26.06.2006 · „Die Kritik an Klinsmann und seinen amerikanischen Fitnesstrainern hat mich in diesem Punkt immer gewundert“, sagt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.
Matthias Sammer, DFB-Sportdirektor, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die akribische Arbeit von Bundestrainer Jürgen Klinsmann.
DFB-Präsident Zwanziger sagt, zur Philosophie von Jürgen Klinsmann gebe es in Zukunft keine Alternative. Wie sehen Sie das als DFB-Sportdirektor?
Für mich besteht der Erfolg aus mehreren Facetten. Ich sehe im Moment keine Mannschaft, die gleichzeitig so viele Stärken in sich vereinigt - das Offensivspiel, die individuellen Stärken und die Fitness. Die Mannschaft kann marschieren und den Rhythmus bestimmen, sie spielt herzerfrischend. Aber als ganz großes Plus schätze ich die Stabilität, die Kompaktheit im allgemeinen Defensivverhalten ein.
Welche Folgen hat das für Ihre Arbeit?
Die WM wird ein wichtiger Bestandteil sein für das Konzept, wie der Spieler von morgen aussehen muß. Es geht um die Fragen, wie seine individuellen Fähigkeiten und sein mannschaftliches Denken ausgeprägt sein müssen. Im Moment hat sich das deutsche Team wieder etwas erarbeitet, was immer unsere Stärke war: Die anderen haben Angst und Respekt vor uns. Diese Anerkennung ist wunderbar. Vor dem Turnier habe ich gelesen, daß dies die schlechteste Mannschaft sei, die Deutschland je hatte. Jetzt kann man sehen, daß man eine Trendwende auch schnell schaffen kann, wenn man inhaltlich akribisch arbeitet.
Klinsmann hat auf die Fitness sehr viel Wert gelegt - dafür hat er viel Kritik aus der Bundesliga einstecken müssen. Hat die WM gezeigt, daß auch in der Bundesliga mehr trainiert und gezielter mit den Spielern gearbeitet werden muß?
Die Fitness ist ein Punkt, vielleicht auch ein wesentlicher Punkt, den die deutsche Mannschaft bei der WM zeigt. Man sieht an den Engländern, daß sie nicht so dynamisch, spritzig und kraftvoll sind wie wir. Die Kritik an Klinsmann und seinen amerikanischen Fitnesstrainern hat mich in diesem Punkt immer gewundert. Wenn man mehr aus den Spielern herausholt, ist das von Vorteil für den Spieler selbst und auch für die Vereine. Aber man muß auch sehen, daß ein Nationaltrainer wie Jürgen Klinsmann auch von den wichtigen Grundlagen der Spieler profitiert, die schon in den Vereinen gelegt wurden. Man kann das nur sehr schwer alleine umkrempeln. Jürgen Klinsmann baut sehr professionell auf die Arbeit der Klubtrainer auf.