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Alexander Winokurow Die Kraft der Kanaren

27.04.2010 ·  Nach seiner Doping-Sperre ist Alexander Winokurow wieder mittendrin im Radsport: Siege beim Giro del Trentino und in Lüttich, Training auf Teneriffa. Dort halten sich offenbar auch einschlägig bekannte Ärzte auf. Doch mit dem Thema will Winokurow selbstverständlich abgeschlossen haben.

Von Rainer Seele
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Ist doch eine faszinierende Angelegenheit, auf dem Rad zu sitzen, weil sich ja auch immer wieder ein schönes Fleckchen Erde findet, wo man beschwingt in die Pedale treten kann. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise Teneriffa zu nennen, wo sich kürzlich - zu Übungszwecken - der Kasache Alexander Winokurow aufgehalten hatte. Allerdings kam es nun so, dass Winokurow sich dafür rechtfertigen musste, schließlich haben inzwischen auch einige andere schlecht beleumundete Herren die Kanarische Insel für sich entdeckt.

Jedenfalls wird erzählt, dass dort jetzt die Ärzte Eufemiano Fuentes und Michele Ferrari, die eine spezielle Beziehung zum Radsport haben, ihrem Broterwerb nachgehen. Nachdem Winokurow den Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich gewonnen hatte, musste er sich manchen Fragen zu seiner Reise nach Teneriffa stellen, und natürlich betonte er, dabei ausschließlich der reinen Lehre des Radsports gefolgt zu sein. Er sei nicht bei Ferrari gewesen, behauptete der Kasache, der einst mit dem umstrittenen italienischen Mediziner zusammengearbeitet hatte; dabei soll es ausschließlich um Trainingsmethodik gegangen sein. Aber einen solchen Partner braucht der 36 Jahre alte Profi ja nun offenbar nicht mehr - er komme alleine zurecht, sagte Winokurow in Lüttich mit Hinweis auf seine große Erfahrung als Radrennfahrer.

Winokurow, von 2007 bis 2009 wegen Blutdopings gesperrt, ist auf alle Fälle wieder dick im Geschäft. Gleich zweimal war er in den vergangenen Tagen in Siegerpose zu sehen. Vor seinem Coup in Lüttich - wo er schon im Jahr 2005 der Schnellste war - hatte der Rückkehrer den Giro del Trentino für sich entschieden; der Kasache setzte sich dabei knapp vor dem Italiener Riccardo Ricco durch, der die Tour de France ebenfalls schon mal unehrenhaft hatte verlassen müssen.

Eine zweite Chance - wie im normalen Leben

Aber das ist ja Vergangenheit, auch Winokurow möchte sich zu dem dunklen Kapitel seiner Karriere nicht mehr äußern. Die Herren stürzen sich jetzt einfach in die Zukunft - und versuchen, Zweifel an der Lauterkeit ihres Unterfangens zu zerstreuen. „Ich wollte allen zeigen: Wino ist zurück“, erzählte zum Beispiel der kasachische Volksheld am Sonntag. Und noch etwas wollte er angeblich demonstrieren: dass man nämlich mit harter Arbeit - und nur damit - erfolgreich sein könne. Das sei, so lautete Winokurows erstaunlicher Zusatz, immer seine Devise gewesen.

Allerdings hatte es, als der Profi vom Team Astana nun dem Ziel entgegensteuerte, auch Pfiffe vom Publikum gegeben. Vielleicht auch aus Enttäuschung darüber, dass der belgische Liebling Philippe Gilbert diesmal zu den Geschlagenen gehörte. Immerhin scheint Winokurow in der Branche wieder willkommen zu sein. Das trifft offensichtlich auch auf den Tour-Veranstalter Aso zu, der neben der Frankreich-Rundfahrt prestigeträchtige Rennen wie Lüttich-Bastogne-Lüttich ausrichtet. Tour-Direktor Christian Prudhomme wurde nun auf alle Fälle mit den Worten zitiert: „Winokurow hat einen Fehler begangen und dafür bezahlt. Auch im normalen Leben wird jedem eine zweite Chance gegeben.“ Der Belgier Gilbert mag ebenfalls nichts Verwerfliches in Winokurows neuem Anlauf erkennen: „Er hat seine Strafe abgesessen.“

Beim Giro d'Italia dürfte er sich wohl fühlen

So schmiedet der Doping-Sünder, der einst beim Bonner T-Mobile-Team unter Vertrag stand, wieder ehrgeizige Pläne. Beim Team Astana, das bereits durch mehrere Doping-Fälle aufgefallen ist und deswegen nicht zur Tour 2008 eingeladen worden war, will der Kasache sich angeblich in den Dienst von Alberto Contador stellen. Zumindest soll das für die Tour de France im kommenden Juli gelten. „Er ist jung und hat das Potential“, sagte Winokurow über den Spanier, der bereits zweimal - 2007 und 2009 - im Gelben Trikot in Paris angekommen war.

Winokurow wird zuvor schon, im Mai, beim Giro d'Italia starten. Er dürfte sich dabei sehr wohl fühlen. Schließlich hatte doch der hohe Giro-Funktionär Matteo Pastore bei einem Besuch neulich in München die italienischen Momente gepriesen. Da ging es unter anderem um die Landschaft, das Essen und den Wein. Und mittendrin also Winokurow, der weiß, wo es sich gut leben lässt. Das Angebot in Italien wird für ihn bestimmt nicht weniger üppig sein als jenes auf Teneriffa.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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