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Magath-Kommentar Strategischer Wechsel

06.05.2009 ·  Felix Magath plant sein Berufsleben frei von Sentimentalitäten. Die Schalker bekommen einen Trainer, der ihnen frischen Glanz und verlockende Perspektiven verheißt. Dass sich die Erfolgsgeschichte analog zum Wolfsburger Wunder wiederholt, ist indes nicht ausgemacht.

Von Roland Zorn
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Gehen, wenn es am schönsten ist, das schaffen nur die wenigsten Erfolgsmenschen. Felix Magath ist drauf und dran, ein Wolfsburger Fußballmärchen herbeizuzaubern - und sagt dem VfL dann trotzdem adieu. Mit diesem Werksklub des Volkswagenkonzerns deutscher Meister werden zu können, ist ein Kunststück, das Magath nur die wenigsten zugetraut haben. Doch der Unterfranke verlässt die Stadt der Autos, die längst keine Fußballstadt ist. Wenn er demnächst beim FC Schalke 04 anheuert, ist er mittendrin in einer Region, die Fußball lebt und atmet. Der Verstandesmensch Magath in der königsblauen Gefühlswelt: Kann das gutgehen bei einem Klub, dessen Treuebekenntnisse zu Trainern schon oft von nur kurzer Dauer waren?

Gewiss bekommen die Schalker nun einen Übungsleiter, der die Spieler so fit trimmen wird, wie sie nie waren. Und sicherlich verheißt Meistermacher Magath dem Traditionsklub frischen Glanz und verlockende Perspektiven. Dass sich die Erfolgsgeschichte analog zum Wolfsburger Wunder wiederholt, ist indes nicht ausgemacht. Magaths anspruchsvolle Arbeit, seine Autorität und Qualität werden auch die Schalker Mannschaft prägen, und doch dürften die alltäglichen Umstände ganz anders als im beschaulichen Ostniedersachsen sein. „Auf“ Schalke, wo der neue Matador als Trainer und Manager ähnlich wie in Wolfsburg so etwas wie eine Generalvollmacht besitzt, reden viele mit: die Fans mit ihrer Leidenschaft, die dort mal besonders begeisterten, mal besonders kritischen Medien und ein Aufsichtsratschef, der genauso machtbewusst wie Magath selbst ist und auch die Öffentlichkeit nicht scheut.

Meisterhaft, aber ohne Illusionen

Magath, der das Schachspiel liebt und auch sein Berufsleben frei von Sentimentalitäten strategisch plant, passte perfekt nach Wolfsburg. Dort hat er die Produktpalette von VW um einen motorisch aufgeladenen Bundesliga-Renner erweitert. Wenn er nun Abschied nimmt, dann von einer Pole Position, mit der die ähnlich kühl wie er selbst agierenden Konzernherren auf Dauer etwas anfangen können - vorausgesetzt, es ist auch ohne Magath noch genug Fußballverstand am Ort, um den richtigen Nachfolger zu verpflichten.

Die Bundesliga steuert auf eine spannende Trainer-Saison zu: nicht nur „auf“ Schalke und in Wolfsburg, vor allem auch in München, wo vieles auf Louis van Gaal als kommenden Chefcoach deutet, und vielleicht sogar in Hoffenheim, wo Ralf Rangnick seinem guten Ruf zuletzt selbst geschadet hat. Felix Magath sagt Wolfsburg von sich aus tschüs, weil er seinen Job meisterhaft, aber ohne Illusionen erledigt hat. „Ich glaube nicht mehr den Versprechungen“, hat er am Mittwoch gesagt, „dass man in diesem Geschäft langfristig arbeiten kann.“ Wirklich? Da dieser Trainer und Manager manchmal auch unberechenbar anmutet, hat er bei den Schalkern einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Zeit genug also, um einen königsblauen Traum zu verwirklichen: die erste deutsche Meisterschaft seit 1958. Danach dürfte er dann auch gern wieder gehen - wie jetzt in Wolfsburg.

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