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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Golf Neuer Schläger, frischer Schwung

 ·  Tiger Woods kann sein Knie vor den US Open auf dem schweren Black Course von Bethpage wieder wie eh und je belasten, dazu wechselte er erfolgreich den Driver. Zudem besticht er mehr denn je mit Präzision beim Putten.

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Im professionellen Golf gibt es meistens eine einfache Rechnung. Donnerstags gehen mehr als hundert Spieler auf die erste Runde eines Turniers. Aber eigentlich traut man nur einem von ihnen wirklich zu, dass er nach vier Tagen als Sieger vom Platz geht: dem amerikanischen Weltranglistenersten Tiger Woods. Der 33 Jahre alte Golfstar landet ja selbst dann, wenn er mal nicht gewinnt, oft ziemlich weit vorne. Allerdings sieht die Sache mitunter doch etwas anders aus. Darauf hat vor ein paar Tagen der Australier Geoff Ogilvy aufmerksam gemacht, als er auf die Herausforderung angesprochen wurde, sich Woche um Woche innerlich auf die Auseinandersetzung mit dem Besten des Fachs vorzubereiten. „Das scheint nicht ganz leicht. Aber er gewinnt nicht jedes Mal. Tatsächlich gewinnt er weniger als die Hälfte. Ich glaube nicht, dass irgendjemand von uns herumläuft und sagt: Wir spielen um den zweiten Platz.“

Ogilvy gehört zu jener kleinen Gruppe von Spielern, die in den vergangenen zwölf Jahren, in denen Woods vierzehn Majors gewann, zumindest einmal selbst ein solches Kunststück fertigbrachte - 2006 in Winged Foot. Die anderen, die Michelsons, die Harringtons und Goosens, die in der gleichen Zeit sogar zweimal ganz vorn waren, werden wohl ebenso denken wie Ogilvy. Selbst bei einem Turnier wie den 109. US Open in dieser Woche auf dem schweren Black Course von Bethpage auf Long Island, bei dem ein derartiger Optimismus recht verwegen wirkt. Denn Woods, die Inkarnation des hochmotivierten, extrem ehrgeizigen und selbstbewussten Sportlers, ist wieder fit.

Neues Knie, neuer Driver

Das linke Knie, auf dem er vor einem Jahr mit schmerzverzerrtem Gesicht fünf Runden lang über den Platz in La Jolla lief, ehe er seinen Landsmann Rocco Mediate am 19. Loch des montäglichen Stechens bezwang, ist dank einer Operation nicht nur wieder vollends hergestellt. Woods kann es seit wenigen Wochen auch belasten wie eh und je. Das Resultat: Er investiert wieder viel Zeit ins Training. „Wenn man sich in diesem Spiel verbessern will“, sagte der Amerikaner am Dienstag bei einer Pressekonferenz, „dann musst du Arbeit hineinstecken.“

Die Erträge zeigten sich vor anderthalb Wochen, als Woods das erstklassig besetzte Memorial-Turnier in Muirfield Village/Ohio gewann. Das Resultat hatte sicher auch mit einer anderen Geschichte zu tun: Woods hatte sich mal wieder mit dem Inhalt seiner Golftasche beschäftigt und jenes langstielige Instrument ausgewechselt, das neben dem Putter als das wichtigste Arbeitsgerät einzustufen ist - den Driver.

Ein Schläger mit einem Winkel von 10,5 Grad

Der junge Woods schlug die Bälle mit einem großhubigen Schläger ab, dessen Anstellwinkel bei minimalen 6,5 Grad lag. Das Ziel: die Flugkurve flacher zu halten und den Ball weiter zu schlagen. Die kleinen weißen Bälle wurden jedoch in den vergangenen Jahren von den Ingenieuren der Herstellerfirmen weiterentwickelt. Profis, die schmale Landezonen in 300 Meter Entfernung anpeilen, wurden gezwungen, sich mit Schlägern anzufreunden, die dafür sorgen, dass der Ball höher fliegt. Woods griff vor zwei Wochen erstmals zu einem Schläger mit einem Winkel von 10,5 Grad, und er hatte Erfolg. Sein Ball landete fast immer im Fairway.

Dass der Platz in der hügeligen Landschaft unweit von New York, eine öffentliche Anlage, auf der Ortsansässige für eine Runde 60 Dollar Greenfee bezahlen, Woods ebenfalls zugutekommt, sollte man nicht automatisch annehmen. Auch wenn er 2002 das Turnier an gleicher Stelle relativ klar gewann. Denn Bethpage Black, auf dem zwei der vier Par-5-Löcher für die Profis zu verlängerten Par-4 umgestaltet wurden (mit neuen Extremdistanzen zwischen 450 und 470 Metern), verlangt den Spielern mehr denn je ab.

Seine Siege basieren mehr denn je auf Präzision

Der Par-70-Parcours geht über 6700 Meter, ein neuer Rekord in der Geschichte der US Open. Und Woods, der als junger Spieler als der Prototyp des Weitenjägers galt, ist in dieser Abteilung trotz eines an Gewichten und Maschinen gestählten Körpers der Konkurrenz längst nicht mehr um Längen voraus. Im Gegenteil. Seine Siege basieren mehr denn je auf Präzision - besonders beim Putten -, auf klugem taktischem Denken und einer beachtlichen psychologischen Überlegenheit im Kampf Mann gegen Mann auf den entscheidenden Löchern am Sonntag, dem letzten Turniertag.

Die US Open sind übrigens ein neuerlicher Leistungstest für Martin Kaymer, der seinen 23. Platz auf der Weltrangliste bislang bei keinem Major bestätigen konnte. Beim Masters in Augusta im April verpasste er wieder den Cut, jene Qualifikationsmarke, die nach zwei Tagen das Teilnehmerfeld halbiert. Bei den anderen bedeutenden Wettbewerben erreichte der Deutsche sein bislang bestes Resultat vor einem Jahr bei den US Open in La Jolla, als er 53. wurde. Bethpage mit seinen engen Fairways und hohen Roughs sollte dem 24 Jahre alten Kaymer allerdings liegen. Seine Abschläge sind schließlich lang und zielgenau.

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