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Veröffentlicht: 21.01.2013, 15:16 Uhr

American Football Die Quarterbacks lernen laufen

Zum ersten Mal seit 18 Jahren steht ein laufstarker Quarterback im Endspiel der nordamerikanischen Football-Liga NFL: Colin Kaepernick von den San Francisco 49ers. Das wirft die Frage auf: Sind laufende Spielmacher die Zukunft des Spiels?

von Johannes Knuth
© REUTERS Ball in die Hand und weg: Kaepernick hat einen Play-off-Laufrekord aufgestellt

Frank Gore wusste, bei wem er sich bedanken musste. 28:24 hatte der „Running Back“, einer der Ballträger, mit den San Francisco 49ers gerade den Einzug in den Super Bowl (4.2., 0.30 Uhr MESZ) gegen die Atlanta Falcons gesichert. Zwei Mal hatte Gore den Football in die Endzone der Falcons getragen, ein klarer Fall für die Kategorie „Matchwinner“. Aber Gore interessierte das alles nicht. Gut gelaunt schlenderte er den Reportern entgegen, er zog Colin Kaepernick zu sich, den Quarterback der 49ers, legte seinen Arm um Kaepernick. Dann sagte Gore: „Ohne diesen Mann“, er meinte Kapernick, „hätten wir es heute verdammt schwer gehabt.“

In zwei Wochen treffen die 49ers im Super Bowl auf die Baltimore Ravens, die am Sonntag die favorisierten New England Patriots 28:13 aus dem Wettbewerb kegelten, und schon jetzt steht fest: Colin Kaepernick, 25, hat das Endspiel der nordamerikanischen Football-Liga (NFL) um eine historische Komponente bereichert. Der Quarterback der 49ers ist der erste lauforientierte Spielmacher seit 18 Jahren, der das Finale  erreicht hat – eine kleine Sensation.

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Der Auftritt in Atlanta war erst sein 18. Profieinsatz. Und überhaupt: Laufstarke Quarterbacks gewinnen vielleicht Spiele in der Hauptrunde, aber keine Playoff-Partien oder gar Meisterschaften – das war unter Experten die jahrzehntelang gültige Lehre.

San Francisco 49ers quarterback Colin Kaepernick throws against the Atlanta Falcons during the second quarter in the NFL NFC Championship football game in Atlanta © REUTERS Vergrößern Die ureigene Kunst des Quarterbacks: Der gute Pass macht einen wie Kaepernick wertvoll

Tatsächlich haben es laufende Spielmacher schwer in der NFL. Beim Football geht es darum, den Ball möglichst weit über das Spielfeld zu transportieren. Dafür hat die Offensive zwei grundsätzlich Optionen: Laufen oder Passen. Für das Laufen sind speziell ausgebildete Angreifer zuständig, die Running Backs, kleine, muskelbepackte Athleten, die auf den ersten Metern mit jedem 100-Meter-Weltmeister mithalten könnten und mit dem Football unter dem Arm durch die gegnerische Verteidigungsreihen pflügen, bis sie ein Gegner zu Boden reißt.

Die Quarterbacks, groß und schlaksig, sind meist zu langsam für diese Aufgabe. Außerdem ist das Verletzungsrisiko für einen Spielmacher groß, wenn er sich ständig den Bulldozern der gegnerischen Defensive entgegenwirft. Quarterbacks sind dafür zuständig, den Football einem Fänger in die Arme zu werfen, dem Receiver, der den Ball dann weiter übers Feld trägt.

Laufende Spielmacher gab es in der Vergangenheit zwar immer wieder. In den Super Bowl schaffte es in den vergangenen zwei Jahrzehnten aber niemand. Bis Colin Kaepernick kam.

Verwirrung für die gegnerische Defense

In den Play-offs zeigte Kaepernick dann, dass laufstarke Quarterbacks durchaus titelreif sind. Im Viertelfinale gegen die Green Bay Packers (45:31) konzentrierte sich die gegnerische Verteidigung auf den etatmäßigen Läufer der 49er, Running Back Frank Gore. Das öffnete riesige Löcher für Kaepernick, durch die er immer wieder hindurchrannte. Am Ende hatte er 181 Yards zu Fuß zurückgelegt, ein Play-off-Rekord für Quarterbacks.

Als die 49ers am Sonntag bei den Atlanta Falcons antraten, zog Atlantas Defensive ihre Verteidiger aus der Mitte des Spielfelds auf die Flügel ab, um Kaepernicks Läufe zu verhindern – was wiederum viel Platz für Gore schuf. In der zweiten Spielhälfte wussten die Falcons nicht mehr, auf wen sie sich nun konzentrieren sollten: Kaepernick oder doch Gore? Und dann hatte Kaepernick ja noch die Möglichkeit, den Football zu passen, was er dann auch erfolgreich tat. Atlantas Verteidiger waren endgültig verwirrt. So drehte San Francisco einen 17-Punkte-Rückstand in einen Vier-Punkte-Erfolg.

Der Trend geht zum kompletten Spielmacher

Geht der Trend also zum laufenden Quarterback? Vermutlich nicht. Denn eigentlich ist Kaepernick kein laufdominanter Spielmacher, wie etwa ein Michael Vick, der aktuell für die Philadelphia Eagles rennt und wirft. „Colin kann laufen. Er kann werfen. Er kann alles“, diktierte sein Running Back Frank Gore den Reportern am Sonntag, während er Kaepernick im Arm hielt.

Die Zukunft könnte also eher dem kompletten Spielmacher gehören, der nicht nur gut passt – wie die derzeitigen Großmeister Tom Brady (New England), Peyton Manning (Denver Broncos) und Aaron Rodgers (Green Bay) – sondern der auch famos läuft und mit dieser zusätzlichen Fähigkeit die Verteidiger verwirrt. Wie Colin Kaepernick.

Einen derart befähigten Spielmacher gab es übrigens schon einmal: Steve Young, der bis dato letzte laufstarke Quarterback, der den Super Bowl gewann. Das war 1995, mit Kaepernicks derzeitigem Arbeitgeber: den San Francisco 49ers.

Quelle: FAZ.NET

 

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