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Sonntag, 19. Februar 2012
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America's Cup Das 300-Millionen-Duell

16.12.2009 ·  Nach der juristischen Schlacht kommt es im America's Cup nun vor Valencia zum Showdown der Segelgiganten. Dafür konstruieren Alinghi und BMW Oracle die schnellsten Boote der Welt.

Von Michael Ashelm
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Es ist zwei Jahre her, da bezeichnete Ernesto Bertarelli seinen Konkurrenten Larry Ellison wenig charmant als einen „Verlierertypen“. Damals hatte die Auseinandersetzung um die Zukunft des America's Cup gerade begonnen, welche sich dann zum erbittertsten und teuersten Streit der Segelgeschichte entwickelte. Im Triumphgefühl des zweiten Titelgewinns glaubte der Besitzer des Schweizer Segelteams „Alinghi“, auch an Land und im juristischen Clinch mit seinem Milliardärskollegen aus den Vereinigten Staaten voll auf Siegkurs zu liegen. Nach dem endgültigen Urteil des zuständigen Gerichtshofs in New York hat sich diese Einschätzung jedoch als Irrtum erwiesen. Dies hat eine für die Segelwelt spektakuläre Konsequenz: Die 33. Ausgabe des America's Cup jetzt doch vor Valencia wird zu einem brisanten, durch die vorherrschenden Wetterverhältnisse auch gefährlichen Revancheduell auf dem Wasser - und das schon in weniger als zwei Monaten.

In einer Art Vorahnung ihres Sieges vor Gericht, verluden die Amerikaner vom Team BMW Oracle Racing Anfang der Woche ihren 30 Meter langen und 27 Meter breiten Trimaran in San Diego, wo sie zuletzt trainiert hatten, auf ein Containerschiff. Die Segelfracht befindet sich auf dem Weg nach Valencia, wo nun am 8. Februar die Regattaserie mit zwei hochgerüsteten Mehrrumpfbooten starten soll. Von einem „großen Schritt“ sprach man in Ellisons Lager.

Alle Bemühungen der Schweizer und von Bertarelli, als Titelträger ihr präferiertes Segelrevier am Persischen Golf vor Ras Al Khaimah durchzudrücken, schlugen dagegen vor dem Richter in New York fehl. Der entschied, dass Alinghis Austragungsort nicht in Einklang mit den festgeschriebenen Regeln in der mehr als zwei Jahrhunderte alten Stiftungsurkunde des America's Cup stehe und deshalb als einzige, von beiden Seiten anerkannte Alternative nur die spanische Hafenstadt wie nach 2007 in Frage käme.

Verlegung um ein oder zwei Monate wäre möglich

Weil die Schweizer, die sich lange als natürliche Sieger in der Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Team sahen, ihre Niederlage eingestanden haben, geht die Branche davon aus, dass die Rennen nun wirklich stattfinden und keine neuen juristischen Winkelzüge die Bemühungen um den Regattastart im neuen Jahr ausbremsen. „Hundertprozentig sicher bin ich mir aufgrund der unendlichen Vorgeschichte aber noch nicht“, sagt Jochen Schümann. „Die Frage ist doch, ob ein solcher Event in sieben Wochen gestemmt werden kann.“ Deutschlands erfolgreichster Segler gewann einst an der Seite von Bertarelli zwei Mal den America's Cup und führt derzeit das neugegründete deutsch-französische Segelteam an.

Die beiden Gegner in der 33. Auflage könnten sich also noch darauf einigen, das Duell einen oder zwei Monate später zu starten. Für den Monat Mai hat die Stadt Valencia, die bis zu zehn Millionen Euro für die Organisation der Regatta locker machen will, aber schon ihr Veto eingelegt, weil dann am America's-Cup-Hafen die Umbauarbeiten für das Formel-1-Rennen im Juni stattfinden. Es stellt sich allerdings die Frage, ob Änderungsvorschläge der einen oder anderen Seite überhaupt noch diskutiert werden, weil von nun an natürlich jeder kleinste Korrekturversuch des Gegners im Verdacht steht, sich einen Vorteil im Rennen verschaffen zu wollen. Ein Geschacher zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing könnte um die Länge des Regattaformats entstehen, das bislang zwei Tagessiege für eine Entscheidung vorsieht. Als Renntermine sind der 8., 10. und 11. Februar vorgesehen, es könnten vielleicht noch mehr werden.

Geschwindigkeiten um die 80 Kilometer pro Stunde

Keine der beiden Seiten ist bisher zu inhaltlich tieferen Aussagen bereit. Nach den Juristen müssen nun die Segelexperten und Technikspezialisten der Teams im Eiltempo ans Limit gehen und das Duell vorbereiten. Die Wetterbedingungen haben da schon zu Sorgen geführt. Im Winter fehlt vor Valencia die Zuverlässigkeit der thermischen Winde, die sich bei sommerlicher Sonneneinstrahlung pünktlich gegen Mittag an Land aufbauen. Von totaler Flaute bis Sturm mit aufgewühlter See ist im Februar alles möglich. Hinzu kommt die relativ kurze Testphase für die monströsen Mehrrumpfboote. BMW Oracle Racing will ein Segel mit Klappelementen einsetzen, das wie eine Flugzeugtragfläche funktioniert und länger ist als der Flügel eines Airbus A380. Auch Alinghi ist mit seinem 35 Meter langen und 25 Meter breiten Katamaran, auf dem ein 50 Meter langer Mast stehen wird, in eine neue Dimension vorgestoßen. Geschwindigkeiten um die 80 Kilometer pro Stunde sind möglich. „Das ist ultimative Segeltechnik“, sagt Schümann, „allerdings für eine sehr schmale Bandbreite und sehr zerbrechlich.“ Ist das High-Tech-Material von den Seglern noch zu beherrschen? Wie groß ist das Risiko des Einsatzes dieser neuen Superyachten?

Die beiden Crews und ihre Milliardäre im Hintergrund sind von ihrem Tun überzeugt. Koste es, was es wolle. 300 Millionen Euro sollen bisher für die Vorbereitungen auf das Duell, den Bau der Boote und die juristische Schlacht insgesamt angefallen sein. Einen Platz in der Geschichte des America's Cup wird jetzt schon die Odyssee der Alinghi haben. Erst wurde die Yacht mit dem Lastenhubschrauber vom Genfer See über die Alpen ins Testrevier nach Genua gehievt, dann zum vermeintlichen Austragungsort an den Persischen Golf verschifft - und jetzt heißt es, Kommando zurück, ab nach Valencia. Hoffentlich verfahren sich die Schweizer nicht irgendwann.

Es ist zwei Jahre her, da bezeichnete Ernesto Bertarelli seinen Konkurrenten Larry Ellison wenig charmant als einen „Verlierertypen“. Damals hatte die Auseinandersetzung um die Zukunft des America's Cup gerade begonnen, welche sich dann zum erbittertsten und teuersten Streit der Segelgeschichte entwickelte. Im Triumphgefühl des zweiten Titelgewinns glaubte der Besitzer des Schweizer Segelteams „Alinghi“, auch an Land und im juristischen Clinch mit seinem Milliardärskollegen aus den Vereinigten Staaten voll auf Siegkurs zu liegen. Nach dem endgültigen Urteil des zuständigen Gerichtshofs in New York hat sich diese Einschätzung jedoch als Irrtum erwiesen. Dies hat eine für die Segelwelt spektakuläre Konsequenz: Die 33. Ausgabe des America's Cup jetzt doch vor Valencia wird zu einem brisanten, durch die vorherrschenden Wetterverhältnisse auch gefährlichen Revancheduell auf dem Wasser - und das schon in weniger als zwei Monaten.

In einer Art Vorahnung ihres Sieges vor Gericht, verluden die Amerikaner vom Team BMW Oracle Racing Anfang der Woche ihren 30 Meter langen und 27 Meter breiten Trimaran in San Diego, wo sie zuletzt trainiert hatten, auf ein Containerschiff. Die Segelfracht befindet sich auf dem Weg nach Valencia, wo nun am 8. Februar die Regattaserie mit zwei hochgerüsteten Mehrrumpfbooten starten soll. Von einem „großen Schritt“ sprach man in Ellisons Lager.

Alle Bemühungen der Schweizer und von Bertarelli, als Titelträger ihr präferiertes Segelrevier am Persischen Golf vor Ras Al Khaimah durchzudrücken, schlugen dagegen vor dem Richter in New York fehl. Der entschied, dass Alinghis Austragungsort nicht in Einklang mit den festgeschriebenen Regeln in der mehr als zwei Jahrhunderte alten Stiftungsurkunde des America's Cup stehe und deshalb als einzige, von beiden Seiten anerkannte Alternative nur die spanische Hafenstadt wie nach 2007 in Frage käme.

Verlegung um ein oder zwei Monate wäre möglich

Weil die Schweizer, die sich lange als natürliche Sieger in der Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Team sahen, ihre Niederlage eingestanden haben, geht die Branche davon aus, dass die Rennen nun wirklich stattfinden und keine neuen juristischen Winkelzüge die Bemühungen um den Regattastart im neuen Jahr ausbremsen. „Hundertprozentig sicher bin ich mir aufgrund der unendlichen Vorgeschichte aber noch nicht“, sagt Jochen Schümann. „Die Frage ist doch, ob ein solcher Event in sieben Wochen gestemmt werden kann.“ Deutschlands erfolgreichster Segler gewann einst an der Seite von Bertarelli zwei Mal den America's Cup und führt derzeit das neugegründete deutsch-französische Segelteam an.

Die beiden Gegner in der 33. Auflage könnten sich also noch darauf einigen, das Duell einen oder zwei Monate später zu starten. Für den Monat Mai hat die Stadt Valencia, die bis zu zehn Millionen Euro für die Organisation der Regatta locker machen will, aber schon ihr Veto eingelegt, weil dann am America's-Cup-Hafen die Umbauarbeiten für das Formel-1-Rennen im Juni stattfinden. Es stellt sich allerdings die Frage, ob Änderungsvorschläge der einen oder anderen Seite überhaupt noch diskutiert werden, weil von nun an natürlich jeder kleinste Korrekturversuch des Gegners im Verdacht steht, sich einen Vorteil im Rennen verschaffen zu wollen. Ein Geschacher zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing könnte um die Länge des Regattaformats entstehen, das bislang zwei Tagessiege für eine Entscheidung vorsieht. Als Renntermine sind der 8., 10. und 11. Februar vorgesehen, es könnten vielleicht noch mehr werden.

Geschwindigkeiten um die 80 Kilometer pro Stunde

Keine der beiden Seiten ist bisher zu inhaltlich tieferen Aussagen bereit. Nach den Juristen müssen nun die Segelexperten und Technikspezialisten der Teams im Eiltempo ans Limit gehen und das Duell vorbereiten. Die Wetterbedingungen haben da schon zu Sorgen geführt. Im Winter fehlt vor Valencia die Zuverlässigkeit der thermischen Winde, die sich bei sommerlicher Sonneneinstrahlung pünktlich gegen Mittag an Land aufbauen. Von totaler Flaute bis Sturm mit aufgewühlter See ist im Februar alles möglich. Hinzu kommt die relativ kurze Testphase für die monströsen Mehrrumpfboote. BMW Oracle Racing will ein Segel mit Klappelementen einsetzen, das wie eine Flugzeugtragfläche funktioniert und länger ist als der Flügel eines Airbus A380. Auch Alinghi ist mit seinem 35 Meter langen und 25 Meter breiten Katamaran, auf dem ein 50 Meter langer Mast stehen wird, in eine neue Dimension vorgestoßen. Geschwindigkeiten um die 80 Kilometer pro Stunde sind möglich. „Das ist ultimative Segeltechnik“, sagt Schümann, „allerdings für eine sehr schmale Bandbreite und sehr zerbrechlich.“ Ist das High-Tech-Material von den Seglern noch zu beherrschen? Wie groß ist das Risiko des Einsatzes dieser neuen Superyachten?

Die beiden Crews und ihre Milliardäre im Hintergrund sind von ihrem Tun überzeugt. Koste es, was es wolle. 300 Millionen Euro sollen bisher für die Vorbereitungen auf das Duell, den Bau der Boote und die juristische Schlacht insgesamt angefallen sein. Einen Platz in der Geschichte des America's Cup wird jetzt schon die Odyssee der Alinghi haben. Erst wurde die Yacht mit dem Lastenhubschrauber vom Genfer See über die Alpen ins Testrevier nach Genua gehievt, dann zum vermeintlichen Austragungsort an den Persischen Golf verschifft - und jetzt heißt es, Kommando zurück, ab nach Valencia. Hoffentlich verfahren sich die Schweizer nicht irgendwann.

Quelle: F.A.Z.
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