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Golf Die Glocke läutet – zum Golf

09.09.2010 ·  Vor knapp drei Wochen gewann Martin Kaymer die PGA Championship. Auf seinen ersten großen Turniersieg folgte ein PR-Marathon. Nun kehrt der Sechste der Weltrangliste auf den Golfplatz zurück - mit hohen Erwartungen.

Von Wolfgang Scheffler
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Man muss das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Übersetzt auf den Sport bedeutet das: Nach einem großen Erfolg muss man sich zeigen, damit sich auch die Sponsoren im Glanz des Triumphs sonnen können. Martin Kaymer hatte nach der PGA Championship auf dem Straits Course von Whistlings Straits in Kohler (Wisconsin) eigentlich einen dreiwöchigen Urlaub mit seiner amerikanischen Freundin Alison Micheletti auf Jamaika geplant, aber nach dem ersten Major-Sieg seiner fünfjährigen Profi-Karriere konnte der 25 Jahre alte Mettmanner nicht einfach abtauchen. Schon nach einer Woche musste er die Karibik-Insel verlassen.

In New York stand ein Besuch in der Redaktion von „Sports Illustrated“ auf dem Programm. Der deutsche Golfprofi durfte in der elektronischen Börse Nasdaq am Times Square die Eröffnungsglocke läuten - Aktionen, um den Bekanntheitsgrad im größten Golfmarkt der Welt zu steigern, zumal er im nächsten Jahr dank seines Major-Sieges für fünf Jahre die Spielberechtigung auf der amerikanischen PGA Tour besitzt. Die Chance, sich in den Vereinigten Staaten mit den Besten der Welt zu messen, wird der Rheinländer im nächsten Jahr annehmen. Im „Big Apple“ blieb wenigstens einige Tage Zeit für Sightseeing und Einkaufstouren, aber danach stand schon der nächste PR-Termin in München auf dem Programm: BMW präsentierte seinen Markenbotschafter. Dass bei solchen Auftritten wenig Neues zu erfahren ist, liegt in der Natur der Sache.

Jetzt ist das Schaulaufen des Siegers vorbei. Nach einer Woche Vorbereitung mit seinem Coach Günter Kessler in Neuss spielt Kaymer an diesem Donnerstag wieder Turniergolf - gemeinsam mit seinem spanischen Kumpel Alvaro Quiros und dem Niederländer Jan-Robert Derksen geht er im Hilversumsche Golf Club bei der KLM Dutch Open auf die erste Runde. Als Weltranglisten-Sechster ist er der am höchsten eingestufte Profi im Feld. Kaymer gilt trotz seiner langen Pause bei Wettanbietern wie „bet365“ mit einer Quote von 11:1 als Topfavorit, zumal der zweite aktuelle Major-Sieger im Feld, der Südafrikaner Louis Oosthuizen, bei seinen beiden letzten Turnieren jeweils den Cut verpasste.

Kaymers Ausnahmestellung in Hilversum wird noch von einer anderen Statistik unterstrichen: Neben Kaymer treten dort nur sechs Kollegen an, die in der Weltrangliste unter den Top 50 geführt werden: der British-Open-Sieger Oosthuizen (21.), der Engländer Ross Fischer (28.), der Italiener Francesco Molinari (36.), der Schwede Robert Karlsson (39.) und Quiros (48.).

„Ich fühle mich gut uns ausgeruht“

Auch wenn die Weltrangliste für die Vorhersage von Turniersiegern wenig taugt, gab sich der Star des Turniers vor der ersten Runde zuversichtlich: „Es ist toll, wieder in Europa zu sein. Ich fühle mich gut und ausgeruht. Ich hoffe, dass meine Form immer noch da ist und ich um den Sieg mitspielen kann. Ich werde auf jeden Fall versuchen, zu gewinnen, denn ich bin bereit, wieder zu gewinnen.“ Es wäre der dritte Erfolg in diesem Jahr für Kaymer - und die Chance, bei seinem letzten Auftritt vor dem Ryder Cup (1. bis 3. Oktober) in Newport (Wales) seine Führung in der europäischen Geldrangliste, dem „Race to Dubai“, auszubauen.

Derzeit ist der Deutsche mit rund 2,25 Millionen Euro Preisgeld der Großverdiener der European Tour. Für den dreißigjährigen Ratinger Marcel Siem, der wie Kaymer aus dem Großraum Düsseldorf kommt, geht es um noch mehr: Er liegt, nach dem er vergangene Woche wie Oosthuizen beim European Masters in Crans-sur-Sierre in den Schweizer Alpen vorzeitig abreisen musste, derzeit im „Race to Dubai“ auf Platz 76 - und muss gut verdienen, um sich unter die Top 60 zu schieben, die im November am Abschlussturnier der European Tour, der „Dubai World Championship“, teilnehmen dürfen.

An Unterstützung aus der Heimat wird es beiden nicht mangeln. Von Kaymers Heimatort Mettmann oder von Ratingen sind es bis nach Hilversum nur rund 200 Kilometer. „Meine ganze Familie und viele Freunde werden am Wochenende nach Holland kommen“, sagte Kaymer, „es ist fast ein Heimspiel für mich.“ Kaymer weiß allerdings aus Erfahrung: Anders als im Fußball erleichtern Heimspiele das Siegen im Golf nicht unbedingt.

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