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Schefflers Golf-Kolumne Der Unbeliebteste will nun Vorbild sein

 ·  Mit guten Umgangsformen hat sich Rory Sabbatini nie lange aufgehalten: „Ich spiele nicht Golf, um Freunde, sondern um Turniere zu gewinnen“, war sein Leitsatz. Doch neuerdings zeigt sich der Südafrikaner geläutert.

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Sofern man ihm wohl gesonnen ist, kann man über Rory Sabbatini sagen, er nehme nie ein Blatt vor den Mund. Man kann es auch weniger freundlich ausdrücken: Der Südafrikaner aus Durban, der seit vielen Jahren in Fort Worth in Texas lebt, pflegte über Jahre seinen Ruf als vorlauter, ungehobelter Golfflegel. Was in diesem „Gentlemen's Sport“ Kollegen wie Fans sauer aufstieß. Denn jeder Anfänger lernt schnell die Bedeutung des Wortes „Etikette“ kennen, was der Fremdwörter-Duden mit „zur bloßen Förmlichkeit erstarrte offizielle Umgangsform“ übersetzt. Im Golf bezeichnet dies aber den Benehmenskodex, an den sich jeder zu halten hat: Wochenendhacker wie Profis.

Rory Sabbatini hat sich um die Golfknigge in der Vergangenheit selten geschert. 2007 ergab eine Umfrage von „Sports Illustrated“ unter seinen Kollegen, dass er mit Abstand der unbeliebteste Spieler auf der PGA Tour sei. Sabbatini hat alle Kritiker immer mit einem Satz abgebügelt: „Ich spiele nicht Golf, um Freunde, sondern um Turniere zu gewinnen.“ Das hat er auch getan, am Sonntag wieder einmal nach zweijähriger Pause.

Ausrutscher, die sich im Golf nicht gehören

Er triumphierte bei der Honda Classic in Palm Beach Gardens mit einem Schlag Vorsprung vor dem Koreaner Y.E. Yang und kassierte 1,026 Millionen Dollar. Er rückte in der Weltrangliste auf Platz 52 vor und qualifizierte sich für die nächsten beiden Großereignisse. Von Donnerstag bis Sonntag spielt er im Doral Resort in Miami bei der Cadillac Championship, einem nur der Elite vorbehaltenen Turnier der World Golf Championship, bei dem Martin Kaymer seinen ersten Weltranglistenplatz gegen ein Heer von Verfolgern verteidigen muss. Und auch in diesem Jahr ist Sabbatini wieder beim Masters (7. bis 10. April) in Augusta (Georgia) dabei. Dort hatte er 2007 mit dem zweiten Platz seine beste Platzierung bei einem der vier Majors erreicht.

Am Sonntag feierte Sabbatini, der am 2. April 35 Jahre alt wird, seinen sechsten Sieg auf der PGA Tour - und auf einmal will der böse Bube der Branche sein Image wandeln: „Ich bin ein leidenschaftlicher Golfer. Ich liebe Golf. Ich bin nicht stolz, auf alles, was ich auf der Tour gemacht habe, aber ich versuche zu lernen. Ich will ein Vorbild für meine drei Kinder sein. Und wie meine Frau sagte, ich möchte nicht, dass mein Sohn einige der Dinge tut, die ich in der Vergangenheit gemacht habe.“

170.000 Dollar Preisgeld für den letzten Platz

Diese „Dinge“ - allesamt Ausrutscher, die sich im Golf nicht gehören. Vor sechs Jahren ließ er beim Booze Allen Classic seinen Mitspieler Ben Crane einfach auf dem 17. Grün stehen, obwohl der noch puttete und stürmte zum 18. Abschlag. Ihn hatte das extrem langsame Spiel des Amerikaners, der als einer schlimmsten „Schnecken“ auf der PGA Tour gilt, genervt.

Vor vier Jahren, seiner damals erfolgreichsten Saison, als er in der Weltrangliste bis auf Platz acht geklettert war, riskierte er eine große Lippe gegenüber Tiger Woods, den er als schlagbarer als je zuvor bezeichnete. Woods, damals noch der unumschränkte Alleinherrscher der Branche, merkte nur genüsslich an, dass er jenem Jahr 2007 mehr Turniere gewonnen habe, als der Südafrikaner in seiner gesamten Karriere - und wies das Großmaul bei zwei Turnieren im direkten Zweikampf sportlich in die Schranken: Sowohl bei der Wachovia Championship als auch beim Bridgestone Invitational benötigte Sabbatini in der der Schlussrunde 74 Schläge, Woods gewann mit Runden von 69 und 65 Schlägen beide Turniere.

Mit Cowboy-Hut gegen die aggressive Sonnenstrahlung

Aber den Höhepunkt leistete sich Sabbatini Ende besagten Jahres 2007. Als damaliger Weltranglistenelfter war er einer der 16 Spieler beim Einladungsturnier von Woods. Nachdem er nach den ersten drei Runden 28 Schläge hinter dem Spitzenreiter Woods zurück gelegen hatte, packte er seine Sachen und flog zum Urlaub nach Hawaii. Sein Manager schob hinterher eine wachsweiche Erklärung nach: Sein Klient habe unter einer Entzündung der Schienbein-Muskulatur gelitten.

Was Sabbatini aber nicht daran hinderte, 170.000 Dollar Preisgeld für den letzten Platz zu kassieren. Aber wie gesagt: Sabbatini will sich bessern. Er geht seinem Job neuerdings mit einem Cowboy-Hut nach, nicht nur eine Hommage an seine texanische Wahlheimat. Nachdem er an Hautkrebs erkrankt war, will er mit seiner neuen Kopfbedeckung auch dafür werben, sich auf dem Golfplatz gegen die aggressive Sonnenstrahlung zu schützen. Rory Sabbatini als Vorbild - daran muss man sich erst noch gewöhnen.

Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in seiner wöchentlichen Kolumne bei FAZ.NET über Sieger und Verlierer, Kurioses, Lustiges und Skurriles.

Quelle: FAZ.NET
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