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Alexander Leipold Ring frei für den Ruheständler

Solange Alexander Leipold Bundestrainer der Freistilringer war, durfte er nicht selbst kämpfen. Kaum im Ruhestand, mischt der ehemalige Weltklasseringer nun für seinen Heimatverein Dettingen die Landesliga auf.

© dpa Vergrößern Herzensangelegenheit Ringen: Alexander Leipold als Bundestrainer im April 2011.

Nach dem Rücktritt ist vor dem Comeback. Und so hat es nach seiner Demission als Bundestrainer der Freistilringer auch nicht lange gedauert, bis Alexander Leipold wieder auf der Matte stand. Allerdings nicht als Verantwortlicher, sondern als Kämpfer. Und auch nicht auf großer Bühne, sondern in kleiner Halle. Der ehemalige Weltmeister unterstützte seinen Heimatklub, den Stemm- und Ringverein Dettingen, beim prestigeträchtigen letzten Kampf des Jahres in der Landesliga Hessen gegen den KSV Neu-Isenburg. Trat mit seinen 43 Jahren gegen den halb so alten Shamz Azizi an. Und gewann. Mit Schultersieg. Die Schulturnhalle stand Kopf, die Weihnachtsfeier war gerettet. Und Leipold stellte klar: „Hier ringt nicht der Weltmeister und nicht der Bundestrainer, sondern einfach nur der Alex, der Spaß am Ringen hat.“

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Es soll ja Leute geben, für die gibt es nur an oder aus, schwarz oder weiß, ganz oder gar nicht. Leipold gehört nicht dazu. „Ringen ist für mich die schönste Sportart der Welt“, sagt er. Warum also sollte er nicht auf niedrigem Niveau weitermachen? Schließlich will sich der moderne Mann fit halten. Auch als Bundestrainer hatte der Welt- und Europameister, der in der 74-Kilo-Klasse antrat, gerne mit auf der Matte gestanden, sich im Sparringskampf seinen Schülern gestellt, um deren Griffe besser beurteilen zu können. Nur bei Wettkämpfen durfte er nicht mehr antreten, seit er 2005 zunächst für den Nachwuchs und 2009 Gesamtverantwortlicher wurde. „Ich musste damals etwas kurzfristig meine aktive Karriere beenden“, sagt Leipold. „Danach hat es immer etwas gekribbelt.“ Was wohl in den Genen liegt. „Mein Vater hat mit 50 noch gerungen und immer gesagt, es sei eine super Zeit gewesen.“ Er selbst war als Fünfjähriger beim SRV Dettingen eingetreten. Und sein jüngster Sohn Neo, gerade sechs, hat ebenfalls großen Spaß am „Raufen nach Regeln“.

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Nur eine kurze Denkpause

Das familiäre Umfeld ist eine wichtige Antriebsfeder für Alexander Leipold. Um mehr Zeit für seine Frau und seine beiden Söhne zu haben, entschied sich der Aschaffenburger Ende des vergangenen Jahres, seinen Vertrag als Bundestrainer der Freistil-Ringer auslaufen zu lassen. Die Dienstanweisung, zusätzlich zu den Lehrgängen und Turnieren noch drei Tage in der Woche zum Training am Stützpunkt Schifferstadt erscheinen zu müssen, hielt ihn letztlich davon ab, für eine weitere Olympiade im Amt zu bleiben. Stattdessen wechselte er zum 2. Januar 2013 „zurück in die freie Wirtschaft“, als Einkäufer und Disponent einer Firma, für die er schon vor seiner Zeit als Bundestrainer arbeitete. „Manche sagen, jetzt würde ich endlich mal richtig arbeiten“, erzählt Leipold grinsend. Dabei sei es genau anders herum: endlich mal habe er einen normalen Job, bei dem er nach Feierabend auch mal den Kopf frei bekommen könne. Endlich müsse er nicht mehr über Trainingsinhalte, Wettkampfvorbereitung und Kaderbesetzung nachdenken. Und statt Weltreisen zu Meisterschaften müsse er nur noch fünf Autominuten zur Arbeit zurücklegen.

Beim Deutschen Ringer-Bund (DRB) war man kalt erwischt worden von Leipolds Verzicht auf das wichtige Amt, signalisierte aber Verständnis und dankte für die gute Zusammenarbeit. Schon nach kurzer Denkpause engagierte der DRB Sven Thiele als Nachfolger, den bisherigen Stützpunkttrainer des Leipziger Leistungszentrums. Thiele ist genauso alt wie Leipold, war ebenfalls Weltklasseringer und ist nach Aussage von Verbands-Präsident Manfred Werner der „Wunschkandidat“. Der Kampf muss weitergehen. Kaum aber hatte Leipold seine Entscheidung bekanntgegeben, da hing schon Toni Kunkel, Präsident des Hessischen Ringerverbandes, am Telefon. Und wollte ihn als Landestrainer engagieren. Kunkel war in den achtziger und neunziger Jahren Klubchef beim AC Goldbach, für den Leipold seinerzeit kämpfte und acht deutsche Meistertitel errang. Der gute Draht blieb über die Zeit erhalten. Man kennt sich in der Ringerfamilie. Doch der Umworbene sagte erst mal weder ab noch zu. „Es wird wohl auf eine freie Kooperation rauslaufen“, sagt Leipold mittlerweile. Jeden Donnerstag sei er sowieso in der Halle, schaue sich gerne die Trainingsfortschritte seines Sohnes an. „Da bin ich so eine Art Mittrainer“, sagt er und kreiert sogleich eine neue Tätigkeitsbeschreibung. Und wenn sich dann anschließend der Landeskader treffe, dann könne er ja auch mit Rat und Tat zur Seite stehen für die international ambitionierten Talente wie Tim Schleicher, Saba Bolaghi und Martin Daum. Man kennt sich eben.

„Beweisen muss ich mir nichts mehr“, sagt Leipold, aber er fühle sich einfach wohl in der Welt des Sports. Unabhängig von Titel und Ämtern. 2003 war er von Deutschlands Spitzenathleten zum „Champion des Jahres“ gewählt worden, weil er sich nach drei Schlaganfällen wieder zurück gekämpft und sogar noch einmal eine EM-Medaille errungen hatte. Seitdem unterhält er gute Kontakte auch zu Athleten und Ehemaligen anderer Disziplinen, vom Rudern über Boxen bis zum Speerwerfen. Gemeinsam radeln sie einmal im Jahr bei der „Tour der Hoffnung“ mit, einer Spendentour für krebskranke Kinder. Botschafter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist er sowieso. Die Dankbarkeit in den Gesichtern derjenigen, die er mit seinen Motivationsvorträgen erreicht, seien „nicht mit Geld zu bezahlen“.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 02.01.2013, 19:52 Uhr

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