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Alexander Zverev : Der Früh-Reife

Geht hoffnungsvoll in die US Open: Alexander Zverev Bild: AP

Alexander Zverev ist ein Geschenk für das deutsche Tennis. Mit 20 Jahren ist er auf Platz sechs der Weltrangliste angekommen – und verbessert sich in rasendem Tempo immer weiter.

          Alexander Zverev kann es selbst nicht mehr hören. „Du wirst mal die Nummer eins der Welt“, wurde ihm schon geschmeichelt, als er gerade einmal 14 Jahre alt war. Damals schaute der Tennis-Knirps ungläubig. Mit 20 begegnet er der Prognose heute – je nach Tagesform – zurückhaltend bis unwirsch. Die Kernaussage bleibt ungeachtet des Tonfalls und der Formulierung stets die gleiche: Ich will immer besser werden, will immer weiter nach vorne kommen, denke aber nur von Turnier zu Turnier. Das mit der Nummer eins werde ganz automatisch kommen – oder eben gar nicht.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Vor dem Start der US Open in New York an diesem Montag steht der Hamburger mit russischen Eltern in der Weltrangliste mit 4470 Punkten schon auf Platz sechs – so hoch wie nie zuvor. Die ersten drei der Hackordnung – Rafael Nadal (7645 Punkte), Andy Murray (7150) und Roger Federer (7145) – haben einen großen Vorsprung. Zverev kann Nadal und Federer in den nächsten Monaten nicht einholen, Murray aber schon, weil der Schotte in der zweiten Jahreshälfte viele im Vorjahr gewonnene Weltranglistenpunkte zu verteidigen hat.

          Alle Zverev-Gläubigen sehen sich in ihrer Prognose bestätigt. Die sportliche und auch die persönliche Entwicklung des jungen Deutschen vollzieht sich mit einer beeindruckenden Kontinuität. In diesem Jahr hat er fünf von 18 Turnieren gewonnen, an denen er teilnahm, darunter zwei der zweithöchsten Kategorie. In der Jahreswertung belegt er hinter Nadal (7365) und Federer (7145) mit 4175 Punkten den dritten Platz: Alexander Zverev ist mitten in der Weltklasse angekommen. Das wird von vielen nur deshalb übersehen, weil der Schlaks bei den Grand-Slam-Turnieren bisher noch keine spektakulären Erfolge erzielen konnte. Überall sonst hat Zverev bewiesen, dass für ihn kein Gegner mehr unbesiegbar ist. Roger Federer bezwang er schon zweimal, zuletzt im Finale von Montreal. Im Endspiel von Rom zerpflückte er Novak Djokovic. Ansonsten setzte er sich 2017 noch gegen die Top-Ten-Spieler Stan Wawrinka, Marin Cilic und Kei Nishikori durch. Von den Spitzenspielern hat Zverev nur gegen Andy Murray und Rafael Nadal noch nie gewonnen.

          „Die Zeit spielt für ihn“

          Aber in der aktuellen Form sind die Karten neu gemischt. Denn wie sagte Boris Becker zuletzt über den Hamburger: „Die Zeit spielt für ihn.“ Während alle in der Weltrangliste vor ihm plazierten Profis schon über 30 Jahre alt sind und nach vielen Jahren in der Weltspitze mit den Auswirkungen des körperlichen Verschleißes zu kämpfen haben, strotzt Zverev vor Kraft und jugendlichem Elan. Er wird von Monat zu Monat besser. Für Craig O’Shannessy, Datenexperte der ATP, steht fest: „Es ist keine Frage, ob Alexander Zverev die Nummer eins wird, nur, wann.“

          Der Texaner, der als einer der besten Tennis-Analysten gilt, kommt nicht nur wegen der Auswertung der Statistiken zu diesem Urteil. „Die Tatsachen sind furchteinflößend für die Gegner: dass er mit zwanzig immer noch Muskeln aufbaut, dass er immer noch beweglicher wird, dass er noch taktische Feinheiten entwickelt und dass er immer noch vergleichsweise wenig Erfahrung in spielentscheidenden Momenten hat. Wenn er auf all den Gebieten ausgereift ist, dann wird es für die Konkurrenz unheimlich schwer, ihn zu schlagen.“

          Die Konkurrenten haben keinen Anlass zur Hoffnung, dass der Aufstieg des Hamburgers unterbrochen werden könnte, es sei denn durch eine Verletzung oder einen Schicksalsschlag. Der junge Profi verfolgt mit einer für sein Alter fast schon unglaublichen Klarheit und Konsequenz sein Ziel, das da ganz unbescheiden heißt: bester Tennisspieler der Welt zu werden. Er tut aus Eigenantrieb, was er muss, auch wenn es weh tut. Und was er tun muss, weiß er, fühlt er, oder er bekommt es von seiner Familie vermittelt.

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