Für Tiger Woods dokumentiert seine überraschende Ankündigung, nun doch an einem Turnier der so genannten „Fall Series“ der PGA Tour teilzunehmen, seinen dramatischen Abstieg vom Souverän des Golfs zum Mitläufer. Denn bei diesem Nachklang zur PGA Tour, die mit der Tour Championship in Atlanta ( 22. bis 25. September) für die Spitzenspieler endet, treten normalerweise, nur die an, die sich nicht für die Playoffs im FedExCup, der insgesamt 30 Millionen Dollar, davon zehn Millionen für den Sieger, ausschüttet, qualifizieren konnten. Diese Zukurzgekommenen treffen bei den vier Turnieren der „Fall Series“ vom 29. September bis zum 23. Oktober auf all jene, die noch ein paar Dollar verdienen müssen, um sich ihren Arbeitsplatz fürs kommende Jahr zu sichern.
Solche Sorgen plagen Woods nicht. Er hat längst die lebenslange Spielberechtigung, die es nach zwanzig Erfolgen auf der PGA Tour gibt, mit seinen 71 Siegen schon viele Jahre in der Tasche. Aber da Woods seit seinem vierten Platz beim Masters - der besten Plazierung des Jahres - nur 117 Löcher Turniergolf absolvierte, drängte sein Freund und Kollege Freddie Couples ihn, noch vor seinen Ausflügen nach Asien und Australien im November ein Turnier zu spielen, um sich die fehlende Wettkampfhärte zu holen.
Couples fungiert als Kapitän des amerikanischen Teams im Presidents Cup, in dem vom 17. bis 20. November eine Auswahl der besten Amerikaner auf den Rest der Welt ohne Europa trifft. Der Routinier weiß, dass ohne den Superstar das Interesse an dem alle zwei Jahre nach dem Muster des Ryder Cups ausgetragenen Team-Wettbewerb dramatisch sinken würde, zumal diesmal ein Auswärtsspiel im grandiosen Royal Melbourne Golf Club in Australien ansteht.
Deshalb hatte Couples dem ehemals Weltbesten schon lange einen seiner „captain's picks“ zugesagt. Woods mag in der Weltrangliste bis auf Platz 38 abgesackt sein, aber er ist eben noch immer die mit Abstand größte Zugnummer im Golf. Wenn der Superstar antritt, dann schnellen Zuschauerzuspruch und Einschaltquoten ganz unbeeindruckt von der sportlich zuletzt dürren Bilanz und des Image-Schadens durch sein ausschweifendes Privatleben in die Höhe. Noch immer übertragen die amerikanischen Fernsehsender fast jeden Schlag von Woods - egal, ob er wie bei der PGA Championship in Atlanta den Cut verpasst.
Woods spielt - Zuschauerboom
Wie sehr Woods noch immer zieht, zeigt die Begeisterung mit der seine Teilnahmebestätigung an der Frys.com Open aufgenommen wurde, die vom 6. bis 9. Oktober im CordeValle Golf Club ausgetragen wird. Der Platz gehört zum exklusiven Resort mit 46 Gästezimmern, einem Spa, einem eigenen Weingut mit eigenen Weinbergen. „Das ist ganz sicherlich der größte Tag in der siebenjährigen Geschichte der Frys.com Open“, jubilierte Turnierdirektor Duke Butler nach der frohen Kunde. „Dadurch wird viel Geld in das Santa Clara County geschwemmt. Im vergangenen Jahr hatten wir 25.000 Zuschauer, es werden in diesem Jahr mindestens doppelt so viele sein, vermutlich sogar 75.000.“
Dass Woods' Entscheidung für ein Turnier in seinem Heimatstaat sich auch für ihn lohnt, dafür dürfte sein Manager Mark Steinberg gesorgt haben, der bei der vorjährigen US Open in Pebble Beach im CordeValle Resort als Gast logierte. Nachdem Woods in seinem engeren Umfeld aufräumte und erst seinem Trainer Hank Haney und später seinem neuseeländischen Caddie Steve Williams den Laufpass gab, bliebt aus dem Kreis der engsten Vertrauten von Woods nur Steinberg in Amt und Würden.
Der Amerikaner, ein ehemaliger Amateur-Basketballer und Rechtsanwalt, kümmert sich um Woods' Geschäfte schon seit 1998, mit großen Erfolg. Auch wenn Woods nach den Enthüllungen über seine vielen Ehebrüche etliche Sponsoren absprangen, verfügt der erste Milliardär der Sportgeschichte noch immer über Werbeverträge, die ihm pro Jahr mehr als 70 Millionen Dollar einbringen. Steinberg wechselte im Mai von IMG, bei der er als Chef der weltweiten Golf-Abteilung fungierte, zu Excel Sports. Woods zog mit - und bewies damit eine bei ihm nicht selbstverständliche Treue.