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Alba Berlin Wright hat immer das Ganze im Auge

31.03.2010 ·  Entscheidungsspiele und verletzte Spieler: Alba Berlin spielt eine turbulente Saison. Vor dem Eurocup-Rückspiel gegen Jerusalem am Mittwoch (19.45 Uhr) sind die Berliner um den amerikanischen Spielmacher Rashad Wright dicht am Erfolg.

Von Michael Reinsch, Berlin
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Für dieses Spiel hat Rashad Wright buchstäblich ein Auge riskiert. Mit einem Erfolg bei Joventud Badalona sicherte sich Alba Berlin vor drei Wochen den Gruppensieg und die Viertelfinalspiele im Eurocup. Mehr als 14.000 Zuschauer werden an diesem Mittwochabend in der O2 World von Berlin zur Partie gegen Hapoel Jerusalem (19.45 Uhr) erwartet. Doch beinahe wäre für Wright, den amerikanischen Aufbauspieler der Berliner, in Spanien schon Schluss gewesen mit der Saison.

Sein Gegenspieler fuhr ihm bei einer Abwehr mit dem Finger tief ins rechte Auge. „Den Schmerz habe ich nur in dem Moment gespürt“, erinnert sich Wright. „Aber als die Ärztin mir am nächsten Tag sagte, dass sich die Netzhaut ablösen könnte, da fühlte sich das merkwürdig an. Ich hätte mein Augenlicht verlieren, ich hätte für den Rest der Saison ausfallen können. Ich hatte wirklich Angst.“

Glücklicherweise reichten ein Eingriff mit dem Laser und eine Pause von vierzehn Tagen aus, um die Verletzung zu kurieren. Der zwischenzeitliche Ausfall des Spielmachers erscheint allerdings typisch in dieser holprigen Saison, in der Alba vom ersten Tag an Entscheidungsspiele zu bestehen und immer wieder verletzte Spieler zu ersetzen hat. Noch vor den ersten Punktspielen standen vier Ausscheidungsspiele für die Euroleague an. Fünf Punkte fehlten am Ende. 13 Partien hat Alba seitdem im Eurocup bestritten.

Schon am College ein guter Verteidiger

Im Pokal ausgeschieden, erkämpfte sich das Team trotz einiger herber Niederlagen die Tabellenführung in der Bundesliga. Reisen, Stress und körperliche Belastung verlangen ihr Tribut. Beim womöglich größten Erfolg Albas seit dem Gewinn des Korac-Pokals vor fünfzehn Jahren droht Julius Jenkins, der erfolgreichste Werfer des Teams, wegen einer Gehirnerschütterung auszufallen. Flügelspieler Jurica Golemac fehlt wegen einer gebrochenen Hand.

„Einige von uns sind schon so lange zusammen, dass wir wissen, was zu tun ist, wenn einer ausfällt“, sagt Wright. Der Achtundzwanzigjährige aus Georgia, der 2004 von den Indiana Pacers gedraftet wurde, aber nie in der NBA spielte, stand während seiner europäischen Jahre bereits in Athen, Vršac, Ostende und Istanbul unter Vertrag. In Serbien, seiner zweiten Station, begegnete er dem heutigen Berliner Trainer Luka Pavicevic. Als Spielmacher, der schon am College als guter Verteidiger auffiel, lernte er in Meisterschaft, Adria-Liga und Uleb-Cup Basketball in der Tradition des jugoslawischen Spiels kennen. „Das war eine Herausforderung“, erinnert er sich. „Ich habe gegen richtig gute Leute gespielt.“

Für den Trainer zählt die nächste Herausforderung

Zum ersten Mal, seit er Amerika verlassen hat, verlängerte Wright seinen Vertrag in Berlin. „Ich hatte das Gefühl, dass wir in der vergangenen Saison etwas verpasst haben“, sagt er über die verlorene deutsche Meisterschaft. „Da die Mannschaft weitgehend zusammengeblieben ist, war mir die Chance, es in diesem Jahr zu schaffen, lieber, als irgendwo anders mehr Geld zu verdienen.“ Von der NBA träumt er dabei nicht. „Ich will spielen, nicht auf der Bank sitzen“, sagt er. Seit zwei Jahren bietet er sich deshalb nicht mehr in der Sommerliga den Scouts der großen Klubs an, sondern schöpft Kraft für die Herausforderungen in Europa.

Mag sein, dass die amerikanischen Experten nicht zu schätzen wissen, wie Wright sein Team stärkt, statt individuell zu glänzen. Auf knapp neun Punkte kommt er im Schnitt pro Spiel, doch wichtiger sind seine Übersicht und seine Pässe, von denen im Schnitt 3,4 pro Spiel zu Treffern führen. „Wir haben einige, die in anderen Teams die Hauptrolle spielen würden“, sagt er. „Hier ordnet sich jeder ein und unterstützt die anderen. Mein Job und der von Steffen Hamann ist es, die Mannschaft zu lenken.“ Wenn es sein muss, wie am Samstag beim 63:61 gegen Quakenbrück, steuert er auch mal fünfzehn Punkte bei. Besonders süß dürfte dabei der Jubel geklungen haben, als er den früheren Berliner Publikumsliebling Hollis Price ausspielte.

Sind sechs Punkte Rückstand gegen Hapoel eine gute Ausgangssituation? „Wenn man weiß, dass wir zwanzig Punkte hinten lagen, ja“, antwortet Wright. „Wir sind so dicht dran!“ Vor zwei Jahren besiegte er mit Ostende die israelische Mannschaft zweimal und erzielte dabei 51 Punkte. „Vollkommen irrelevant!“, sagt dazu Trainer Pavicevic. Wright weiß wie er, dass immer nur die nächste Herausforderung zählt.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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