Home
http://www.faz.net/-gtl-75095
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Als Bundestrainer zurückgetreten Leipold zurück im Leben

Freistil-Bundestrainer Alexander Leipold hat überraschend sein Amt beim Deutschen Ringer-Bund aufgegeben. Als Grund gab er an, er wolle mehr Zeit für seine Familie haben.

© dpa Zurück ins normale Arbeitsleben: Ringer-Bundestrainer Leipold wechselt in die Industrie

Es war immer sein Traum gewesen, Bundestrainer zu werden. Doch nachdem er diesen Traum einige Jahre gelebt hatte, veränderten sich die Prioritäten. Nun will er „sein Leben zurück“. Ringer-Bundestrainer Alexander Leipold hat am Mittwoch unerwartet seinen Rücktritt bekannt gegeben und familiäre Gründe als Erklärung genannt. „Ich habe zwei Söhne, meine Frau ist voll berufstätig und ich kann nicht noch mehr Zeit in den Sport investieren“, sagte Leipold gegenüber FAZ.NET.

Achim Dreis Folgen:

Sein Vertrag mit dem Deutschen Ringer-Bund läuft zum 31. Dezember aus. Die Neufassung für die kommenden vier Jahre werde er nicht zurückschicken. So einfach geht das. Schon zum 2. Januar 2013 arbeitet der Dreiundvierzigjährige wieder als Einkäufer und Disponent im Hydraulikbereich. In Alzenau. Schöner Nebeneffekt: Der Arbeitsort ist nur fünf Minuten von seinem Wohnort Karlstein entfernt. Hätte er als Bundestrainer weitergemacht, wären die Wege weiter gewesen. Dass er zu den Wettkämpfen und Trainingslagern viel unterwegs sein musste – oft auch in ferne Länder – war dabei nicht das Problem. Vielmehr sei es um die Alltagsorganisation gegangen.

Mehr zum Thema

Vom kommenden Jahr an hätte Leipold noch drei Tage pro Woche zum Trainingsbetrieb nach Schifferstadt gemusst. „Das wollte ich meiner Familie nicht zumuten.“ Seit 2005 war der frühere Weltklasse-Athlet beim Deutschen Ringerbund angestellt, zunächst als Nachwuchs-Bundestrainer, ehe er 2009 zum Cheftrainer der Freistilringer aufstieg. „Ich hatte eine Superzeit mit den Sportlern“, bilanziert Leipold und meint damit nicht nur die menschliche Ebene. Auch sportlich habe er junge Leute wie Tim Schleicher (23), Saba Javad Bolaghi (23) oder Nick Matuhin (22) vorangebracht. So gewann Bolaghi Bronze bei der Europameisterschaft 2011 in Dortmund.

Des Dopings beschuldigt

Gleichwohl blieben die deutschen Freistilringer bei der WM 2011 und bei Olympia 2012 ohne Medaillen. Letzter deutscher Freistil-Weltmeister war Leipold selbst – das war 1994. Bei den Olympischen Spielen in Sydney hatte er 2000 das Turnier gewonnen – wurde aber des Dopings beschuldigt und musste die Goldmedaille zurückgeben. Der Fall blieb umstritten, Leipold wurde später freigesprochen, bekam aber seine Medaille nicht zurück. Der Stachel sitzt tief beim Athleten Leipold, der stets seine Unschuld beteuerte.

Sein Ziel als Trainer waren nicht zuletzt deshalb die Olympischen Spiele von Rio 2016. Bis dahin sollten seine Jungs fit für die Weltklasse sein. Nun steigt er auf halbem Weg aus. Den Vorwurf, sie im Stich gelassen zu haben, will er aber nicht gelten lassen. „Ich werde dem Ringen treu bleiben“, kündigt er an, „und die Sportler aus dem Raum Aschaffenburg auch weiter betreuen.“ Nicht auszuschließen, dass er sich künftig im hessischen Ringerverband engagiert, zunächst will er aber die Prioritäten in seinem Leben neu sortieren. In der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe will er sich weiterhin engagieren. 2003 hatte er selbst nach einer übergangenen Viruserkrankung drei Schlaganfälle erlitten. „Ein Drittel der Betroffenen sterben, ein Drittel behält bleibende Schäden, ich hatte das Glück, wieder gesund zu werden“, sagt Leipold, der nicht zuletzt auch dank einer Meditationsphase bei chinesischen Shaolin-Mönchen ein demütiger Mensch ist. Nun schließt sich für ihn ein Kreis.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Radsport Anti-Doping-Behörde stellt Riis an den Pranger

Immer wieder Verdächtigungen, Vorwürfe, zwischendurch ein Geständnis: Wenn es um Doping im Radsport ging, spielte der Name Bjarne Riis seit langem eine Rolle. Nun klagt die dänische Anti-Doping-Behörde ihn an. Mehr

23.06.2015, 17:35 Uhr | Sport
Korruptions-Skandal WM mit Schmiergeldern nach Südafrika geholt

Der frühere Fifa-Funktionär Chuck Blazer hat Südafrika beschuldigt, die WM mit Schmiergeldern ins Land geholt zu haben. 10 Millionen Dollar hat das Land an Jack Warner bezahlt. Das soll aber keine Bestechung gewesen sein, sondern eine Spende. Mehr

04.06.2015, 10:24 Uhr | Sport
Startrainer Alberto Salazar Lass die Hasser hassen

Unbemerkt eingecremt: Der Trainer von Star-Leichtathlet Mo Farah weist die gegen ihn erhobenen Doping-Anschuldigungen in einem offenen Brief entschieden zurück. Doch Alberto Salazar nutzt dafür eine mehr als groteske Erklärung. Mehr Von Michael Reinsch, Berlin

25.06.2015, 16:56 Uhr | Sport
Amerika Frei nach 30 Jahren Todeszelle

30 Jahre lang hat Anthony Ray Hinton auf diesen Moment warten müssen - nun konnte er das Gefängnis in Alabama als freier Mann verlassen und seine Lieben in die Arme schließen. Ein Gericht kam zu dem Schluss, dass er zu Unrecht des Mordes an zwei Männern beschuldigt wurde. Mehr

04.04.2015, 10:23 Uhr | Gesellschaft
Vorwürfe gegen SEK-Beamte Anwältin attackiert Kölner Polizeipräsidenten

Nach Vorwürfen wegen Schikanierung eines jungen Kollegen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mehrere SEK-Beamte. Nun greift die Anwältin eines Beschuldigten den Polizeipräsidenten wegen Vorverurteilung an. Mehr

30.06.2015, 15:40 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.12.2012, 13:57 Uhr

Zu berechenbar

Von Daniel Meuren

Diese WM hat gezeigt, dass das deutsche Frauenfußball-Team für die Topgegnerinnen zu berechenbar ist. Bis Olympia muss die Auswahl flexibler werden, personell wie taktisch. Mehr 7 3