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2:3 gegen die Schweiz In der Verlängerung geht den Deutschen die Luft aus

26.04.2009 ·  Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat auch ihr zweites Vorrundenspiel bei der 73. Weltmeisterschaft verloren. Gegen Gastgeber Schweiz unterlag die DEB-Auswahl 2:3 nach „Sudden Death“.

Von Marc Heinrich, Bern
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Als die Scheibe längst im Netz lag, drückte Martin Pluss sicherheitshalber noch einmal den deutschen Gegenspieler auf den Boden, damit dieser auch ja keine Bewegungsfreiheit mehr hatte. Dann war auch für ihn Feierabend. Der wackere Stürmer Pluss reckte den Handschuh in die Luft und richtete den Blick nach oben - dabei huschte unter seinem Helm ein breites Lächeln über sein Gesicht.

Die Geste machte deutlich, dass das 3:2 (1:1, 1:1, 0:0, 1:0) gegen die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) kein ganz normaler Erfolg war, über das er sich sodann mit seinen Mannschaftskollegen ausgiebig freute. Sie zelebrierten den Sieg, den ihr Kapitän Mark Streit in der 62. Minute mit einem Schlagschuss sichergestellt hatte, während die Verlierer nach ihrem „Sudden Death“ kurz darauf bedröppelt von der Bildfläche verschwanden.

Gegen Frankreich nun unter Druck

Das Team von Bundestrainer Uwe Krupp steht nun im letzten Vorrundenspiel der Eishockey-Weltmeisterschaft gegen Frankreich unter Druck, will es sich tatsächlich fürs Viertelfinale qualifizieren. Dass es ein Nachbarschafts-Duell in besonders leidenschaftlicher Atmosphäre werden würde, zeichnete sich früh ab. Beide Seiten gingen mit einer Einsatzbereitschaft zur Sache, mit der sie weder sich noch ihre Gegenüber an diesem frühen Abend schonten. Jede Mannschaft präsentierte sich wesentlich temperamentvoller als beim ersten Auftritt.

Die Deutschen, die den stürmischen Hausherren mit eine stabilen Abwehr entgegentraten, erzielten durch Christoph Ullmann in der 7. Minute in Überzahl das 1:0. Doch den Vorteil der schnellen Führung ließen sie sich rasch wieder nehmen: Roman Wick war keine 120 Sekunden später zur Stelle, als Dimitri Pätzold im Gewühl vor seinem Tor kurz den Überblick verloren hatte, und traf zum Ausgleich (9.). In der ausverkauften Berner Arena, mit ihren hochgezogenen Stehplatzrängen ohnehin eine der stimmungsvollsten Eishockey-Stadien der Welt, gab auf den Tribünen die deutsche Fan-Minderheit ihr Bestes, um ihre Mannschaft stimmgewaltig zu unterstützen. Aber gegen die lautstarke Mehrheit der rotweiß gekleideten Anhänger waren sie chancenlos.

Eine unterhaltsame Partie

Anders das Bild auf dem Eis. Die verbalen Scharmützel, mit denen hüben wie drüben vor Beginn des Derbys der Gegner ein wenig gepiesackt wurde, fanden anfangs keine handfeste Fortsetzung. Stattdessen beschränkte man sich sofort aufs Wesentliche. Und Krupps Aufgebot überzeugte durch seine Aufmerksamkeit in der Defensive, mit der es dem Sturm und Drang der Eidgenossen Einhalt gebot. Die Schiedsrichter hatten erst später, als jede Mannschaft mit körperlicher Härte den Widersacher entscheidend einzuschüchtern versuchte, alle Hände voll zu tun. „Es war heute ein Match mit vielen Emotionen“, sagte Krupp, „nicht die richtigen Laufwege oder Ähnliches waren entscheidend.“

Weil seine Leute auch nach dem 1:2 von Mathias Seger, das die gesteigerten Schweizer Bemühungen nach dem ersten Seitenwechsel belohnte (24.), nicht klein beigaben, wurde es eine intensive und unterhaltsame Partie, die Christoph Schubert mit dem 2:2 (34.) bis zum Ende wieder spannend machte. Dass gerade Triumphe gegen Deutschland für die Schweizer beinahe ein nationales Bedürfnis sind, bewies der Sonntag aufs Neue. Eishockey befindet sich in ihrem Land in der Popularitätsskala fast auf Augenhöhe mit dem hierzulande alles dominierenden Fußball.

Die Schweizer peilen eine Medaille an

In der Hauptstadt genießt die schnellste Mannschaftssportart der Welt einen exzellenten Ruf: Über 16.000 Fans verfolgen regelmäßig die Auftritte des Schlittschuh-Clubs Bern. Einen solchen Zuspruch gibt es in ganz Europa nicht noch einmal. Auch sportlich präsentierte sich die Schweizer Liga zuletzt in Hochform: Der Zürcher SC gewann die Champions League - im Finale gegen den russischen Favoriten aus Magnitogorsk.

Von dieser Popularität profitiert auch das Nationalteam, das bei dieser WM erstmals eine Medaille anpeilt. Dem Wunschziel sind die Schweizer, die nun bereits fünf Punkte gesammelt haben, zum Ausklang des Wochenendes einen Schritt näher gekommen. Das DEB-Team dagegen steht weiter sieglos da. Nur mit einem Erfolg an diesem Dienstag gegen Abstiegskandidat Frankreich lässt sich ihre Hoffnung aufrechterhalten.

Schweiz - Deutschland 3:2 n.V. (1:1, 1:1, 0:0, 1:0)
Schweiz:
Tor: Gerber
Abwehr: Blindenbacher, Streit - Du Bois, Bezina - Seger, Josi - Furrer
Angriff: Paterlini, Ziegler, Sannitz - Plüss, Rüthemann, Gardner - Deruns, Jeannin, Lemm - Ambühl, Wick, Sprunger - Romy
Deutschland:
Tor: Pätzold
Abwehr: Schmidt, Bakos - Butenschön, Schubert - Osterloh, Moritz Müller - Renz, Hördler Angriff: Wolf, Hackert, Gogulla - Hecht, Yannic Seidenberg, Ullmann - Felski, Alexander Barta, Kreutzer - Travis Mulock, Hospelt, Hager
Schiedsrichter: Partanen/Rönn (Finnland)
Zuschauer: 11.423 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Ullmann (06:26), 1:1 Wick (08:36), 2:1 Seger (23:25), 2:2 Schubert (33:02), 3:2 Streit (61:18)
Strafminuten: 14 / 12

Quelle: FAZ.NET mit dpa
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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