10.03.2009 · Deutsche Golfplatz-Architekten sind dabei, sich unter die erste Garde zu schieben. Das hat vor allem mit zwei Plätzen von Thomas Himmel und Rolf-Stephan Hansen zu tun, die international gerühmt werden: Son Gual auf Mallorca und Budersand auf Sylt.
Von Wolfgang SchefflerThomas Himmel blickt auf eine glanzvolle sportliche Golfkarriere zurück: Er war drei Jahre in Folge (1991, 1992 und 1993) deutscher Amateurmeister, gehörte von 1990 bis 1995 der deutschen Nationalmannschaft an und vertrat den Deutschen Golfverband bei Welt- und Europameisterschaften. Eine Karriere als Profi kam für ihn dennoch nicht in Frage. Himmel schlug nach dem Abschluss des Studiums zum Bauingenieur eine andere Golf-Laufbahn ein, eine, in der es Deutsche mindestens genauso schwer haben wie als Tour Professional.
Denn die wenigen deutschen Golfplatz-Architekten galten in der Vergangenheit immer als international zweitklassig. Das hatte vor allem damit zu tun, dass die sechs Deutschen unter den 53 Senior Members des European Institutes of Golf Course Architects gegen die internationale Konkurrenz zwei entscheidende Nachteile aufweisen: Der Bau von Golfplätzen unterliegt in Deutschland extrem strengen Umweltschutzauflagen, massive Erdbewegungen sind meist verboten, und damit werden der Kreativität enge Fesseln angelegt. Zum zweiten mussten sich die deutschen Architekten in der Vergangenheit ausschließlich mit Projekten befassen, deren Budget limitiert war.
Deutsche Golfplatz-Architekten schieben sich unter die ersten Garde
Das führte dazu, dass potente Geldgeber in Deutschland lieber auf die Dienste ausländischer, meist großer Namen zurückgriffen, die überall in der Welt spektakuläre Anlagen vorweisen können. Robert Trent Jones jun. entwarf den Platz Seddiner See in Wildenbruch bei Berlin, Nick Faldo erhielt den Job in Bad Saarow. Zwei Plätze, die als die besten modernen Anlagen im Land gelten. Der Platz von Gut Lärchenhof, der Gastgeber der Mercedes-Benz-Championship, wurde von Jack Nicklaus entworfen.
Aber wie im Profigolf, in dem sich Martin Kaymer in der Weltspitze etabliert hat, sind auch deutsche Golfplatz-Architekten dabei, sich unter die erste Garde zu schieben. Das hat vor allem mit zwei Plätzen aus der Feder deutscher Designer zu tun, die international gerühmt werden: Son Gual bei Palma de Mallorca und der Golfclub Budersand auf Sylt. Die Geschichte beider Anlagen wiesen etliche Parallelen auf.
Je 35 Millionen Euro für Golfplätze nach eigenem Gusto
Der fränkische Fenster-Magnat Adam Pamer (hapa AG und LFT-Fenster) gab 35 Millionen Euro aus, um auf seiner Lieblingsinsel einen Platz der Superlative zu bauen und vertraute den Job Thomas Himmel an.
Noch mehr Risiko ging Claudia Eberts ein. Die Diplom-Kauffrau aus Darmstadt steckte ebenfalls 35 Millionen Euro aus dem Verkauf der Wella AG, um auf ihrer Ferieninsel in den Dünen von Hörnum an der Südspitze von Sylt den ersten echten deutschen Linksplatz mit einem Luxushotel zu bauen. Sie vertraute den Entwurf Rolf-Stephan Hansen an, wie Himmel ebenfalls Jahrgang 1964. Der Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur absolvierte wie Himmel die zweieinhalbjährige Ausbildung am European Institute of Golf Course Architects.
Von zwanzig Plätzen auf Mallorca ist Himmels der Beste
Aber im Gegensatz zu Himmel, der bereits vor Son Gual etliche Plätze entworfen hatte, war das vollständige Design von 18 Löchern für den gebürtigen Sylter Hansen eine Premiere. Aber sein Erstlingswerk ist gelungen: Es gilt als der beste neue Golfplatz in Deutschland und wird von Spielern wie Kritikern seit der Eröffnung im Juli 2008 in den höchsten Tönen gelobt.
Auch Himmels Design in Son Gual hat sich in nur knapp eineinhalb Jahren einen Spitzenplatz erobert. Auf der Ferieninsel Mallorca, auf der mit zwanzig Plätzen eine reiche Auswahl herrscht, darunter zwei Plätze von Superstars der Golfplatz-Architektur (Alcanada von Robert Trent Jones jun. und der Golfpark Puntiro von Jack Nicklaus) wird selbst von englischen Golfzeitschriften Son Gual als die Nummer eins auf der Insel bewertet - und nicht nur das: Die englische Website yourgolftravel.com reiht Son Gual sogar unter die zehn besten Anlagen in Europa ein.
Spektakuläre Spielwiese um ein denkmalsgeschütztes Palacio
Zu recht: Himmel schuf auf einem einstmals topfebenen Gelände in der Nähe des Flughafens eine spektakuläre Spielwiese um ein altes denkmalsgeschütztes Palacio. Die Runde beginnt mit einem dramatischen Drive in ein zwanzig Meter tiefer gelegenes Fairway und endet nicht minder spektakulär am 18. Loch, bei dem es gilt, einen Bach und einen Teich vor dem Grün zu meiden. Dazwischen bietet jedes Loch optisch wie spielerisch einen Hochgenuss.
Dass der Pflegezustand dem hohen Anspruch gerecht wird, versteht sich bei einem Greenfee von 150 Euro von selbst. Der Platz ist so gut, dass das einzige Manko, die Nähe des Flughafens, von den Spielern kaum wahrgenommen wird, zumal nur in der so genannten „Air Berlin-Stunde“ zwischen 13:30 und 14:30 fast im Minutentakt Flieger vorbeirauschen. Vom 6. bis 10. Mai ist der Platz Gastgeber eines Turniers der European Seniors Tour. Veranstalter ist die Langer Golf GmbH und auch Bernhard Langer, der ansonsten sein Geld spielend auf der amerikanischen Champions Tour verdient, wird in Son Gual mitspielen.
Hansen und Himmel arbeiten auf Sylt zusammen
Plätze wie Son Gual und Budersand haben das Renommee deutscher Golfplatz-Designer kräftig angehoben. „Wir werden jetzt ganz anders wahr genommen“, sagt Hansen, „und manchmal gibt es sogar Neid. Aber den muss man sich erst einmal verdienen.“ Und Himmel ergänzt: „Son Gual ist wie ein Showroom für mich. Ich habe dadurch Pojekte bekommen, die ich sonst wohl nicht erhalten hätte.“
Derzeit arbeitet Himmel, der als Sohn deutscher Eltern in Cararcas geboren wurde und in Venezuela aufwuchs, nicht nur an zahlreichen deutschen Projekten, sondern auch im Ausland ist man auf ihn aufmerksam geworden, wie Projekte in Polen und Serbien beweisen. Und noch etwas: Bei der Erweiterung der 18-Loch-Anlage des Golf-Clubs Sylt arbeiten Hansen (Handicap -9,6) und Himmel, der immer noch Handicap 0 spielt, zusammen.
Ein Ryder-Cup-Platz für 2018 in Aussicht
Doch der Adelsschlag für Himmel könnte ein anderes Projekt werden. Der Wittelsbacher Ausgleichsfond plant neben seiner Anlage in Neuburg-Rohrenfeld bei Ingolstadt einen Ryder-Cup-Platz, der allerdings nur gebaut wird, wenn Deutschland 2018 Gastgeber des Duells Europa gegen USA sein wird. Mit dem Design wurde Thomas Himmel beauftragt - und auch Bernhard Langer, der bei seinen Entwürfen häufig mit Himmel zusammen arbeitet, hat schon seine Bereitschaft signalisiert, bei der Gestaltung ein Wort mitzureden. Denn wie sagte Joachim Nothelfer, der Aufsichtratsvorsitzende der deutschen Bewerbergesellschaft RC Deutschland GmbH: „Wir wären schlecht beraten, mit einem Platz anzutreten, der nicht mit dem Namen Langer verbunden ist.“
Und nicht nur deshalb gilt dieser Platz als Favorit für die deutsche Bewerbung, denn die anderen deutschen Plätze, die sich um die Austragung bemühen (Bad Saarow, Valley und Eichenried bei München) müssten erst noch aufwendig umgebaut werden - und keines dieser Projekte ist mit Langer, dem Frontmann der deutschen Bewerbung, verbunden.