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PGA-Champion Kaymer Mit der Nüchternheit eines Buchhalters

16.08.2010 ·  Martin Kaymer ist erst der zweite deutsche Golfprofi, der ein Major-Turnier gewonnen hat. Der 25-Jährige siegte im Stechen über drei Löcher. Die PGA-Championship ist mit 7,5 Millionen Dollar dotiert. Tiger Woods landete abgeschlagen auf Rang 28.

Von Wolfgang Scheffler
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Martin Kaymer bringt so leicht nichts aus der Fassung - nicht die viertelstündige Diskussion um die zwei Strafschläge, die den Amerikaner Dustin Johnson die Teilnahme am Stechen kosteten (siehe: Golf-Kommentar: In den Sand gesetzt) nicht der Druck, die Führung, die der Deutsche schon nach wenigen Löchern der Schlussrunde übernommen hatte, ins Ziel zu bringen. Wer so cool den größten Sieg seiner Laufbahn einfährt, bei dem löst selbst der Triumph bei der 92. PGA Championship in Kohler (Wisconsin) keine große Emotionen aus. Der 25 Jahre alte Mettmanner schien fast ein wenig verdutzt, als erst sein schottischer Caddie Craig Connelly ihn an seine breite Brust drückte und danach seine amerikanische Freundin Alison ihren Liebsten herzte.

Die Gelassenheit mit der Kaymer den mit 1,35 Millionen Dollar (1,05 Millionen Euro) dotierten Triumph beim letzten Major des Jahres hinnahm, erklärte er mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der er am Schlusstag immer den Ball im Loch versenkte, wenn er in Bredouille geraten war - so wie am letzten Loch der Schlussrunde, als er nach zwei verzogenen Schlägen den Ball aus fünf Metern zum Par einlochte und sich damit ins Stechen gegen den Amerikaner Bubba Watson rettete; oder so wie am zweiten Loch des Stechens über drei Extra-Löcher, als er mit einem Birdie, ebenfalls aus fünf Metern, in der Verlängerung gegen den Linkshänder aus Florida ausglich. Am letzten Loch des Stechens galt es dann ja nur den Ball aus einem halben Meter zum Bogey ins Loch zu bugsieren, um den Sieg unter Dach und Fach zu bringen: „Wäre es ein langer Putt wie auf der Schlussrunde gewesen, wäre die Reaktion sicher anders ausgefallen.“

Mag sein, aber große Gefühlsausbrüche gehören normalerweise nicht zum Repertoire des Rheinländers. Wie Bernhard Langer, der 1985 und 1993 mit seinen beiden Erfolgen beim Masters für die einzigen deutschen Siege bei den vier Traditionsturnieren gesorgt hatte, geht Kaymer seinem Tagewerk auf dem Golfplatz mit kühler Effektivität nach - und er lässt sich nie zu unnötigen Risiken verleiten. Als Watson am dritten Loch des Stechens seinen Ball aus dem tiefen Gras am Rand des Fairways in den Bach vor dem 18. Grün hieb, bewahrte Kaymer kühlen Kopf.

Statt unnötigem Heldentum erledigte er die letzten Schläge zum größten Triumph seiner fünfjährigen Profilaufbahn mit der Nüchternheit eines Buchhalters. Er beförderte den Ball nur aus dem hohen Gras heraus und schlug ihn dann mit einem Eisen sieben fünf Meter neben die Fahne - ein meisterlicher Schlag, der eines Siegers würdig war, aber eben kein Finale furioso.

Wichtiger Meilenstein in der Karriere

Kaymer musste zwar noch einmal kurz zittern, als der Ball von Watson nach dem Bunkerschlag, dem fünften an diesem Loch, die Fahnenstange traf, aber die letzte seltsame Wendung an diesem Schlusstag mit dem wohl bizarrsten Finale eines der vier Majors seit 1968, als der Argentinier Roberto de Vicenzo beim Masters seine Scorekarte mit einem zu hohen Ergebnis unterschrieben und dadurch das Stechen verpasst hatte, blieb aus.

„Ich kann gar nicht Worte fassen, was dieser Sieg bedeutet. Wenn ich darüber rede, bekomme ich Gänsehaut“, sagte der überglückliche Sieger. Kaymer erreichte an diesem Tag eines seiner großen Ziele. Er ist mit Sicherheit wie Watson und Johnson für den Ryder Cup qualifiziert. Kaymer rückte auf den fünften Platz der Weltrangliste vor - so hoch war er zuvor nie notiert. Und er sicherte sich damit für die nächsten fünf Jahre die Spielberechtigung für die amerikanische PGA Tour.

Mehr in Florida spielen

Kaymer, der bereits ein Wohnung in Scottsdale in Arizona besitzt, kündigte sofort an, dass er im nächsten Jahr diese Chance wahrnehme werde: „Es war immer mein Ziel, Mitglied der PGA-Tour zu werden. Ich möchte mehr in Amerika spielen, weil ich weiß und fühle, dass mein Spiel besser wird, wenn ich in Amerika spiele. Ich will mehr in Florida spielen, weil ich mein Spiel auf Bermudagras verbessern will.“ Die PGA-Tour verlangt von ihren Mitgliedern, dass sie bei mindestens 15 Turnieren antreten. Kaymer spielte in diesem Jahr bisher zehn Mal in den Vereinigten Staaten, er muss also mindestens fünf weitere PGA-Turniere in seinen Kalender aufnehmen. Eines davon wird wohl das „Tournament of Champions“ sein, das jeweils Anfang Januar auf der Hawaii-Insel Maui ausgetragen wird und nur den Siegern dieser Turnierserie vorbehalten ist.

Vorläufig wird Kaymer allerdings die Golfschläger erst einmal beiseite legen. Mit seiner Freundin gönnt er sich einen dreiwöchigen Urlaub in der Karibik - eine wohlverdiente Auszeit nach der Nervenschlacht am Ufer des Michigansees. Danach beginnt die Vorbereitung auf den Ryder Cup. Vom 1. bis 3. Oktober trifft die Europa-Auswahl im Celtic Manor Resort in Newport in Wales auf die Auswahl der Vereinigten Staaten.

Ob Tiger Woods, der nur den geteilten 28. Platz belegte, dabei sein wird, hängt davon ab, ob der amerikanische Kapitän Corey Pavin dem Weltranglistenersten am 7. September eine seiner vier Wildcard gibt. Ob Woods immer noch als Bester seiner Zunft gelten kann, darüber mag man streiten. Unbestreitbar ist hingegen, dass sich eine Vorhersage von Langer erfüllt hat: „Martin kann ein Großer werden.“ Seit Sonntag ist er es.

PGA Championship in Kohler/Wisconsin (7,5 Mio. Dollar/Par 72):

Endstand:

1. Martin Kaymer (Mettmann) 277 (72+68+67+70) Schläge/n. Stechen am 3. Extra-Loch; 2. Bubba Watson (Vereinigte Staaten) 277 (68+71+70+68); 3. Zach Johnson (Vereinigte Staaten) 278 (69+70+69+70) und Rory McIlroy (Nordirland) 278 (71+68+67+72); 5. Jason Dufner (Vereinigte Staaten) 279 (73+66+69+71), Steve Elkington (Australien) 279 (71+70+67+71) und Dustin Johnson (Vereinigte Staaten) 279 (71+68+67+73); 8. Liang Wen-Chong (China) 280 (72+71+64+73) und Camilo Villegas (Kolumbien) 280 (71+71+70+68); 10. Jason Day (Australien) 281 (69+72+66+74) und Matt Kuchar (Vereinigte Staaten) 281 (67+69+73+72)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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