angestellten der NFL Europa in einem Frankfurter Hotel trafen, war den meisten von ihnen wohl schon klar, was auf sie zukommen würde: das Aus der Footballprofiliga, Verlust des Arbeitsplatzes, Sozialplan. Wenig später erreichte eine E-Mail der Ligazentrale die Redaktionen und verschaffte Gewissheit in einer Frage, über die in vielen Medien in jüngster Zeit eine Menge spekuliert worden war: Die NFL Europa stellt nach 15 Spielzeiten ihren Betrieb ein.

Überraschend früh und in einer verblüffenden Selbstverständlichkeit bekannte die Liga knapp eine Woche nach dem spektakulären Word-Bowl-Finale in der Commerzbank-Arena Farbe. Die Situation erinnerte stark an jenen schnellen Abgang, den sich die damalige World League 1992 leistete, als das transkontinentale Projekt mit zehn Mannschaften in Europa und Nordamerika mit einem Fax beendet worden war. Kurz und schmerzlos. Genau wie jetzt.

„Ich glaube, das ist endgültig“

Originalton der Pressemitteilung: „Die NFL hat entschieden, ab sofort ihre internationalen Strategien und Ressourcen auf die 'Regular-Season-Games' außerhalb der USA zu konzentrieren, um dadurch das größtmögliche Publikum erreichen zu können. Das Resultat dieser Entscheidung ist zusätzlich, dass der NFL-Europa-Spielbetrieb eingestellt wird.“

Das war's also. In Frankfurt stehen die zwölf festangestellten Mitarbeitern der Galaxy nun ohne Job da. Und die Chancen, dass es ähnlich wie 1995 noch einmal einen Neuanfang für die NFL Europa geben könnte, stehen bei null. „Es wird keine Rückkehr in dieser Form mehr geben“, sagte Uwe Bergheim, der Geschäftsführer der NFL Europa, am Freitagnachmittag bei einer telefonischen Pressekonferenz. „Ich glaube, das ist endgültig.“

Es gibt drei wichtige Gründe für das Ende der NFL Europa: Das Geld, die Präsenz im Fernsehen und die oben angesprochene Neuorientierung der NFL. Sie wird sich in Zukunft auf die Ligaspiele konzentrieren, die außerhalb Amerikas Fans, Sponsoren und Fernsehen in viel größerem Maße ansprechen sollen als es die Spiele der sechs NFL-Europa-Teams getan haben.

Neues „Offshore“-Projekt der NFL

Insgesamt sei eine halbe Milliarde Dollar in die NFL Europa investiert worden, sagte Bergheim. „Das zeigt, welchen gewaltigen Aufwand die NFL betrieben hat, um diese Liga zu etablieren.“ Auch in dieser Saison habe die NFL Europa hohe Verluste geschrieben. Bei rund 35 bis 40 Millionen Dollar läge die Differenz zwischen Kosten und Einnahmen nach dieser Spielzeit. Bei äußerst optimistisch wirkenden 25 Prozent Steigerung der Einnahmen hat der Wirtschaftsplan der NFL Europa in dieser Saison gelegen. „Dieses Ziel haben wir verfehlt“, sagte Bergheim.

Nun will sich die NFL auf ihr neues „Offshore“-Projekt konzentrieren. Bereits Ende Oktober tragen die New York Giants im Londoner Wembleystadion ein reguläres Saisonspiel gegen die Miami Dolphins aus. Die 40.000 Tickets für diese Partie waren innerhalb von 90 Minuten verkauft. In den Vereinigten Staaten wurde schon vor Wochen darüber spekuliert, dass dieser unerwartete Ansturm der NFL Europa das Leben kosten könnte. Im kommenden Jahr sind bis zu zwei reguläre NFL-Saisonspiele außerhalb der Vereinigten Staaten vorgesehen.

Fünf deutsche Städte haben sich beworben: Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Berlin und München. Ein zusätzlicher Faktor des Scheiterns war das Fernsehen. Die ARD, mit der die NFL einen Vertrag abgeschlossen hatte, beschränkte ihre Berichterstattung auf das Super-Bowl-Finale der NFL und auf eine einstündige Zusammenfassung des World-Bowl-Finales am Samstag eine Stunde nach Mitternacht. „Dass wir keine zusätzlichen Fernseheinnahmen hatten, war entscheidend“, sagte Bergheim.

„A-Level“ soll nach Deutschland kommen

Der neue Chef der NFL-Europa hatte am Montag bei einem Treffen mit den Eigentümern der 32 NFL-Klubs versucht, einen Expansionsplan der Europaliga vorzustellen. Darin war geplant, die Liga alle zwei Jahre um zwei Teams zu vergrößern, um nach sechs Jahren mit zwölf Mannschaften in einer sechs Monate lang dauernden Saison anzutreten. „Für diesen Vorschlag fand sich keine Mehrheit, nicht einmal eine Minderheit“, erklärte Bergheim.

Was weiter keine Überraschung war. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Bergheims zweiter Vorschlag, die Liga zu schließen, „einstimmig angenommen“ wurde. Was wiederum bedeutet, das selbst der Eigentümer der Kansas City Chiefs, Carl Peterson – einst unter Commissioner Paul Tagliabue einer der Gralshüter der NFL Europa – auf die Linie des neuen Commissioners Roger Goodell umgeschwenkt ist.

So bleibt nicht viel übrig von der einstigen amerikanischen Begeisterung, die Welt sportlich mit einer Nachwuchs-Football-Liga zu erobern. Jetzt soll, wie es Bergheim ausdrückt, der „A-Level“, die „Championsleague“ nach Deutschland kommen. „Die Liga will das beste Produkt in die Welt tragen.“ Man darf also wieder einmal gespannt sein. Ein wenig Skepsis ist vielleicht auch beim „A-Level“ angebracht: Denn wer A sagt, muss bekanntlich auch B sagen.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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