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Leichtathletik-WM Tim Lobinger: „Mobbing hinter den Kulissen“

29.08.2003 ·  Für die einen ist er der Chefkritiker des deutschen Teams, für die anderen ein Maulheld. So oder so bekam Tim Lobinger nach seinem fünften WM-Platz im Stabhochsprung wenig Applaus.

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Applaus, Komplimente, Lob? - Fehlanzeige! Für „Nestbeschmutzer“ Tim Lobinger gab es nach seinem fünften Platz im Stabhochsprung, immerhin einem der besten deutschen Resultate bei der neunten Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Paris, kein Stelldichein der Gratulanten.

Auch seinem Trainer Michael Kühnke schlugen bei der morgendlichen Kollegenrunde am Freitag keine Sympathien entgegen. „Normalerweise wird in diesem Kreis jeder Trainer, der mit seinem Athleten Platz fünf bis zwölf erreicht hat, mit Beifall begrüßt. Bei ihm hätte es fast Buh-Rufe gegeben“, berichtete Lobinger über „Mobbing hinter den Kulissen“.

Kritik an Bundestrainer Leszek Klima

Während sein Trainer im Kreis der Übungsleiterelite des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf Ablehnung stößt, „weil er keine Trainerlizenz hat“ (Lobinger), kümmerte Bundestrainer Leszek Klima sich erst gar nicht um den besten Stabhochspringer des Landes. „Er hat nur den Polen Adam Kolasa betreut. Das darf nicht sein“, schimpfte der 30jährige Hallenweltmeister über seinen früheren Heimtrainer.

Daß er die erhoffte Medaille nicht bekommen hat, führt er aber nicht auf dieses Verhalten zurück. „Ich war gut, aber nicht gut genug. Doch ich war kein Hosenscheißer“, bekannte Lobinger, der mit einem Sprung über 5,80 Meter nicht auf dem Siegerpodest landen konnte. Immerhin hätte er 15 Zentimeter höher springen müssen, um an den Überraschungsgewinner Giuseppe Gibilisco aus Italien heranzureichen und die erste Medaille für einen deutschen Stabhochspringer in der WM-Geschichte zu gewinnen.

Der exzentrische Mann mit dem Zopf und der Sonnenbrille wird aber noch viele Gelegenheiten haben, ganz oben zu stehen. „Ich will bis 2009 weitermachen und meine Karriere nach der WM in Berlin beenden“, kündigte Lobinger an. Danach schließt der Profisportler, der mit seiner Kritik an seinen Mitstreitern im WM-Kader („Ein Primadonnaklub aus Hosenscheißern“) zum Chefankläger im DLV geworden ist, eine Karriere als Funktionär nicht aus. Allerdings nicht im DLV. „Dann würde ich einen Schritt weiter machen und zum Weltverband IAAF nach Monaco gehen, da gibt es noch mehr zu kritisieren“, sagte er.

„Es ist eine Dürrezeit zu überstehen“

Allerdings reibt sich Lobinger noch genug am DLV, dem in Paris der Sturz aus der Weltspitze droht. „Wenn man die Szene kennt, wußte man, daß das Ding irgendwann nicht mehr zu schaukeln ist. Es ist eine Dürrezeit zu überstehen“, meinte der fünfmalige deutsche Meister. Mit der Fundamentalkritik vor der WM habe er einen Anstoß gegeben. „Ich konnte einiges ins Rollen bringen“, meinte er selbstbewußt.
Doch an der Seine mußte er feststellen, daß sich nicht viel verändert hat. „Wir sind kein Team, sondern ein zusammengewürfelter Haufen von Individualsportlern mit teilweise sehr wenig Rückgrat“, urteilte Lobinger. Den DLV-Funktionären nun die Schuld für die ganze Misere in die Schuhe zu schieben, hält er aber auch für falsch: „Es wäre zu voreilig à la Fußball-Manier zu sagen, Trainer und Funktionäre raus“, so Lobinger.

Gefragt seien vor allem die Athleten selbst. „Sie müssen voll hinter dem Sport stehen und die Weichen stellen, um optimale Leistungen zu bringen“, fordert er mit Blick auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen mehr Mut zur Professionalität. „Die Athleten müssten im kommenden Jahr Beruf, Ausbildung oder Studium zurückstellen und sich voll auf Athen konzentrieren.“

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