Home
http://www.faz.net/-gtl-2hmj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Langstreckenflüge Viel Wasser trinken in der Touristenklasse

Jährlich sterben Fluggäste am so genannten Touristenklassen-Syndrom. Wasser trinken und Bewegung an Bord hilft zur Prävention.

© Nowotka/STOCK4B Vergrößern Langstrecken-Regel Nummer eins: Wasser trinken

Nach einer britischen Untersuchung kommt statistisch gesehen jeden Monat ein Passagier direkt auf dem Londoner Flughafen Heathrow durch eine Venenthrombose ums Leben. Die meisten Fälle des Touristenklassen-Syndroms würden aber nicht sofort bekannt.

Nach Angaben von Dr. John Belstead, Arzt auf der Unfallstation von Ashford, die dem Flughafen Heathrow am nächsten liegt, sind innerhalb der vergangenen drei Jahren 30 Fluggäste gestorben. Ein Drittel der Patienten war in der Touristenklasse von Australien nach London geflogen. Die Altersspanne liege zwischen Ende 20 und Ende 70. Oft würde versäumt, einen möglichen Zusammenhang mit dem Flug zu untersuchen, sagte der Mediziner.

Mehr zum Thema

Straße überqueren ist gefährlicher

In der Klinik des Internationalen Flughafens in Tokio starben in den vergangenen acht Jahren insgesamt 25 Patienten an der Bildung von Venenthromben im Zusammenhang mit mehrstündigen Flügen. Darüber berichtete das britische Fachmagazin „New Scientist“ (Nr. 2273, S. 7). Angesichts einer Million Passagiere von Langstreckenflügen, die pro Monat in Heathrow einträfen, erscheine das Risiko „im Vergleich zum Überqueren einer Straße gering“, sagte Belstead.

Bei der Lufthansa ist man sich der Problematik schon seit vielen Jahren bewusst. Nach einer Studie der Universität Frankfurt könne man aber für Gesunde Entwarnung geben, sagte Lufthansa-Sprecherin Karin Weber. Bei 40 Millionen Passagieren pro Jahr habe es noch keine Todesfälle durch Thrombosen gegeben. Dennoch gibt die Lufthansa allen Fluggästen immer wieder Tipps, sich an Bord zu bewegen, viel Wasser zu trinken und nicht zu rauchen.

Flyrobic zur Prävention

Das Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose wird durch den blutverdünnenden Effekt von Wasser reduziert. Alkohol sollte dagegen vermieden werden. „Das größte Problem ist der Flüssigkeitsentzug, und er wird durch Alkoholgenuss noch verschlimmert“, sagte Toshiro Makino, der Leiter des Flughafenhospitals in Tokio.

Die beiden australischen Fluggesellschaften Quantas und Ansett wollen ihre Passagiere künftig schon beim Ticket-Kauf vor der Thromobose-Gefahr auf Langstreckenflügen warnen. Qantas wolle die Informationen über Gesundheitsschutz auf Flügen verbessern, sagte eine Sprecherin in Sydney.

Frage der Beinfreiheit?

Lufthansa zeigt schon jetzt auf Langstreckenflügen stets ein Fitness-Video. „Flyrobic“ zeige Gymnastik-Übungen für die Beine sowie Nacken- und Schultermuskulatur. Vorbelasteten und Risikopatienten rät Weber, vor einem langen Flug ihren Hausarzt oder den medizinischen Dienst der Fluggesellschaft zu konsultieren. Generell appelliert sie auch an die Eigenverantwortung der Passagiere.

Passagiere der Touristenklasse haben bei der Lufthansa 79 bis 86 Zentimeter Beinfreiheit. Dagegen können sich die Vielflieger in der Businessklasse auf 122 und in der First Class sogar auf 228 Zentimetern ausstrecken. Ob die Durchblutungsstörungen nur in der engen Touristenklasse vorkommen, ist dennoch umstritten. Wissenschaftliche Studien sind in dieser Frage zu gegensätzlichen Ergebnissen gekommen. Nach Aussagen Makinos kommt die tiefe Beinvenenthrombose auch in Preisklassen einer Airline vor, in der die Menschen viel Beinfreiheit haben.

Quelle: @ad

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Lufthansa-Piloten Zu Tante Ju ins Trainingslager auf Usedom

Die Ju 52 ist eine Legende. Die Lufthansa fliegt sie noch heute. Damit ihre Piloten die nostalgische Technik beherrschen lernen, werden sie speziell ausgebildet. Mehr Von Jürgen Schelling

30.05.2015, 08:36 Uhr | Technik-Motor
Pilotenstreik Fast die Hälfte der Lufthansa-Flüge fallen aus

Die Lufthansa hat wegen des Pilotenstreiks 1.350 Flüge gestrichen. Damit fallen rund 48 Prozent der geplanten Verbindungen aus. Etwas mehr als 150.000 Passagiere seien von dem Ausstand betroffen, teilte die Fluggesellschaft mit. Mehr

01.12.2014, 10:51 Uhr | Wirtschaft
Billigflieger Ryanair steigert Gewinn um 66 Prozent

Europas größter Billigflieger Ryanair verdient prächtig. Die Aktie steigt auf einen neuen Rekordstand. Mehr

26.05.2015, 11:47 Uhr | Wirtschaft
Flugzeugabsturz Einige Airbus-Besatzungen treten ihren Dienst nicht an

Trauer in Köln bei der Fluggesellschaft Germanwings: Am Dienstagabend versammeln sich Mitarbeiter der Airline, die eine Tochter des Konzerns Lufthansa ist, um gemeinsam ihrer Kolleginnen und Kollegen sowie der Passagiere von Flug Germanwings 4U 9525 zu gedenken. Mehr

27.03.2015, 14:23 Uhr | Gesellschaft
Nach Germanwings-Absturz Lufthansa-Chef will Überraschungs-Checks für Piloten

Der Absturz der Germanwings-Maschine in den Alpen hat die Lufthansa verändert – und geeint. Für die Hinterbliebenen des Unglücks will man alles tun, sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr im Gespräch mit der F.A.Z.: Piloten werden wohl unangekündigte Gesundheits-Checks erleben. Mehr Von Ulrich Friese, Carsten Knop

22.05.2015, 09:41 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2002, 12:43 Uhr

Das Übel geht in die Verlängerung

Von Evi Simeoni, Zürich

Der alte Mann geriet kurz ins Wanken – stürzte aber nicht. Joseph Blatter tritt seine fünfte Amtszeit als Fifa-Präsident an. Es hätte nur eine Nachricht gegeben, die noch schlimmer gewesen wäre als diese. Mehr 53 47

Umfrage

Wer setzt sich in der Relegation durch?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.