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Lance Armstrong Der Unmenschliche

Lance Armstrong war der größte Radsportler aller Zeiten - und der größte Betrüger. Nach Jahren des Leugnens hat er nun in einer Talk-Sendung Doping gestanden. Über ein Leben, das so nur im Inneren einer moralischen Blase führbar war.

© AFP Vergrößern Lance Armstrong: Siebenfach aberkannter Gewinner der Tour de France und anerkannter Betrüger durch Doping

Dass alles ein großer Betrug ist, das hat man schon vor dem Interview von Lance Armstrong mit der amerikanischen Talk Lady Oprah Winfrey gewusst. Es gab positive Doping-Kontrollen, es gab Zeugenaussagen, stichhaltige Indizien. Wer hinschaute, zuhörte, konnte nicht zweifeln.

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Lance Armstrong, Ikone des Radrennsports, ist längst als der größte Doping-Betrüger des Spitzensports entlarvt, lebenslang gesperrt. Der Mann, der über Jahre an der Nadel hing. Der sich eben noch eine Injektion kaltes, eigenes, getuntes Blut verpassen ließ und kurz darauf eiskalt log: Ich und gedopt? Niemals. Fast 13 Jahre hat der Texaner dieses Spiel durchgehalten. Die ewigen Nachfragen, die zunehmenden Verdächtigungen, die Vorwürfe ehemaliger Teamkollegen, die als Augenzeugen aussagten; selbst wissenschaftliche Belege für eine Manipulation während des ersten Tour-Sieges 1999 brachten ihn nicht aus dem Tritt. Armstrong hielt stand, hielt Kurs. „100 Prozent nein“, antwortete er auf Fragen nach der Einnahme von Doping-Mitteln, „100 Prozent.“

Wie hält man das aus, ohne daran zu zerbrechen?

War das nicht anstrengender, als sich die höllischen Anstiege zu den Alpenpässen hinaufzuquälen, siebenmal die Tour de France zu gewinnen, alle in Grund und Boden zu stampfen? Täuschen, tricksen, manipulieren, lügen, draußen tagein, tagaus den Saubermann spielen und drinnen Chef eines entwürdigenden, schmutzigen Systems zu sein: Wie hält man das aus über die Jahre, ohne daran zu zerbrechen?

Wenn Lance Armstrong auftrat, wich die Menge vor ihm wie einst das Meer vor Moses. Vor einem hageren Mann mittlerer Größe. Muskeln hätte man erwartet angesichts seiner wuchtigen Tritte in die Pedale. 470 Watt konnte Armstrong über eine Stunde leisten, genug, um ein Wohnzimmer auszuleuchten. Radsportexperten schrieben Elogen über die Kunst des Amerikaners, im Zeitfahren davonzurauschen, die Berge hinaufzufliegen, alle stehenzulassen. Nichts von dieser Energie ist auf den ersten Blick zu sehen. Armstrong hat schlanke Beine, wiegt 71 Kilogramm, bei einer Länge von 1,77 Metern. Da steht ein Leptosom. Seine Kraft ist unsichtbar. Sie kommt aus dem Kopf. Er hat sie entwickelt über die Jahrzehnte im Sattel.

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Wenn andere die Füße hochlegten, wenn der deutsche Rivale Jan Ullrich, wie Armstrong einst in der Fachzeitung „Tour“ ätzte, wegen einer Erkältung auf der Rolle in der Garage fuhr, ließ er die Kurbel bei Schnee und Eis in New York kreisen, mit einer hohen Frequenz. 40 000 Kilometer im Jahr, bei Wind und Wetter. Echte Maloche auf einem harten Kohlefaserrahmen. Stampfen, keuchen, Schmerzen ertragen, an die Grenze gehen, immer und immer wieder. Kaum eine Sportart verlangt eine so extreme Bereitschaft, sich weh zu tun. Leistungssport ist oft auch die Wiederholung von Schmerz. Aber Armstrongs Leidensfähigkeit allein erklärt seine Erfolge eben nicht.

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