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Martina Hingis Neuanfang nach den schlimmsten Tagen des Lebens

 ·  Für Martina Hingis war das Erstrunden-Match gegen Lisa Raymond ein Neuanfang. Nach einem Bänderriss im Herbst hatte sie lange pausieren müssen.

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Es sah so aus, als wäre sie nie weggewesen. 46 Minuten gegen eine hilflose Gegerin, 6:1, 6:1 das deutliche Resultat, freundliches Winken ins Publikum, Autogramme - Abtritt.

Aber für Martina Hingis war das Erstrundenmatch gegen die Amerikanerin Lisa Raymond am Dienstag in Sydney keineswegs Routine. Die Schweizerin selbst sah es als "Neuanfang" an nach ihrem Bänderriss im Herbst in Filderstadt, sprach von einem "befreiten Gefühl".

"Ganz furchtbar", wenn man nicht laufen kann

Seit ihrer Verletzung ist sie in der Weltrangliste, die sie 73 Wochen lang angeführt hatte, auf Platz vier zurückgefallen, musste länger pausieren als je zuvor und hatte erstmals nach zehn Jahren Zeit - ein kostbares und rares Gut im hektischen Profileben. Vor allem Zeit zum Nachdenken, zum "Ausatmen" wie sie selbst sagt. Aber auch Zeit, um festzustellen, dass es "ganz furchtbar" ist, wenn man nicht laufen kann.

"Die ersten drei Tage nach meiner Operation (14. Oktober) waren die schlimmsten meines Lebens." Und sie meint nicht nur die Schmerzen, "ich musste ja erstmal wieder Laufen lernen. Vor allem, dass ich mich nicht bewegen konnte, ich war es ja seit meiner Kindheit nicht gewohnt, dass ich nix machen kann."

Achte Profisaison in Angriff genommen

Die ungeduldige Zappelphilippa stand aber schon bald wieder auf den Beinen und brachte sich Stück für Stück in Form. Erst im von ihr wenig geschätzten Kraftraum, dann auf dem Übungsfahrrad, dann in den heimischen Bergen.

Das sei doch mal etwas ganz anderes gewesen als die übliche Vorbereitung auf die Saison irgendwo im warmen Florida, eine Abwechslung halt. Man darf dabei nicht vergessen, dass Hingis zwar erst 21 Jahre alt ist, aber bereits ihre achte Profisaison in Angriff nimmt. Und diese Zeit hat sie fast immer an der Spitze mitgespielt.

Kein Grand Slam-Sieg seit 1999

Erst die amerikanischen Powerdamen Venus und Serena Williams, Lindsay Davenport und Jennifer Capriati haben der vielleicht komplettesten Tennisspielerin der Gegenwart mit mit brutalem Krafttennis ihre Grenzen aufgezeigt.

Seit den Australian Open 1999 hat sie keines der vier Grand-Slam-Turniere mehr gewonnen. Darauf angesprochen zeigen ihre Antworen, dass sie derzeit mit sich selbst im Clinch liegt. Einem Satz wie "natürlich kann ich nach der Verletzung jetzt noch nicht wieder hundert Prozent fit sein" folgt der selbstgesteckte Anspruch "natürlich wär's schön, wieder einen Grand Slam Titel zu gewinnen".

Angst, nicht gut abzuschneiden

Dem erleichterten Aufseufzer endlich nicht mehr de Gejagte sondern die Jägerin zu sein, folgt die trotzige Beteuerung, sie gehöre ja immer noch zu den Top vier und damit zur absoluten Spitze. Und überhaupt sei sie ja auch in den vergangenenJahren immer dicht dran gewesen an den großen Siegen. Um dann gleich wieder ganz vorsichtig einzugestehen, dass die Angst schon da sei, "die Angst nicht gut abzuschneiden".

Deswegen sei sie auch vor ihrem ersten Einzel-Auftritt nervöser als sonst gewesen. Hingis war ja schon am 30. Dezember in Sydney eingetroffen, hatte seitdem in der Olympiastadt des Vorjahres fleißig trainiert und sich - freundlich von ihrem Sponsor unterstützt - mit jugendlichen Opfern der Buschfeuer Bälle geschlagen.

Für ihr großes Ziel nach der sowohl erzwungenen als auch erfrischenden Pause will sie weiter an sich arbeiten, "damit ich mein Maximum voll ausschöpfen kann". Und vielleicht endlich mal wieder einen der wirklich wichtigen Titel zu gewinnen.

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