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Leichtathletik-WM Franka Dietzsch holt Diskus-Gold

12.08.2005 ·  Diskuswerferin Franka Dietzsch gewinnt in Helsinki die erste Goldmedaille für Deutschland seit vier Jahren. Die Siebenunddreißigjährige fühlt sich „wie Zwanzig“ und denkt erstmal nicht mehr ans Karriereende.

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Nach dem ersten Wurf lächelte sie, nach dem vierten strahlte sie, am Ende standen ihr vor Freude die Tränen in den Augen: Mit der besten Gesamtleistung seit Jahren hat Franka Dietzsch zum zweiten Mal nach 1999 Gold im Diskuswerfen gewonnen. Die achtmalige WM-Teilnehmerin bescherte dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) damit den ersten WM-Titel seit dem nachträglich vergebenen Sieg an die deutsche 4x100-Meter-Staffel der Frauen für Edmonton 2001.

„Ich bin absolut sprachlos, so erlebt man mich nicht oft“, bekannte eine aufgeräumte Franka Dietzsch, fand dann aber dennoch ihre Sprache wieder. „Das ist die Krönung, der absolute Gipfel“, sagte sie über ihren Coup, auf den sie unfreiwillig zwei Tage hatte warten müssen: Wegen des Unwetters über Helsinki am Dienstag war das Finale verschoben worden. Auch diesmal regnete es, doch die 37 Jahre alte Neubrandenburgerin hatte sich darauf eingestellt: „Ich wäre enttäuscht gewesen wenn es nicht geregnet hätte.“

Die Siegerin hüpft wie ein Gummiball

Als der letzte Wurf von Favoritin Natalja Sadowa aus Rußland zu früh zu Boden ging, konnte Dietzsch ihr Glück kaum fassen. Wie ein Gummiball hüpfte sie über die nasse Laufbahn, umarmte sämtliche Konkurrentinnen und setzte dann gleich zu einer Ehrenrunde an. An ihre Bestweite von 66,56 Metern kam die Konkurrenz bei weitem nicht heran, selbst ihr drittbester Wurf von 64,39 Metern hätte zum Sieg gereicht. Olympiasiegerin Sadowa gewann mit nur 64,33 Metern Silber, die tschechische Weltjahresbeste Vera Pospisilova-Chechlova verfehlte ihre Bestmarke (66,81) mit 63,19 Metern deutlich und wurde Dritte.

Franka Dietzschs Trainer Dieter Kollark hatte schon nach dem ersten Wurf seiner Athletin geahnt, daß etwas Großes in der Luft lag. „Ich könnte mir vorstellen, daß es das schon war, das hat man schon an ihrer Körpersprache gesehen“, sagte der Coach, der schon Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss zur Olympiasiegerin (1996) und zur dreimaligen Weltmeisterin gemacht hatte. Kollark behielt Recht - und hat nun eine ziemlich lange Reise vor sich. „Ich habe Franka versprochen, mit ihr auf die Chinesische Mauer zu steigen.“ Ein Trip, den er für unwahrscheinlich hielt.

Kein Gedanke mehr ans Karriereende

„Ich hätte nicht gedacht, daß nochmal eine Athletin von mir als Letzte in einem Endkampf wirft. Nach Athen habe ich gemeint, dieses Thema hätte sich erledigt“, bekannte Kollark. Dietzsch war bei Olympia 2004 in der Qualifikation gescheitert, war vom DLV fast schon ausgemustert worden - nun ist sie Weltmeisterin. Die Rückkehr zu alter mentaler Stärke hat sie einem Professor der Fachhochschule Neubrandenburg zu verdanken, der auch Ralf Bartels, den WM-Dritten im Kugelstoßen, betreut. „Er hat nur bestätigt, dass der Trainer Recht hat wenn er sagt: Du hast das drauf. Das habe ich zuletzt nicht mehr glauben können“, berichtete Ditzsch.

An ein Karriereende will sie nun erst mal nicht denken. Trainer Kollark findet, beim Verband habe seine Athletin nun „bessere Karten“, Franka Dietzsch selbst kam sich ohnehin vor wie einem Jungbrunnen entstiegen: „Heute fühle ich mich wie 20.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
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