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America's Cup Demütigung für Titelverteidiger Alinghi

12.02.2010 ·  Vier Stunden nervende Ungewissheit, ein Fast-Zusammenstoß und eine spektakuläre Aufholjagd: Der Start zum Duell im America's Cup entschädigte für die wetterbedingten Absagen zu Wochenbeginn - mit einem überraschenden Ergebnis.

Von Michael Ashelm, Valencia
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Ein Beinahe-Zusammenstoß, eine spektakuläre Aufholjagd und am Ende ein glanzvoller Sieg: Der Start zum mit Spannung erwarteten Duell im America's Cup vor Valencia hat für die wetterbedingten Absagen zu Beginn der Woche entschädigt. Das erste Rennen am Freitag bei schwächerer Brise endete zudem mit einer Überraschung.

Nicht die leicht favorisierte Crew der Schweizer „Alinghi 5“ gewann, welche bei gemäßigtem Wind mit ihrem leichteren Katamaran eigentlich besser sein wollte. Als Erstes fuhr das amerikanische Team von BMW Oracle Racing mit dem je 30 Meter langen und breiten Trimaran „USA-17“ ins Ziel. Der Vorsprung nach 40 Seemeilen (74 Kilometer) betrug 3,5 Kilometer. In Zeit gerechnet kam Alinghi 15:28 Minuten später an, was einer bösen Klatsche entsprach.

„Das war einer der härtesten Tage meines Seglerlebens“, sagte der erst 30 Jahre alte Steuermann der Amerikaner, James Spithill. „Aber der Erfolg ist großartig, trotzdem können wir noch besser werden.“ Als klarer Vorteil für die Amerikaner könnte sich das 68 Meter hohe und 660 Quadratmeter große, in diesen extremen Dimensionen erstmals beim America's Cup eingesetzte Flügelsegel erweisen, das wie eine Flugzeugtragfläche funktioniert und offenbar das entscheidende Plus beim Vortrieb auf dem Wasser ausmacht.

Ein Raunen geht durch den Park am Yachthafen

Das Gewinnerteam des amerikanischen Software-Milliardärs Larry Ellison entwickelte mit seiner Rennyacht viel mehr Power als die Konkurrenz. Dabei sah es zuerst nach einem Desaster aus. Während die beiden Boote in der Startphase fast kollidiert wären - wofür Alinghi wegen eines Wegerechtsverstoßes von der Wettfahrtleitung mit einem Strafkringel belastet wurde -, blieben die Amerikaner mit Steuermann Spithill aufgrund eines Handlingproblems erstmal auf dem Fleck stehen. Ihr Dreirumpfboot hatte sich mit der Nase in den Wind gestellt und nahm keine Fahrt auf. Fast zwei Minuten wurden bei diesem Fauxpas verloren.

Doch der 700-Meter-Vorsprung der Schweizer konnte wie im Fluge - und auf einer Kufe segelnd - schnell eingeholt werden. Und nicht nur das: Nach 15 Minuten wurde der Gegner überholt, an der Wendetonne, nach der Hälfte der 40-Seemeilen-Di-stanz, lagen die Amerikaner schon 3:21 Minuten vorne. Der Abstand auf dem Vorwindkurs zurück zur Ziellinie vergrößerte sich dann immer weiter. Spithill und seine neun Kollegen an Bord des mächtigen Trimarans machten keine groben Schnitzer mehr und drückten sogar noch mehr auf die Tube.

Ein Raunen ging durch den Park am Yachthafen, wo einige Hundert Fans das Rennen per Public Viewing verfolgten. Bei Windgeschwindigkeiten um die zehn Knoten (19 Kilometer pro Stunde) erreichte das Siegerboot Geschwindigkeiten bis zu 30 Knoten (56 Kilometer pro Stunde). Nach zweieinhalb Stunden war BMW Oracle Racing mit einem großen Vorsprung im Ziel und deklassierte die Mannschaft des Genfer Milliardärs Ernesto Bertarelli, der sich die Aufgabe am Steuerrad der „Alinghi 5“ mit dem Franzosen Loick Peyron teilte.

Der America's Cup ist für kuriose Wendungen berüchtigt

Die Schweizer besetzten ihren Katamaran mit 13 Seglern; aus Gewichtsgründen war kurz vor dem Start der Neuseeländer Peter Evans noch schnell ins kalte Wasser gesprungen, aus dem er von einem Begleitboot dann aufgenommen wurde. Die Außentemperaturen kamen nicht über acht Grad. Aber alles half nichts für die Alin-ghi-Leute. Wie geht es nun weiter für den Titelverteidiger, der den America's Cup zwei Mal in Folge gewonnen und erstmals nach Europa zurückgebracht hatte?

Das Team aus der Schweiz gerät nun stark unter Druck, erscheinen die Amerikaner mit ihrer monströsen Hightech-Tragfläche doch als übermächtig. Wenn Ellisons Crew auch das für diesen Sonntag vorgesehene Rennen gewinnen sollte, ginge die 159 Jahre alte Silbertrophäe nach 15 Jahren wieder in die Vereinigten Staaten. Und nach zwei missglückten Versuchen hätte auch der Software-Tycoon endlich sein Ziel erreicht. Doch der America's Cup ist für kuriose Wendungen berüchtigt.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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