Kurz vor den Leichtathletik- Europameisterschaften in München meldet sich Heike Drechsler ungewohnt kritisch zu Wort.
Die Weitsprung- Olympiasiegerin von 1992 und 2000 sagte zu der großzügigen Nominierung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“: „Lieber ein kleines, starkes Team als eine Masse, die nichts bringt, finde ich.“ Zwar müsse man dem Nachwuchs eine Chance geben, so die 37-jährige Karlsruherin, „aber wenn die zu weit weg sind von der europäischen Spitze, hat es wenig Sinn.“
Letzte EM für Heike Drechsler
Der DLV hatte vergangene Woche ein Aufgebot von maximal 96 Aktiven für die EM vom 6. bis 11. August benannt. Einige Athleten - darunter die lange verletzte 400-m-Europameisterin Grit Breuer - müssen sich dafür allerdings noch beim Meeting in Leverkusen am 27. Juli qualifizieren.
Drechsler selbst will sich bis dahin aufs Training in der Höhe in Rumänien konzentrieren. Alle weiteren Starts hat sie nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft mit für sie unbefriedigenden 6,64 m abgesagt. „Dies wird auf jeden Fall meine letzte EM sein“, sagte die Dauer-Europameisterin von 1986 bis 1998: „Ob ich noch bei der WM 2003 antreten werde, entscheide ich nach der Saison.“ Weltmeisterin war Drechsler bereits 1983 und 1993.
Lobinger und Kumbernuss mit Meeting-Siegen
Beim Golden-League-Meeting am Freitagabend in Rom setzten sich von den deutschen Athleten Stabhochspringer Tim Lobinger (Frankfurt/Main/5,85 m) sowie Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss (19,43 m) als Disziplinsieger in Szene. Die Olympiasiegerin aus Neubrandenburg muss aber weiterhin auf ihre erste 20-Meter-Weite in dieser Saison warten.
Insgesamt werden es die Leichtathleten auch vor eigenem Publikum schwer haben, das gute Ergebnis der letzten Titelkämpfe 1998 in Budapest mit 23 Medaillen (8 Gold, 7 Silber, 8 Bronze) zu bestätigen.