05.07.2011 · Thomas Levet hat die Serie „Dämliche Sportverletzungen“ um ein wichtiges Kapitel bereichert. In einem Moment unbeschwerter Siegesfreude bringt der Franzose sich um einen möglicherweise sehr lukrativen Sommer - in dem er vom Grün in den Teich springt.
Von Wolfgang SchefflerJedem Kind wird es eingebläut: Springe niemals in unbekannte Gewässer! Thomas Levet ist mittlerweile 42 Jahre alt, ein Alter, in dem sich man normalerweise nicht mehr zu unbedachten Aktionen verleiten lässt. Doch nachdem der Franzose beim Heimspiel Open de France im Le Golf National in der Nähe von Paris ganz überraschend das mit drei Millionen Euro höchstdotierte Golfturnier auf dem europäischen Festland gewonnen hatte, suchte der große Triumphator Abkühlung. Siegestrunken hüpfte der gebürtige Pariser, der mittlerweile in Florida lebt, in den Teich vor dem 18. Grün - ein folgenschwerer Fehltritt.
Wasserspringer Levet zog sich beim Aufprall auf den Grund des Tümpels einen Bruch in seinem rechten Schienbein zu. Das Bein wurde am Montag eingegipst. Levet wird in dieser Woche, wenn die Scottish Open auf dem spektakulären Links Course von Castle Stuart in Inverness in den Highlands gastiert, notgedrungen zuschauen müssen. Am Mittwoch sagte er auch seine Teilnahme an den British Open (14. bis 17. Juli) in Sandwich an der englischen Kanalküste ab. Levet muss eine sechswöchige Pause einlegen und sich einer Operation unterziehen und fehlt beim Höhepunkt des Jahres in England - besonders bitter, denn 2003 hatte er erst im Stechen bei diesem Turnier gegen Ernie Els verloren.
Levet hatte 2004 in Detroit zum siegreichen europäischen Ryder-Cup-Team gehört. Danach war der sympathische Franzose ein wenig vom Erfolgsweg abgekommen, auch wenn er sich 2009 mit dem Gewinn der Spanish Open, seinem fünften Sieg auf der European Tour, zum bisher erfolgreichsten französischen Profi kürte.
Traumtag mit unglücklichem Ende
Doch im vergangenen Jahr brachte Levet wenig zu Wege. Ein einziges Top-Ten-Ergebnis erreichte er im gesamten Golfjahr 2010. So hatte er die Majors der jüngeren Vergangenheit und auch die letzten Duelle gegen die Vereinigten Staaten nur noch als Kommentator fürs französische Fernsehen miterlebt. Bei dieser Vorgeschichte löste der knappe und dazu auch noch glückliche Sieg verständlicherweise überbordende Emotionen aus. Zumal Levet lange um den Sieg zittern musste. Der junge Däne Thorbjorn Olesen schob am letzten Loch seinen Putt aus weniger als einem Meter am Loch vorbei und verpasste damit ein Stechen gegen Levet.
„Alle meine Freunde waren im Publikum. Ich habe mich gefühlt, wie ein Radprofi bei einer Bergetappe der Tour de France, wann alle Fans nur deinen Namen rufen“, sagte Levet, der den Sonntag einfach als „Traumtag“ erlebte - mit einem unglücklichen Ende. Levet wird schon jetzt als möglicher Kapitän gehandelt, wenn der der Ryder Cup 2018 auf dem Platz von Le Golf National in San-Quentin-en-Yveslines in der Nähe von Versailles stattfindet, auf genau jenem Platz, auf dem Levet am Sonntag bisher seinen größten Erfolg feierte, ein Sieg, der ihn von Platz 137 der Weltrangliste auf Platz 47 beförderte, der ihm mit 500.000 Euro das höchste Preisgeld seiner Karriere einbrachte.
Wie die Fans ihn feierten, wie sie ihn zum Sieg trieben, das machte Levet Mut für ein weiteres Heimspiel in sieben Jahren gegen die besten amerikanischen Profis: „Dann sind sechs Mal so viele Zuschauer auf dem Platz. Frankreich ist bereit für den Ryder Cup.“