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Schefflers Golf-Kolumne Die Schadenfreude des Taschenträgers

09.08.2011 ·  Adam Scott gewinnt in Akron - aber eine Hauptrolle spielt sein Caddie Steve Williams. Mit Tiger Woods wurde der Helfer zum reichsten Sportler Neuseelands - und anschließend gefeuert. Nun spricht Williams hämisch vom „schönsten Sieg seines Lebens“.

Von Wolfgang Scheffler
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Erst gefeuert, dann gefeiert: Steve Williams hat wenige Wochen nachdem Tiger Woods ihm als seinem langjährigen Caddie überraschend den Laufpass gegeben hatte, eine tragende Rolle beim Sieg seines neuen Bosses Adam Scott gespielt. Der 31 Jahre alte Australier gewann am Sonntag das Bridgestone Invitational in Akron (Ohio) dank einer vorzüglichen Schlussrunde von 65 Schlägen mit vier Schlägen Vorsprung vor dem englischen Weltranglistenersten Luke Donald und dem Amerikaner Rickie Fowler.

Dennoch stand hinterher nicht der überragende Spieler des Turniers der World Golf Championship (WGC) im Firestone Country Club im Mittelpunkt, sondern der 47 Jahre alte Taschenträger. Dass die Fans auf den letzten Löchern, als sich der Sieg des Profis aus Adelaide schon abzeichnete, nicht den Hauptakteur, sondern seinen Mitarbeiter mit Sprechchören „Ste-vie Will-iams, Ste-vie Will-iams“ hoch leben ließen, ein Novum im Profigolf, lässt sich nur mit der Vorgeschichte, vor allem aber mit einem gehörigen Schuss Schadenfreude erklären.

Woods, der bei seinem ersten Turnier nach dreimonatiger Verletzungspause in Akron abgeschlagen mit 18 Schlägen Rückstand auf dem 37. Rang landete, hatte zwölf Jahre lang mit dem Kiwi an seiner Seite ein perfektes Duo gebildet. Der bullige Hobbyrennfahrer schleppte dem Superstar nicht nur die über zwanzig Kilo schwere Golftasche, er schirmte ihn auch im Stil eines Leibwächters ab und entriss, wenn nötig, Störenfrieden, die seinen Herrn und Meister durch verbotene Fotoaufnahmen irritierten, wenig zimperlich die Kamera. Woods nannte seinen freiberuflichen Mitarbeiter immer seinen „Freund“, die Beziehung der beiden ging so weit, dass sie sich gegenseitig als Trauzeuge dienten.

Umso überraschender kam die Trennung, vor allem Williams fiel aus allen Wolken. Der Gefeuerte, der sich ansonsten Fans und Medien gegenüber genauso unzugänglich gegeben hatte wie sein Chef, zeigte sich auf einmal gesprächig und beklagte in zahllosen Interviews die Undankbarkeit von Woods. Er habe seinem Arbeitgeber auch in den turbulenten Zeiten die Treue gehalten. Er verstieg sich gar zu der Behauptung, er habe zwei Jahre seines Lebens vertan, zwei Jahre, in denen Woods wegen des Skandals um sein ausschweifendes Privatleben und Verletzungen nur wenig und vor allem für seine Verhältnisse schlecht spielte.

Neuseelands bestbezahlter Sportler

Am Sonntag kostete Williams seinen Triumph weidlich aus, suchte geradezu das Gespräch mit den Medienvertretern und trieb mit der Aussage, dieser, sein 145. Sieg in 33 Jahren als Caddie, sei der „schönste seines Lebens“ die Häme auf die Spitze. Genüsslich registrierte er, dass er mehr verdient hatte als sein ehemaliger Boss. Während sich Williams über den üblichen zehnprozentigen Anteil am Siegespreisgeld, also 140.000 Dollar freute, musste sich Woods mit 58.500 Dollar begnügen. Vergessen, dass Williams, der seit 1999 in Diensten von Woods stand, dank der Erfolge des langjährigen Branchenführers bei mehr als 80 gemeinsamen Turniersiegen, davon 13 Majors, mehr als neun Millionen Dollar kassierte und in seiner Heimat als bestbezahlter Sportler galt.

Scott nahm den Wirbel um seinen neuen freiberuflichen Mitarbeiter mit erstaunlicher Gelassenheit hin. Geduldig beantwortete er vom ersten Tag an, den er mit einer glanzvollen Runde von 62 Schlägen begonnen hatte, alle Frage zu Williams. Scott lobte nach seinem achten Sieg auf der PGA Tour, dem 18. weltweit, wie sehr ihm sein neuer Caddie mit seiner Platzkenntnis bei seinem Erfolg geholfen habe und pries die Erfahrung des Mannes an seiner Seite, die ihm die nötige Sicherheit gegeben habe. Dass am Ende nicht er, sondern Williams gefeiert wurde, kommentierte er nur schelmisch mit dem Satz: „Ich wusste gar nicht, dass Neuseeländer hier so beliebt sind.“

Aber Scott kennt sich damit aus, nur die zweite Geige zu spielen. Jahrelang teilte er sich mit Woods in Butch Harmon den selben Trainer, sein Schwung glich dem des großen Dominators zu jener Zeit wie ein Ei dem anderen. Nur auf den Grüns hatte der elegante Schwinger Scott nie die Treffsicherheit des Originals erreicht, auch wenn er 180 Wochen unter den Top Ten stand (beste Plazierung Rang drei 2008). Erst mit dem Wechsel zu einem überlangen „Besenstiel-Putter“ fand er das passende Werkzeug für die letzten Meter zum Loch. Mit dem neuen Schläger in der Tasche spielte er auch erstmals bei einem Major eine Rolle: Platz zwei beim Masters in diesem Jahr, allerdings noch mit seinem alten Caddie Tony Navarro. Am Donnerstag beginnt mit der PGA Championship in Atlanta das letzte Majors des Jahres: mit einer neuen Rolle für Scott, einer altbekannten für Williams: in der des Favoriten.

Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in seiner wöchentlichen Kolumne bei FAZ.NET über Sieger und Verlierer, Kurioses, Lustiges und Skurriles. Alle Texte finden Sie auf der FAZ.NET-Sonderseite „Schefflers Golf-Kolumne” .

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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