22.08.2004 · Die russische Kugelstoß-Olympiasiegerin Irina Korscharenko ist positiv getestet worden. Sollte ihr Gold aberkannt werden, würde Nadine Kleinert auf Platz zwei vorrücken.
Ausgerechnet im Heiligen Hain von Olympia soll die Kugelstoß-Olympiasiegerin Irina Korschanenko aus Rußland gedopt an den Start gegangen sein.
„Es wäre eine riesige Schweinerei und ein besonders verabscheuungswürdiges Vergehen, wenn sie mit unerlaubten Mitteln in den heiligen Hallen Olympias angetreten ist“, sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), am Sonntag. Die Olympia-Dritte Nadine Kleinert aus Magdeburg darf nun auf die Silbermedaille hoffen.
„Gar nicht über Gold gefreut“
Nach seinen Informationen ist die A-Probe bei der Wettkampf-Kontrolle positiv ausgefallen. Eine Anhörung der Athletin durch die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) stehe aber ebenso wie die Öffnung der B-Probe noch aus. Nach Informationen von Arne Ljungqvist, dem Vorsitzenden der Medizinischen Kommission des IOC, soll es sich um einen Anabolika-Verstoß handeln.
Profitieren würde im Falle der Bestätigung des Doping-Falls auch Nadine Kleinert, die am vergangenen Mittwoch Bronze gewann. Während die 28jährige auf Platz zwei vorrücken würde, bekäme die Kubanerin Yumileidi Cumba Gold. Der viertplazierten Russin Swetlana Kriweljowa würde die Bronzemedaille zuerkannt. „Ich möchte erst die schriftliche Bestätigung abwarten. Es wäre aber schade für unsere Disziplin, wenn sich dies bewahrheitet“, sagte die zweimalige WM-Zweite. Merkwürdig sei schon gewesen, daß sich Korschanenko nach dem Wettkampf im 320 Kilometer von Athen entfernten Olympia „gar nicht über Gold gefreut“ hatte.
„Null und nichtig“
Die 30 Jahre alte Korschanenko war bereits zwischen 1999 und 2001 wegen Dopings gesperrt. Nachträglich hatte sie für die Hallen-WM 1999 die Goldmedaille erhalten, nachdem die siegreiche Ukrainerin Wita Pawlitsch positiv getestet worden war - ehe sie selbst der Einnahme unerlaubter Mittel überführt wurde. Korschanenko hatte in Olympia mit der Weltjahresbestweite von 21,06 Meter triumphiert. Kleinert wurde erst im letzten Durchgang von Cumba übertroffen (19,59 Meter) und lag nur vier Zentimeter hinter der Kubanerin.
Eine nachträgliche Zuerkennung von Olympia-Silber für Kleinert hätte für den DLV keinen Makel. „Wer wegen Dopings ausgeschlossen wird, hat das Recht verwirkt, als Gewinner anerkannt zu werden. Damit ist die Leistung null und nichtig“, sagte Prokop, „Nadine Kleinert hätte dann die zweitbeste Weite erreicht und eine makellose Silbermedaille gewonnen.“