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London Die Insel ist reif - sogar für den Rubel

05.07.2005 ·  Die britische Metropole glaubt, einzig Paris als ernsthaften Konkurrenten fürchten zu müssen. Gemessen an harten Fakten wie Finanzierung, Qualität der Sportstätten sowie Transport und städtischer Infrastruktur, scheinen die Veranstalter von der Insel ihren Rivalen vom Kontinent mindestens ebenbürtig.

Von Ulrich Friese
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Londons Politiker und Sportfunktionäre wittern Morgenluft. Die britische Metropole glaubt, jetzt nur noch Paris als ernsthaften Konkurrenten fürchten zu müssen. Gemessen an harten Fakten wie Finanzierung, Qualität der Sportstätten sowie Transport und städtischer Infrastruktur, scheinen die Veranstalter von der Insel ihren Rivalen vom Kontinent ebenbürtig. Abstriche müssen beim Kriterium "Unterstützung in der Öffentlichkeit" gemacht werden. Nur jeder zweite Brite, so der Tenor jüngster Umfragen, zieht bei der Bewerbung wirklich mit. Um die nötige Begeisterung im breiten Volk zu entfachen, bessern jetzt britische Spitzenpolitiker mit werbewirksamen Auftritten nach.

Leichtathletik-Olympiasieger Sebastian Coe, Zugpferd des Londoner Renommierprojekts, wähnt sich fast am Ziel. "Unsere Art, wie wir die sportlichen Anlagen und das Verkehrssystem neu gestaltet haben, hat sich beim Internationalen Olympischen Komitee ausgezahlt", schwärmt er. London ist nicht nur das Kraftzentrum der viertgrößten Industrienation der Welt. Die Bastion des Freihandels ist zugleich auch der führende Banken- und Finanzplatz in Europa; kein schlechtes Umfeld, um die riskanten Milliarden-Investitionen für Sportstätten oder Transportmittel zu schultern und das kommerzielle Großereignis mit Industrie-Partnern weltweit zu vermarkten. Auch wenn viele Londoner offenbar noch zweifeln, aber die Lebensqualität kann durch den üppigen Geldsegen vor den Olympischen Spielen eigentlich nur steigen: Der Osten der Stadt gewänne durch die Umbauten dringend benötigte Fläche für neuen Wohnraum, die Modernisierung der chronisch überlasteten U-Bahn käme endlich in Fahrt.

Beliebte Stadtflucht für russische Milliardäre

Als Medien-Plattform für einen sportlichen Wettbewerb der Nationen drängt sich die ehemalige Metropole des "British Empire" zudem fast auf. Von den mehr als sieben Millionen Einwohnern im Stadtkern sind drei Millionen Ausländer, wobei Zuzügler aus den Mitgliedsstaaten des Commonwealth traditionell am stärksten vertreten sind. Neuerdings profiliert sich London auch als beliebte Stadtflucht für russische Milliardäre, die ihre Rubel vorzugsweise im heimischen Profifußball rollen lassen. Doch der allgemeinen Sportbegeisterung der angeblich sonst so kühlen Briten tut das keinen Abbruch. Ob es um die Meisterschaft des Abramowitsch-Klubs FC Chelsea, um die Rekordtour der Seglerin Ellen McArthur oder um den Weltmeister-Titel des englischen Rugby-Teams geht - jeweils über Wochen konnte sich die britische Nation an den Erfolgen ihrer Spitzensportler berauschen.

London steht unter Druck, seinen Nimbus als Sport-Metropole des Landes gegenüber Manchester zu verteidigen. Während die Hauptstädter zuletzt als Gastgeber der Olympischen Spiele 1948 erfolgreich waren, machten die Rivalen aus Nordengland erst 2002 als erfolgreiche Ausrichter der "Commonwealth Games" von sich reden. Die reibungslose Planung und Umsetzung dieser "Mini-Olympiade" ist der aktuelle Beleg dafür, daß auch in Großbritannien effizientes Management von sportlichen Großvorhaben machbar ist. Coe und seine Planer werden sich an diesem Erfolgsbeispiel aus dem Inland orientieren.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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