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America’s Cup : Neuseeland segelt am ersten Tag auf und davon

Team New Zealand war mit seinem roten Segel meist in Front. Bild: dpa

Traumstart für das Team New Zealand im Finale um den America’s Cup: Der Herausforderer entscheidet die ersten beiden Rennen gegen Amerika deutlich für sich. Vor allem einer ist danach ziemlich ernüchtert.

          Anfangs etwas übermotiviert, am Ende ziemlich ernüchtert: Der erste Finaltag beim 35. America's Cup war kein guter für Jimmy Spithill und das Oracle Team aus den Vereinigten Staaten. Der Titelverteidiger verlor am Samstagabend vor der Küste Bermudas die ersten beiden Rennen um den bedeutendsten Titel im Segelsport gegen das Team New Zealand deutlich und geht – nachdem die Amerikaner die vor zwei Wochen ausgetragene Qualifikationsrunde für sich entschieden und dadurch ihren Gegner aus Neuseeland mit einem Minuspunkt belegten – nun mit einem 0:1-Rückstand in die nächsten beiden Regatten an diesem diesen Sonntag (19 Uhr / Live auf Sky und Servus TV). Insgesamt sind sieben Punkte nötig, um den America’s Cup für sich zu entscheiden.

          Das Finale um die älteste Sporttrophäe der Welt war noch nicht einmal richtig gestartet, da hatten sich Spithill und seine Crew schon die erste Strafe eingefangen: Eine Sekunde zu früh hatte der für seine aggressive Art zu segeln berüchtigte Skipper aus Australien die virtuelle Startlinie im Großen Sund nahe dem Hafen der Hauptstadt Hamilton passiert – und musste den Neuseeländern deswegen zwei Bootslängen Vorsprung geben. Das Team um Skipper Peter Burling nutzte diesen Vorteil und ließ den Rückstand von Oracle auf dem L-förmigen Kurs schnell auf mehr als anderthalb Minuten wachsen.

          Auf der Suche nach der richtigen Balance zwischen dem kürzesten Weg und der besten Position zum an diesem Tag nur schwachen Wind, wählte der erst 26 Jahre alte Olympiasieger von Rio meist die bessere Option als sein elf Jahre älterer Konkurrent und ließ den Amerikanern trotz eines schweren Fehlers bei einem der letzten Manöver keine Chance. „Es waren nicht ganz so einfache Bedingungen, aber wir sind damit ganz gut zurechtgekommen“, sagte Burling. „Wir haben uns vor dem ersten Start bewusst etwas zurückgehalten, weil Oracle sehr weit vorne war. Es lief noch lange nicht alles perfekt, aber wir können für heute zufrieden sein.“

          Vorsprung trotz Fehlers

          Denn auch das zweite Rennen dominierten der als Jahrhunderttalent bezeichnete Skipper aus dem Norden Neuseelands und seine Crew. Nachdem das Team New Zealand – das im Herausforderer-Finale gegen das Artemis-Team aus Schweden trotz eines deutlichen 5:2-Sieges die Vorstartphasen regelmäßig verschlafen hatte – den Start diesmal knapp für sich entscheiden konnte, segelten sie in der Folge abermals konsequent schneller als der Titelverteidiger und erarbeiteten sich trotz eines weiteren Fehlers bis zum Ziel einen Vorsprung von fast 90 Sekunden. Während sich die Herausforderer also nach ihren beiden Auftaktsiegen zufrieden abklatschen durften, herrschte beim Oracle-Team angespannte Stimmung: „Wir haben heute einige Fehler gemacht, die wir analysieren werden. Vor dem ersten Start hatten wir Software-Probleme, das sollte nicht noch einmal passieren. Noch ist aber natürlich nichts verloren“, erklärte Spithill wortkarg und verließ ohne weitere Ausführungen mit ernster Miene seinen Katamaran.

          Dass diese beiden deutlichen Siege noch überhaupt nichts bedeuten, werden die Neuseeländer indes wohl am besten wissen: Vor vier Jahren führten sie mit ihrem damaligen Steuermann Dean Barker im Finale um die begehrte Silberkanne bereits mit 8:1 gegen Oracle, konnten dann aber die letzten acht Rennen in Folge nicht gewinnen und verloren schließlich noch 8:9. Der historische Sieg von Spithill und seiner Crew hatte das Team New Zealand damals in eine tiefe Krise gestürzt – und eine langwierige Phase der Erneuerung eingeläutet, an dessen Ende nun vor allem Peter Burling sein Land erlösen soll. Er könnte in der Neuauflage eines der dramatischsten Duelle der Sportgeschichte der jüngste Skipper werden, der jemals ein Team zum America’s-Cup-Titel geführt hat. Dass Jimmy Spithill dies verhindern will, versteht sich von selbst – der Australier könnte schließlich der erste Steuermann werden, der den Cup drei Mal in Folge gewinnt.

          Der 35. America`s Cup im Überblick

          Modus: Nach Qualifikationsrunden mit sechs Booten kommt es zum Zweikampf beim Finale beim America`s Cup. Dabei trifft Titelverteidiger Oracle Team USA auf Team New Zealand. Beide standen sich schon bei der vergangenen Ausgabe 2013 gegenüber. Da die Amerikaner in der Qualifikation am besten abschnitten, gehen sie mit einem Punkt Vorsprung in die Final-Regatten (offizielles Start-Resultat ist: Oracle gegen New Zealand 0 zu -1). Pro Tag sind zwei Läufe angesetzt. Für einen Sieg gibt es einen Punkt. Wer zuerst sieben Punkte gesammelt hat, gewinnt den 35. America’s Cup vor Bermuda. Oracle muss also sieben Rennen gewinnen, New Zealand aufgrund des Rückstands acht.

          Aktueller Stand: Oracle Team USA - Team New Zealand 0 : 1

          Weitere Termine der Final-Regatten:

          Sonntag, 18. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 3. Wettfahrt
          19.45 Uhr MESZ: 4. Wettfahrt

          Samstag, 24. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 5. Wettfahrt
          19.45 Uhr MESZ: 6. Wettfahrt

          Sonntag, 25. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 7. Wettfahrt
          19.45 Uhr MESZ: 8. Wettfahrt*

          Montag, 26. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 9. Wettfahrt*
          19.45 Uhr MESZ: 10. Wettfahrt*

          Dienstag, 27. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 11. Wettfahrt*
          19.45 Uhr MESZ: 12. Wettfahrt*

          Mittwoch, 28. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 13. Wettfahrt*
          19.45 Uhr MESZ: 14. Wettfahrt*

          * werden nur ausgetragen, falls noch kein Team sieben Siege erreicht hat. Der Zeitunterschied zu Bermuda beträgt fünf Stunden (Deutschland 19.00 Uhr, Bermuda 14.00 Uhr).

          Alle Ergebnisse, Gesamtstand und Termine zum America’s Cup gibt es hier.

          America’s Cup im TV

          Zu sehen sind die Final-Regatten in Deutschland bei Sky Sport News HD, dem frei empfangbaren Sender von Sky, jeweils ab 19.00 Uhr. Heiko Mallwitz kommentiert, Olympiasieger Jochen Schürmann und Oliver Schwall sind die Experten. Hier gibt es den Livestream.

          Auch ServusTV überträgt die Rennen vom America’s Cup. Die Übertragungen beginnen jeweils um 18.55 Uhr. Kommentator ist Gerhard Leinauer mit den Experten Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher. Hier gibt es den Livestream.

          Quelle: FAZ.NET

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