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Mannschaft des Jahres Werbeverträge statt Kaffeeservice

20.12.2003 ·  Seit dem Gewinn des WM-Titels bekommen die deutschen Fußballfrauen die Anerkennung, die sie verdienen. Es hat lange gedauert, bis es so weit war.

Von Michael Ashelm
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Das Golden Girl bringt es auf den Punkt: "Wer heute nicht positiv über Frauenfußball denkt, ist out." Nia Künzer sieht ihren Sport als eine Art Bekenntnis zur Moderne. Vorbei die Zeiten, als die Spielerinnen milde belächelt wurden, als noch jedes Mitglied des Nationalteams für den Gewinn einer Europameisterschaft von den gütigen Verbandsherren ein Kaffeeservice erhielt. Mit dem Weltmeistertitel dieses Jahres sollen die letzten Vorurteile verschwinden, will der Frauenfußball selbst endlich als absolut gleichberechtigter Spitzensport wahrgenommen werden.

„Die Zeit war reif“

Die ersten Weichen für eine größere Popularität sind schon in den vergangenen Jahren von den Vorgängerinnen einer Nia Künzer gestellt worden, aber erst der spannungsreiche WM-Gewinn mit dem entscheidenden Golden Goal der 23 Jahre alten Frankfurterin im Finale gegen Schweden hat letztlich für die volle Anerkennung beim breiten Publikum gesorgt. "Die Zeit war reif", hört man immer wieder aus den Reihen der Nationalspielerinnen - und wirklich: der Triumph von Los Angeles Anfang Oktober hat eine große Lawine in Gang gesetzt, größer, als auch die am Erfolg maßgeblich beteiligte Bundestrainerin Tina Theune-Meyer gedacht hätte: "Was gerade passiert, ist der absolute Wahnsinn."

Frauenfußball ist zum Quotenrenner geworden. Umfragen zufolge rangiert der WM-Erfolg im Sportjahr 2003 in der Gunst der Fans vor der Tour de France mit Jan Ullrich und dem sporthistorisch bedeutsamen sechsten Formel-1-Titel von Michael Schumacher. Der Deutsche Fußball-Bund akquirierte zum ersten Mal für seine Frauenelf einen großen Werbepartner, und auch einige Spielerinnen können nebenher ihr karges Sportgehalt etwas aufbessern. Nia Künzer, derzeit mal wieder geplagt von einer schweren Knieverletzung, die das vorzeitige Saisonende bedeuten könnte, bringt es inzwischen auf drei persönliche Werbeverträge. In dieser Woche lächelte die kopfballstarke Abwehrspielerin beim Fototermin für einen Frottierwarenhersteller, andere Kolleginnen geben ihren guten Namen inzwischen für Immobilienfirmen, Hotels oder Mobilfunkanbieter.

Birgit Prinz Weltfußballerin des Jahres

Nicht nur die Nachfrage der Werbewirtschaft zeigt das wachsende Interesse an den Fußballspielerinnen. Ein reicher Italiener, Präsident des Erstligaklubs AC Perugia, glaubt, daß er die deutsche Nationalstürmerin Birgit Prinz davon überzeugen kann, als erste Frau überhaupt in einer männlichen Profimannschaft zu kicken. Für viele ein unmoralisches Angebot, das allerdings auch die veränderte Wahrnehmung des Frauenfußballs gut charakterisiert. Auf höchst offiziellem Wege hat Birgit Prinz übrigens gerade eine ganz seriöse Offerte erhalten, die sie auch gleich angenommen hat: Der Internationale Fußball-Verband erklärte die Frankfurterin diese Woche zur "Weltfußballerin des Jahres", neben Zinedine Zidane wurde Birgit Prinz bei einer großen Gala in Basel von den Größen des Weltverbandes ausgezeichnet.

Wie entwicklungsfähig der deutsche Frauenfußball in nächster Zeit noch ist, darüber kann sicherlich gestritten werden, sehen doch viele die hohen Aufmerksamkeitswerte hierzulande als begrenztes Phänomen. In Potsdam kämpft der Verein Turbine, immerhin Zweiter der Meisterschaft, gespickt mit einigen Nationalspielerinnen, um Akzeptanz und sein finanzielles Überleben. Woanders sieht man die Zukunft aber weiterhin optimistisch. "Bis zu den Olympischen Spielen im nächsten Jahr in Athen schwimmt der Frauenfußball auf hoher Welle, und danach bauen wir das noch aus", glaubt Bundesligasprecher Siegfried Dietrich, gleichzeitig umtriebiger Manager des 1. FFC Frankfurt, des Vorzeigeklubs des deutschen Frauenfußballs. Eines steht aber heute schon fest: Die alten Zeiten mit Kaffeetassen und Untertellern als Leistungsprämie sind endgültig vorbei.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.12.2003, Nr. 51 / Seite 15
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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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