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Usain Bolt : Rockstar ohne Angst

Der Rockstar der Leichtathletik Bild: AFP

Die Selbstinszenierung macht ihn so attraktiv. Doch dem Klischee vom schwarzen Sportler, der Not und Elend davonläuft, entspricht Usain Bolt nicht. Er war stets gut behütet. Glück und Bewegung waren für ihn immer eins.

          Eine Idylle wie Sherwood Content muss Chuck Berry vor Augen gehabt haben, als er seinen berühmtesten Song schrieb: eine bescheidene Hütte in den grünen Wäldern des Hinterlandes, einen Jungen, der hier voller Ehrgeiz und Spaß an dem aufwächst, was er tut, und eine Mutter, die ihrem Sohn prophezeit, dass einst in der großen Stadt sein Name in leuchtenden Lettern die Leute von weit her anziehen wird. Der Johnny B. Goode von heute heißt Usain Bolt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Er spielt allerdings nicht Gitarre, wie ihn Chuck Berry vor fünfzig und Peter Tosh vor zwanzig Jahren besangen. Er rennt so schnell wie niemand zuvor. Weil er bei den Olympischen Spielen von Peking drei Goldmedaillen gewann und dabei drei Weltrekorde aufstellte, ist die Sandstraße, die zu seinem Elternhäuschen führte, nun asphaltiert. Aus der roten Erde wächst eine Gartenmauer, hinter der sich das grün gestrichene Häuschen reckt. Gerade wird es um eine Veranda mit rosafarbenem Geländer und um einen weißen Anbau erweitert. Johnny B. Goode, das ist eine Metapher, zu der man tanzen kann. Hier, im Trelawny Parish von Jamaika, an einem Berg im Norden des unzugänglichen Cockpit Country, ist der Traum vom Aufstieg wahr geworden.

          Bolt ist der Rockstar der Leichtathletik. Bei seinen Auftritten in Europa lässt der 22-jährige Jamaikaner Mädchen kreischen und erwachsene Männer schwärmen, so entspannt rennt er und so schnell. Als er die hundert Meter von Peking scheinbar mühelos in 9,69 Sekunden hinter sich gebracht hatte, beherrschte ein Schlagwort die Sportteile: „Lightning Bolt“, Blitz-Schlag. Nicht nur Johnny B. Goode ist ein Wortspiel, auch Bolt lädt dazu ein. Er tanzt vor seinen Läufen, und er tanzt danach. Er flirtet mit der Kamera. Bevor sich der 1,93 Meter lange Athlet in den Startblock kauert, nimmt er die Pose eines Blitzeschleuderers ein.

          „Lightning Bolt”: der Blitze-Schleuderer unter den Läufern
          „Lightning Bolt”: der Blitze-Schleuderer unter den Läufern : Bild: AFP

          Glück und Bewegung waren für ihn immer eins

          Die Selbstinszenierung macht ihn attraktiv für das Musik-Fernsehen und eine Vermarktung jenseits des Sports. Dem Klischee vom schwarzen Sportler, der Not und Elend davonläuft, entspricht der erste Johnny B. Goode dieses Jahrtausends allerdings nicht. Bolt hungerte nicht in seinem Elternhaus, und er wurde auch nicht gestählt durch das Recht des Stärkeren im Elendsquartier Trenchtown. Im Gegenteil: Glück und Bewegung waren für ihn immer eins.

          Eigentlich wollte er Kricket spielen, den Lieblingssport seines Vaters Wellesley, den in Sherwood Content jeder als Gideon kennt. „Gideon, wie in der Bibel“, sagt er. In seinem dunklen Fisch- und Fleischladen, wenige Minuten entfernt von zu Hause, steht der 53-Jährige hinter dem hölzernen Tresen und verwaltet, was seine beiden Tiefkühltruhen und der Kühlschrank enthalten. Von Red Snapper bis Hühnerhals und Kuhfuß bietet er auf einem handgeschriebenen Plakat feil.

          Usain Bolt wurde stets behütet

          „Ich mache die Regeln hier“, sagt Gideon über seinen Umgang mit Usain. „Er hat die Regeln befolgt, weil er Angst vor dem Stock hatte.“ Usain ist mit seiner fünf Jahre älteren Schwester aufgewachsen. Seit er eine Wohnung in Kingston hat, lebt er mit seinem gleich alten Halbbruder Sadiki zusammen. „Nuh tek nuh chance“ steht nicht ohne Grund auf Plakaten, die auf Fensterläden und Türen von Gideons Laden vor Krankheiten warnen, „Geh kein Risiko ein!“ Viele jamaikanische Kinder wachsen ohne Vater auf.

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