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Golf Der Tiger-Flüsterer Hank Haney

21.06.2009 ·  Hank Haney ist der Mann hinter dem amerikanischen Golf-Star. Tiger Woods vertraut ihm bei den Majors - wie derzeit den US Open - vor allem wegen seiner Verschwiegenheit. Dennoch gibt es Gerüchte zu einem Ende der Zusammenarbeit.

Von Jürgen Kalwa
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Manchmal hat selbst ein Trainer mit einem erstklassigen Ruf das dumpfe Gefühl, dass er sich und dem Rest der Welt noch etwas beweisen muss. Etwas, was auch für Hank Haney gilt, den Golflehrer von Tiger Woods. Das konnte man vor ein paar Monaten im amerikanischen „Golf Channel“ sehen. Da widmete er sich in einem Mehrteiler im Stile einer Reality-Serie einem scheinbar trostlosen Fall: dem total verkorksten Golfschwung des ehemaligen Basketballprofis und heutigen Fernsehkommentators Charles Barkley. Dessen Handhabung des Schlägers sah bis dahin meistens so aus, als ob er mitten in der Bewegung anhält, um ein mittelgroßes Insekt totzuschlagen, ehe er den Ball zu treffen versucht.

Am Anfang wollte der Trainer allerdings wissen, ob sein unbeholfener Student vielleicht einen „Tiger-Tag“ einlegen wolle. Aber Barkley hatte keine Ahnung, wie viel Arbeit sein Freund Woods investiert, um an seinem eigenen Spiel zu feilen. Haney gab ihm einen Abriss: Jeden Morgen nach dem Aufstehen um 6 Uhr joggt er 45 Minuten oder fährt mit dem Rad. Dann wickelt er eineinhalb Stunden Fitnesstraining ab. Nach dem Frühstück schlägt er zwei Stunden lang Bälle auf der Driving Range, spielt danach neun Löcher, und schiebt noch eine Stunde Pitchen und Putten ein, ehe er zum Mittagessen eine Pause einlegt.

Am Nachmittag stehen weitere zwei Stunden auf der Übungswiese und noch mal neun komplette Löcher auf dem Programm. Bevor er sich sein Abendessen gönnt, geht er noch mal an die Hanteln. Wenn Haney zur Stelle ist, beschäftigen sich die beiden noch mal mit den Feinheiten von Griff und Bewegungsablauf. Danach geht der Weltranglistenerste ins Bett.

„Was müssen wir heute tun, um morgen besser zu sein als heute?“

Anders als dem Freizeitgolfer Charles Barkley hat der 53 Jahre alte Haney seinem berühmten Klienten noch nie den Sinn einer solchen extensiven Anstrengung erklären müssen. Dem Weltranglistenersten, nun 33 Jahre alt, getrieben von einem grenzenlosen Ehrgeiz, fehlt es nicht an Motivation. „Er will sich ständig um jeden Preis vervollkommnen“, sagt Haney. Er war anfänglich hundert Tage im Jahr mit Woods unterwegs. „Alles, was ihn interessiert: Was müssen wir heute tun, um morgen besser zu sein als heute?“

Um noch besser zu werden, hatte sich Woods vor fünf Jahren in einer sportlichen Hochphase seiner Karriere von Butch Harmon getrennt, obwohl der als der beste seiner Zunft gilt und in den neunziger Jahren mit dem Australier Greg Norman schon einmal einen Profi an die Spitze der Weltrangliste geführt hatte. Als Nachfolger wählte er den aus Chicago stammenden und in Texas lebenden Haney aus, der sich zuvor um Woods’ Freund Mark O’Meara gekümmert hatte.

Haneys Stärke: Mangel an Eitelkeit

Für den neuen Mann sprach nicht nur sein Sachverstand, den er als Betreiber mehrerer Golfschulen und als Autor von Ratgeberbüchern und Videos unter Beweis gestellt hat. Sein größter Pluspunkt ist sein Mangel an Eitelkeit. Denn im Zirkel rund um Tiger Woods haben Männer mit Profilneurose keine Zukunft. Ein Sachverhalt, den sein erster Caddie zu spüren bekam, als dieser plötzlich eigene Werbespots abdrehte. Fluff Cowan verlor den bestdotierten Assistentenjob der Welt und dadurch mehrere Millionen Dollar an Einnahmen.

Verschwiegenheit und Zurückhaltung heißt für Woods, dass niemand in seinem Clan über die Feinheiten seines Golfspiels redet. Wer von außen seine ungewöhnlichen Fähigkeiten analysieren will, die ihm erlauben, den kleinen Ball aus fast jeder Lage fast immer perfekt Richtung Grün zu befördern, ist auf sich allein gestellt. Die Haltung verleitet Experten gern zum Spekulieren – nicht nur über den mächtigen Schwung und die abgeknickten Handgelenke im Augenblick des Ballkontakts. Zuletzt zerbrachen sich Experten den Kopf über die Probleme des Superstars im linken Knie, die im letzten Jahr bei den US Open kulminierten, als er schmerzverzerrt über den Platz in Torrey Pines hinkte.

Gerüchte über Kündigung Haneys

Angesichts der Verschwiegenheit von Spieler und Trainer ist es nicht verwunderlich, wenn Gerüchte auftauchen, die dem Coach die Kündigung prophezeien. Kritische Stimmen verweisen gern darauf, dass Woods unter seiner Ägide deutlich an Präzision am Abschlag eingebüßt hat, weil er „keine Ahnung hat, wohin seine Drives fliegen“ (so der Londoner „Telegraph“).

Ein Problem, das sich am Donnerstag zeigte, dem ersten Tag der US Open auf dem Black Course von Bethpage auf Long Island. Da katapultierte der große Favorit bei regnerischem Wetter den Ball mit dem Driver mal links und mal rechts ins unwegsame Gelände.

Sechs von 15 Majortiteln mit Haney

Trotz solcher Probleme ist die Gesamtbilanz der Haney-Jahre nicht zu verachten. Woods gewann in dieser Zeit sechs von 15 Major-Turnieren, wurde viermal Zweiter, einmal Dritter, einmal Vierter und kam auf diese Weise seinem Karriereziel, Jack Nicklaus in der ewigen Bestenliste der Majors-Sieger zu überholen, ständig näher.

Seine Chancen, an diesem Wochenende einen weiteren Titel zu gewinnen, sind allerdings gering. In einem durch das schlechte Wetter durcheinandergewirbelten Turnier musste er ausgerechnet immer dann hinaus auf den Platz, als es regnete oder ein kalter Wind wehte. So fiel er nach der ersten Runde, die mit einem Tag Verspätung am Freitagnachmittag beendet wurde, mit zehn Schlägen Rückstand weit zurück. Womöglich werden die 109. US Open durch das Wetterchaos erst am Montag beendet werden – für den „Tiger“ sind sie schon jetzt ein Kampf gegen alles und jeden.

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