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America's Cup Pin-up-Boy, Killer, Hai und Wunderknabe

14.05.2007 ·  Der America's Cup spitzt sich zu: FAZ.NET stellt die vier Steuerleute vor, die im Halbfinale der Herausforderer im Blickpunkt stehen. Sie kämpfen mit ihren internationalen Crews um das Recht, die „Alinghi“ im Kampf um die Krone des Segelsports zu fordern.

Von Michael Ashelm, Valencia
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Sie haben starke Nerven, sie können eine Mannschaft führen und gnadenlos Tempo bolzen mit ihren hochempfindlichen Rennyachten. Wenn von diesem Montag an der America's Cup mit dem Halbfinale der Herausforderer-Serie in die entscheidende Phase geht, dann stehen die vier Steuerleute im Blickpunkt. Die Männer mit der Macht über das Ruder, das sind zwei Neuseeländer, ein Australier und ein Pole. Sie kämpfen in den nächsten Wochen mit ihren internationalen Crews um das Recht, vor Valencia den Schweizer Titelverteidiger "Alinghi" im Kampf um die Krone des Segelsports herauszufordern.

Als Vorrundensieger wählte das "Team New Zealand" die viertplazierte Heimmannschaft von "Desafio Español" als Gegner aus. "BMW Oracle Racing" (Vereinigte Staaten) trifft auf die Italiener von "Luna Rossa". Wer zuerst fünf Rennen für sich entscheiden kann, steht im Herausforderer-Finale.

Der Jäger: Dean Barker

Schon beim vorigen America's Cup 2003 vor seiner Heimatstadt Auckland wollte der 34 Jahre alte Neuseeländer aus dem Schatten seines großen Landsmannes und Mentors Russell Coutts springen. Doch der erfolgreichste und bestbezahlte Segler der Geschichte schlug seinem smarten Schüler noch mal ein Schnippchen und sorgte als Steuermann der siegreichen "Alinghi" für die größte Sportschmach Neuseelands. Unter Dean Barkers Füßen brach das hochgezüchtete Rennboot auseinander, die Neuseeländer hatten das Hightech-Spiel der Ingenieure diesmal übertrieben. Der unrühmliche Pannen-Fall landete gar vor dem Parlament.

Während Coutts diesmal fehlt, möchte Barker mit dem "Team New Zealand" die Silberkanne zurückholen nach Ozeanien und seiner Karriere endlich den entscheidenden kräftigen Schub geben. In der Heimat gehört der Pin-up-Boy des Segelns neben den Rugby- und Cricket-Stars zu den prominentesten Sportlern - Typ netter Schwiegersohn. Auf dem Wasser zeigt der Neuseeländer seine Zähne und wird unterstützt von einer Riege erfahrener Fahrensleute. Allen voran der hochdekorierte Segelveteran Grant Dalton, der das Designteam von 2003 entließ, frisches Geld für die Kampagne besorgte (unter anderem durch einen Kredit des Schweizer Segelmilliardärs Ernesto Bertarelli), neue Hierarchien aufbaute und dafür sorgte, dass Barker durch die Verpflichtung des englischen Olympiasiegers Ben Ainslie als Steuermann des B-Bootes in jedem Training an seine Grenzen gehen musste. Seither wirkt Barker noch zielsicherer.

Der Kämpfer: Karol Jablonski

Als der Pole mit dem deutschen Pass für die Position hinter dem Steuerrad bei "Desafio Español" verpflichtet wurde, rümpften die Spanier die Nase. Sie wollten dort eigentlich einen aus ihren Reihen sehen. Dementsprechend schwierig gestaltete sich die Zusammenarbeit. Als Karol Jablonski Anfang des Jahres urplötzlich der amerikanische Segelstar Paul Cayard vor die Nase gesetzt wurde, glaubten viele an das Ende des Cup-Neulings beim iberischen Syndikat. Doch Jablonski kämpfte, arbeitete wie ein Besessener im Training, gewann Testregatten - und zog nach und nach die Crew auf seine Seite. Mit Nervenstärke lenkte er die grüne Yacht nun durch die Vorrunde des America's Cup und qualifizierte sich ein wenig überraschend für das Halbfinale. Den Organisatoren konnte gar nichts Besseres passieren, sorgt ein spanisches Boot auf Siegkurs vor Valencia doch für höheres Interesse bei den Zuschauern.

Jablonski kennt die Situation, gegen Widrigkeiten ankämpfen zu müssen. Er war Anfang zwanzig, als die Sportfunktionäre in Polen ihn wegen angeblich mangelnder Zukunftsaussichten aus dem Segelkader strichen und ihm das Boot wegnahmen. Der heute 44 Jahre alte Masure ging nach Deutschland, schlug sich mit Gelegenheitsjobs in der Fabrik und auf dem Bau durch, bis er bei Freunden in einer Werft am Steinhuder Meer bei Hannover eine neue Heimat fand. Er baute Boote, entwarf Segel und fand hinein in die professionelle Regattaszene. 1993 gewann er mit dem deutschen Team den Admiral's Cup, neun Jahre später wurde er Matchrace-Weltmeister. König Juan Carlos, ein eifriger Förderer des spanischen Segelsyndikats, sagte bei einer Mitfahrt als 18. Mann zu Jablonski: "Karol, es ist sehr gut, dich an Bord zu haben." So ändern sich die Zeiten. Inzwischen ist der "weiße Hai", wie Jablonski wegen seiner blonden Haare und seines aggressiven Fahrstils genannt wird, ein umworbener Mann, nicht allein die Spanier haben seine Klasse erkannt.

Der General: Chris Dickson

Keiner im Yachthafen von Valencia dürfte unter größerem Erfolgsdruck stehen. Der 46 Jahre alte Neuseeländer Chris Dickson vom amerikanischen Favoriten-Rennstall "BMW Oracle Racing" ist nicht nur Steuermann, sondern auch Geschäftsführer der gesamten Unternehmung. Er verfügt mit rund 150 Millionen Euro über das höchste Budget, muss seinem exzentrischen Boss, dem Softwaremilliardär Larry Ellison, den versprochenen Titel endlich liefern und will deshalb nach vier Teilnahmen den großen Wurf beim America's Cup landen. Dickson ist ein überpenibler Perfektionist. Wer in seine stechend blauen Augen mit dem eiskalten Blick schaut, versteht, weshalb ihn einige seiner Kollegen "Killer" nennen.

Er lebt seinen Ehrgeiz aus, die Segelunternehmung mit ihren 150 Angestellten bis in den letzten Winkel hundertprozentig kontrollieren zu wollen. Wer nicht pariert, bekommt Ärger und sieht sich schnell auf dem Abstellgleis. Wer mit Dickson auskommen will, muss funktionieren und sich dem Regiment des Segelgenerals unterordnen. Wohl deshalb hat ihn der Amerikaner Ellison geholt, verspürt er doch eine Art Seelenverwandtschaft zu dem erfolgsversessenen Neuseeländer. Doch es gibt nicht wenige, die glauben, Dickson könnte mal wieder scheitern, weil er sich mit seinem unberechenbaren Ehrgeiz in wichtigen Momenten selbst im Wege stünde. Im entscheidenden Rennen der Vorrunde um den abschließenden ersten Platz im Klassement, der zur Wahl des Halbfinalgegners berechtigte, unterlag er ein wenig überraschend seinem jüngeren neuseeländischen Landsmann Dean Barker. Der Grund: eine sehr forsche wie eigenwillige Kurswahl.

Das Genie: James Spithill

Es ist bestimmt nicht angenehm, unter dem unnahbaren Segelpatron Patrizio Bertelli zu dienen. Der Modezar aus dem Prada-Clan heuert und feuert, belohnt und bestraft, dass einem der Spaß schnell vergehen kann. Es ist deshalb kein Fehler, mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein an die große Aufgabe auf der italienischen "Luna Rossa" zu gehen und dem Chef nach seinen zwei vergeblichen Anläufen endlich zum großen Titel zu verhelfen. James Spithill ist zwar erst 27 Jahre alt und eigentlich viel zu jung für jemanden in dieser verantwortungsvollen Position.

Doch sein jugendlicher Mut und das unnachahmliche Gefühl für die Naturgewalten geben ihm die nötige Sicherheit für diesen heiklen Job. Der Australier ist der geniale Überflieger der Branche. Schon zweimal nahm er vor dieser 32. Ausgabe am America's Cup teil. 1999 steuerte er mit nicht mal 20 Jahren vor Auckland die "Young Australia", ein Boot, besetzt mit den besten Jungseglern des fünften Kontinents. Dort schlug er den dreimaligen Olympiasieger Jochen Schümann aus Deutschland, damals am Steuer der Schweizer Verliereryacht "Be Happy". Sein bisher bestes Jahr hatte er 2005 mit dem Gewinn der Matchrace-Weltmeisterschaft und dem Sieg im renommierten Bermuda Gold Cup, als Spithill im Finale den großen Segelheroen Russell Coutts bezwang und als Junior zum zweiten Platz in der Weltrangliste aufstieg. Einen legendären Ruf erwarb sich der Wunderknabe aus Sydney schon als Teenager, als er 1998 die Yacht eines reichen australischen Gönners beim Hochseerennen von Sydney nach Hobart durch einen fürchterlichen Sturm auf den dritten Rang steuerte. Sechs Seeleute anderer Boote ertranken, fünf Yachten sanken.

Quelle: F.A.Z., 14.05.2007, Nr. 111 / Seite 18
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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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