15.02.2010 · Herausforderer BMW Oracle hat den America's Cup gewonnen und Alinghi entthront. Das Segelteam von Software-Tycoon Larry Ellison besiegte die Schweizer auch in der zweiten Regatta. Es ist der 28. amerikanische Sieg im wichtigsten Segel-Wettbewerb der Welt.
Von Michael Ashelm, ValenciaHautnah wollte Larry Ellison diesmal dabei sein - für diesen Mut ist der 65 Jahre alte Milliardär aus San Francisco dann auch belohnt worden. Als VIP-Passagier an Bord seiner hochtechnisierten und anspruchsvoll zu steuernden Dreirumpfyacht „USA-17“ konnte er am Sonntag vor Valencia aus nächster Nähe erleben, wie ihm die Segelprofis des amerikanischen Teams BMW Oracle Racing seinen Traum vom Triumph im America's Cup erfüllten.
Wie schon im ersten Rennen am Freitag gewann die Crew mit großer Überlegenheit gegen den Titelverteidiger Alinghi aus der Schweiz und sicherte sich damit zum ersten Mal die wichtigste Trophäe des Segelsports - die 159 Jahre alte, silberne „Auld Mug“. Der Sieg wird nicht nur Ellison und seine Leute bewegen, sondern auch die Segelgemeinde in den Vereinigten Staaten elektrisieren.
Über sechs Stunden Wartezeit
Nachdem die Amerikaner die Silbertrophäe nach 144 Jahre langer Dominanz, nur unterbrochen durch den Sieg der Australier (1983 bis 1987), im Jahre 1995 an die Neuseeländer verloren hatten und der begehrte Pott danach in die Schweiz ging, ist er jetzt wieder zurück. „Es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte der australische Steuermann der Amerikaner, James Spithill, der seinen Patron so schön zum Erfolg chauffiert hatte.
Mehr als sechs Stunden mussten die Segler auf dem Wasser ausharren, bis der Wettfahrtleiter im letzten Moment gegen halb fünf am Nachmittag den Startschuss zum zweiten Rennen in diesem speziellen Duell gab. Es war das entscheidende - und begann wieder höchst spektakulär. Erst wurde die Schweizer Crew mit dem Teambesitzer Ernesto Bertarelli am Steuer wie schon am Freitag wegen eines Regelverstoßes in der Startphase mit einem Strafkringel belastet, dann lieferten sich beide Mannschaften auf der ersten der diesmal drei Bahnen des insgesamt 39 Seemeilen langen Dreieckskurses (72 Kilometer) einen heftigen Schlagabtausch.
Steuermann Spithill gab richtig Gas
Bei schwächeren Winden zwischen fünf und zehn Knoten wechselte die Führung mehrmals. Gegenüber dem Rennen am Freitag zeigte sich die „Alinghi 5“ und ihre Crew auf dem Katamaran wie ausgewechselt - doch noch lange nicht gut genug. Die erste Wendemarke umkurvten die Amerikaner schon wieder mit 28 Sekunden Vorsprung - und dann gab ihr junger Steuermann Spithill richtig Gas.
Nach der zweiten Bahn lag BMW Oracle Racing mit 2:44 Minuten in Front, und wieder zeigte sich der Technikvorteil der führenden Crew mit ihrem riesigen Flügelsegel auf dem Trimaran. Ganz locker steuerte Spithill die grau-schwarze Riesenyacht von Ellison nach Hause, am Ende im Ziel um genau 18.32 Uhr, als schon die Dämmerung aufzog, betrug der Abstand zu Alinghi 5:24 Minuten. Die sportliche Entscheidung im 33. America's Cup war gefallen. Doch war's das wirklich? Bertarelli zog noch während der Fahrt die rote Protestflagge an Bord der „Alinghi 5“ auf - erst wenig später nahm der Schweizer den Protest zurück und gestand die Niederlage ein.