11.05.2004 · Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher ist als weltbester Sportler 2004 mit dem Laureus Award ausgezeichnet worden. Die Hoffnung der deutschen Fußball-Weltmeisterinnen erfüllten sich dagegen nicht.
Michael Schumacher rast von Erfolg zu Erfolg, aber den Weg zur Verleihung des Sport-Oscars fand er nicht. „Es ist schon schade, verdammt schade, daß er nicht gekommen ist“, sagte Boris Becker, der als Mitglied der Laureus-Academy dem Kerpener den Preis gerne übergeben hätte. Doch der sechsmalige Formel-1-Weltmeister, der die Trophäe nach 2002 zum zweiten Mal gewann und mit Tiger Woods gleichzog, wollte am Tag nach seinem fünften Sieg im fünften Rennen der Saison nicht nach Estoril kommen.
„Bis Donnerstag wird er in Fiorano testen“, hieß es an der Ferrari-Hausstrecke am Dienstag nach der Nacht ohne Sieger. Den Laureus-Award übergab derweil Formel-1-Guru Bernie Ecclestone, der via Bildschirm mitteilte, daß ihn wohl niemand mehr verdient gehabt hätte als Schumacher. „Ich bin sehr stolz und fühle mich sehr geehrt“, sagte der Sportler des Jahres über den Preis, den Ferraris Konkurrent Daimler/Chrysler und Richemont seit 1999 vergeben.
Blessuren für den Sport-Oscar
Schumacher war in bester Gesellschaft. Auch die Sportlerin des Jahres, die schwedische Golferin Annika Sörenstam, blieb der Zeremonie im Centro Cultural de Belem an der Küste Lissabons fern. Sie grüßte wie die australische Surferin Layne Beachley, die den Preis für die beste Alternativsportlerin bekam, aus der Heimat. Bei seiner fünften Auflage bekam der Sport-Oscar Blessuren ab, obwohl es gerade schien, als habe er richtig laufen gelernt. Als Gehhilfen überfordert waren Tennis-Ikone John McEnroe und Model Rachel Hunter, die mit sprödem Charme durchs Programm führten.
Ein Lichtblick waren Boris Becker und seine Freundin Caroline Rocher. Das Paar in Samt und Seide zog die Blicke auf sich. Der Rothenbaum-Chairman, der am Dienstag in aller Frühe zum Masters-Turnier nach Hamburg düste, ist neben Katarina Witt und Franz Beckenbauer einer von drei deutschen Sportlegenden in der von Edwin Moses geleiteten Laureus-Jury. Mark Spitz, Daley Thompson, der die Kleiderordnung wie immer ignorierte und in Trainingsklamotten erschien, sowie Alberto Tomba oder Bobby Charlton zählen ebenso zum illustren Kreis der 41 Mitglieder.
Hermann Maier für Comeback geehrt
„Es freut mich ganz besonders, daß ein Landsmann zum zweiten Mal gewonnen hat“, meinte Daimler/Chrysler-Repräsentant Becker. „Er ist eine lebende Sportlegende. Ich gönne es ihm, auch wenn er im falschen Auto sitzt.“ Box-Weltmeister Witali Klitschko - Laudator ohne Job - flüsterte: „Eines Tages bekomme hoffentlich ich diesen Preis.“
Ein paar Preisträger waren gekommen. Die Newcomerin des Jahres, die 14 Jahre alte Golferin Michelle Wie etwa, oder der beinamputierte Leichtathlet Earle Connor aus Kanada. Hermann Maier war wie vor einem Jahr in Monte Carlo wieder für das Comeback des Jahres nominiert - diesmal gewann der Ski-Rennläufer. „Meine Olympia-Medaillen sind sicher mehr wert, aber dieser Preis ist etwas ganz Besonderes“, sagte der Weltcupsieger. Bei einem Motorradunfall hätte er fast ein Bein verloren; aber längst jubelt er wieder: „Ich liebe das Leben.“
Deutsche Weltmeisterinnen ohne Preis
Den Schritt in eine bessere Zukunft will das Sport-Projekt Mythare aus Kenia Jugendlichen ermöglichen. Seit 17 Jahren mühen sich die Macher, das Leid der teils traumatisierten Kinder zu lindern und ihnen eine Perspektive getreu dem Motto Nelson Mandelas zu geben: „Der Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern und die Menschen zu einen.“ Das auch für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagene Projekt bekam den Sport for Good Award. Den gleichen Lorbeer erhielten die Cricket-Teams aus Indien und Pakistan, die durch ihre Länderspiele Ressentiments bekämpfen.
Die Hoffnungen der deutschen Fußball-Weltmeisterinnen und des behinderten Rad-Weltmeisters Michael Teuber erfüllten sich nicht. Mannschaft des Jahres wurde das englische Rugby-Weltmeisterteam. Posthum mit dem Lifetime-Award geehrt wurde Bergsteiger Arne Naess aus Norwegen. Der 67-Jährige fand im Januar in Südafrika den Tod.