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American Football In Phoenix aus der Asche

13.01.2009 ·  Der Quarterback Kurt Warner hat sich aus einem langen Tief befreit und führt die Arizona Cardinals nun in den Play-offs der National Football League in ungeahnte Höhen. Der Erfolg hat aber seinen Preis.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Beim Blick auf die Karriere des Footballprofis Kurt Warner fallen gewöhnlich drei Aspekte besonders auf: Dass er noch als Erwachsener mangels eines besseren Brotjobs in der Nachtschicht Supermarkt-Kunden in Iowa die Einkaufstüten eingepackt hat. Dass er in Amsterdam im inzwischen eingestellten Ableger der National Football League (NFL) in Europa gespielt hat und, zurück in den Vereinigten Staaten, als Ersatzmann vom Verletzungspech eines höher eingestuften Mannschaftskollegen profitierte. Und dass er von einer intensiven Religiosität beseelt ist.

Diese Stichworte tauchen auch deshalb immer wieder in Porträts über den 37 Jahre alten Quarterback auf, weil sie perfekt fast alle Klischees bedienen, die das Selbstwertgefühl der amerikanischen Gesellschaft bestimmen: Tellerwäscher werden Millionäre. Wer lange genug an seine Chance glaubt, wird sie irgendwann auch bekommen. Und in allem ist eine höhere Instanz im Spiel. Selbst in einer Mannschaftssportart mit elf Spielern auf jeder Seite und einer Kompanie von Taktiktrainern, die ihnen mit ausgetüftelten Plänen für alle Wenns und Abers auf dem Rasen zur Hand geht.

Warner rutschte ins Tief

Zwischendurch waren diese Geschichten allerdings selten geworden. Was einen simplen Grund hatte: Nach dem spektakulären Erfolg Warners mit den St. Louis Rams rund um die Jahrtausendwende, als er die Super Bowl gewann und zweimal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt wurde, kam irgendwann der Leistungsknick. Erst bröckelte der Mythos der „Greatest Show on Turf“, wie das attraktive, passsichere Kombinationsspiel der Rams getauft wurde.

Dann rutschte Warner ins Tief und konnte nach einem frustrierenden Abstecher zu den New York Giants froh sein, dass ihm in seinem Alter überhaupt noch jemand einen Job gab. Das waren im Jahr 2005 nur noch die Arizona Cardinals – die schlechteste Mannschaft der NFL seit 40 Jahren. Das Team in Phoenix war eigentlich nur auf der Suche nach einem Mann, der einen jungen, hoffnungsvollen Quarterback unterstützt und ohne zu mucken und ohne aufsässiges Ego-Trip-Getöse an der Seitenlinie steht.

Phoenix aus der Asche

Seit etwas mehr als einem Jahr jedoch steht Warner Woche um Woche mittendrin im Geschehen – auf dem Platz. Während das vermeintliche Talent Matt Leinart zuschaut. Und nicht nur das. Die Cardinals, die 2007 in Ken Whisenhunt einen der besten Offensivgestalter der NFL als Cheftrainer verpflichteten, fanden eine Reihe weiterer Bestandteile für einen formidablen Angriff. Und Warners Phoenix, das Team mit dem knallroten Vogel auf den Spielerhelmen, stieg tatsächlich aus der Asche, räumte in dieser Saison einen Gegner nach dem anderen aus dem Weg. Am Wochenende in Charlotte gewannen die Cardinals gegen die höher eingestuften Carolina Panthers 33:13 und stehen nun nach zwei Play-off-Erfolgen am kommenden Sonntag im Championship-Match der National Football Conference.

Die Siegesserie kommt einer Sensation gleich. Denn der Klub, der als eine der Gründungsinstitutionen der Liga bis 1959 in Chicago und danach fast dreißig Jahre in St. Louis beheimatet war, ist seit der Erfindung die Super Bowl in den sechziger Jahren nicht mehr so weit gekommen. Ein Sieg gegen die Philadelphia Eagles im neuen eigenen Stadion in Glendale mit einem Fassungsvermögen von 70 000 Zuschauern, gebaut vom New Yorker Architekten Peter Eisenman, der auch das Holocaust-Mahnmal in Berlin gestaltet hatte, und das Wunder ist perfekt. Die Eagles hatten am Sonntag den letzten Super-Bowl-Gewinner New York Giants mit 23:11 aus dem Rennen geworfen.

Vertragsstreitigkeiten

Oder besser: Es ist fast perfekt. Denn Kurt Warners Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Und erste Gespräche über eine Verlängerung haben keine Fortschritte gebracht. Was weniger daran liegt, dass man in Phoenix nicht den aktuellen Quarterback mit dem zielgenauen Wurfarm für die zentrale Figur der Mannschaft hält. Sondern an den finanziellen Vorstellungen des 37-Jährigen, die bei den Cardinals auf taube Ohren stoßen. Die strengen Salary-Cap-Bestimmungen der NFL geben dem Klub nur wenig Handlungsspielraum.

Nicht nur hat man mit Matt Leinart ein teures junges Talent auf der Bank sitzen, das fürs Nichtstun Millionen kassiert. Die neuen Stars der Mannschaft, die Wide Receiver Anquan Boldin und Larry Fitzgerald im Angriff und die Defensivspieler Dominique Rodgers-Cromartie, Antonio Smith und Antrel Rolle, müssen ebenfalls langfristig an die Mannschaft gebunden werden, wenn der Aufschwung nicht in einem Strohfeuer enden soll.

Warner findet es „awesome“

Warner genießt derweil und wartet ab. Was er ausstrahlt, ist Enthusiasmus pur. In seinem Alter und in der späten Phase seiner Laufbahn sei das einfach „awesome“ – dem älteren Semester geht das Modewort der jüngeren Generation locker über die Lippen, mit all seinen Schattierungen von „phantastisch“ über „ehrfurchtgebietend“ bis „überwältigend“. Die Späher der anderen NFL-Klubs, die dringend ihre Defizite auf der kritischen Quarterback-Position ausgleichen wollen, werden Warners Leistung vermutlich etwas niedriger hängen.

Vielleicht so wie Coach Ken Whisenhunt, der schon mit den Pittsburgh Steelers die Super Bowl gewonnen hat. „Es ist immer gut, wenn man einen erfahrenen Quarterback hat, der schon mal in den großen Spielen war und gewonnen hat“, sagt er. Vorausgesetzt, man kann sich ihn leisten.

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