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Leichtathletik-WM Silber für Stabhochspringerin Becker

26.08.2003 ·  Stabhochspringerin Annika Becker hat mit Silber die erste Medaille für Deutschland gewonnen. Kim Collins von der Karibik-Insel St. Kitts und Nevis ist der neue König der Sprinter. Er gewann bei der WM den Titel über 100 m vor allen Favoriten.

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Stabhochspringerin Annika Becker hat die Durststrecke der deutschen Leichtathleten in Paris mit Silber-Glanz beendet, Kim Collins von den Karibikinseln St. Kitts & Nevis die erfolgshungrigen Amerikaner brutal gestoppt.

Der 27 Jahre alte „Insulaner“ krönte sich am Montagabend bei den 9. Weltmeisterschaften mit 10,07 Sekunden überraschend zum neuen Sprint-König - die Amerikaner gingen erstmals seit 1995 völlig leer aus. Die 50.000 Zuschauer im Stade de France feierten den schnellsten Mann der Welt, der im Finale Darrel Brown aus Trinidad (10,08) und den zeitgleichen Briten Darren Campbell auf die weiteren Plätze verwies.

Amerikanische Sprintstaffel geplatzt

Um 19.50 Uhr war Maurice Greenes Traum vom historischen vierten 100-m-Titel in Serie geplatzt: Der 29 Jahre alte Amerikaner lief seinen Konkurrenten hinterher und humpelte dann im zweiten Halbfinale in 10,37 Sekunden nur als Achter ins Ziel. Sein „Masterplan“, mit nur fünf Saisonrennen zum WM-Höhepunkt in Paris topfit zu sein, ist gescheitert. „Mein Muskel hat peng gemacht, und dann wurden die Schmerzen immer stärker“, jammerte der Olympiasieger. Damit ist die bestmögliche amerikanische Sprintstaffel schon gesprengt: Greene kann nicht, und Jon Drummond droht nach seinem „Liegestreik“ der WM-Rauswurf.

Auch die 22jährige Annika Becker wuchs dagegen beim Saisonhöhepunkt über sich hinaus und bescherte dem DLV am dritten Wettkampftag die erste Medaille. Mit 4,70 m mußte sich die deutsche Rekordhalterin aus Erfurt nur der russischen Europameisterin Swetlana Feofanowa (4,75) beugen. „Ich bin mehr als zufrieden, da ich gestern noch starken Schnupfen hatte. Da habe ich kaum Luft gekriegt“, erklärte die Vizeweltmeisterin. Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa (Rußland/4,65) wurde Dritte. Yvonne Buschbaum (Stuttgart/4,50) belegte Platz sechs.

DLV protestiert gegen Meißner-Disqualifikation

„Das ist eine Erleichterung und gibt hoffentlich einen Schub. Wir sind am liebsten erfolgreich“, meinte Rüdiger Nickel, der DLV-Vizepräsident für Leistungssport. Zuvor hatte die Chemnitzerin Heike Meißner gejubelt - und war 20 Minuten später bitter enttäuscht: Die Vize-Europameisterin wähnte sich als Vierte ihres Halbfinales über 400 m Hürden schon im Endlauf, wurde dann aber disqualifiziert. Der DLV legte Protest ein. Hochspringer Roman Fricke aus Leverkusen blieb als 13. bei 2,20 m hängen. Weltmeister wurde der Südafrikaner Jacques Freitag, der als einziger 2,35 m meisterte.

Zwei Tage nach Kugelstoßer Andrej Michnewitsch gab es zwei weitere WM-Titel für Weißrußland. Iwan Tichon gewann überlegen den Hammerwurf, Irina Jatschenko war die Beste im Diskusring (67,32 m). Im letzten Versuch steigerte sich Tichon noch einmal auf 83,05 m und setzte sich vor Europameister Adrian Annus (Ungarn/80,36). Ex-Weltmeister Karsten Kobs, der bereits in der Qualifikation gescheitert war, dürfte sich nun doppelt ärgern: Mit seiner Weite vom Europacup in Florenz (80,63) wäre der Leverkusener Zweiter geworden.

Trauriger Abschied von Edwards

Bitter enttäuscht und mit Tränen in den Augen trat Dreisprung-Legende Jonathan Edwards von der Bühne des Sports ab: Stark gehandicapt von einer Knöchelverletzung, mußte sich der 37 Jahre alte Brite mit 16,31 m und einem für ihn ungewohnten zwölften Platz bescheiden, nachdem er nach zwei Versuchen auf weitere Anläufe verzichtete. Damit verpaßte der Weltrekordler und Olympiasieger seine sechste WM-Medaille in Serie. Würdiger Nachfolger des grauhaarigen Briten wurde der blonde Schwede Christian Olsson nach einer Traumserie mit 17,72 m.

Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) hat ultimativ vom amerikanischen Verband eine Bestrafung von Drummond gefordert. „Es muß disziplinarische Maßnahmen geben“, erklärte IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai am Montag in Paris, „das war eine grobe Unsportlichkeit.“ Drummond hatte am Sonntag nach seiner Disqualifikation wegen Fehlstarts im 100-m-Zwischenlauf in einem regelrechten Amoklauf gegen die Entscheidung protestiert. Laut Gyulai muß der amerikanische Verband bis Dienstagabend Sanktionen aussprechen.

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