Ein halbes Dutzend gegen Liechtenstein – der Start zur WM-Kampagne 2010 ist für die deutsche Nationalmannschaft standesgemäß ausgefallen. Die spielerische Leistung beim 6:0 gab zwar nur in wenigen Momenten Anlass zur Begeisterung, aber auch keinen Grund zur Sorge. Das ist weit mehr als viele andere große europäische Fußball-Nationen nach dem ersten Spieltag behaupten können. Frankreich verliert gegen Österreich, Spanien, Italien und England quälen sich zu knappen Erfolgen gegen zweit-, dritt- und viertklassige Gegner, Rumänien unterliegt zu Hause den Litauern 0:3.
Der erste Einsatz nach einem großen Turnier birgt immer große Gefahren in sich. Entweder befinden sich die Mannschaften im Umbruch, oder die Stars sind noch nicht in Tritt oder wenig motiviert. Es wäre aber fahrlässig, aus dem ersten Spiel den weiteren Verlauf der WM-Qualifikation abzuleiten oder auch nur den neuen Leistungsstand der Nationalteams ableiten zu wollen. Das gilt für die Gerupften unter den Großen wie für die Siegreichen unter den Favoriten.
Unter den Deutschen ist die Stimmung uneinheitlich
Für das Team von Bundestrainer Joachim Löw konnte Liechtenstein ohnehin kein Gradmesser sein. Dazu sind die Spieler aus dem Fürstentum bei allem Respekt vor ihren Fortschritten in den vergangenen Jahren zu limitiert. Löw verglich das Länderspiel passenderweise mit einem Duell der ersten Pokalrunde zwischen einem Bundesligaklub und einem Amateurverein. Ob die Profis sich 1:0, 6:0 oder 10:0 durchsetzen, hat keinerlei Aussagekraft, ob sie später gegen gleichwertige Gegner das Finale erreichen oder nicht – das Ergebnis beeinflusst lediglich die Stimmungslage in den nächsten Tagen.
Unter den deutschen Spielern ist die Stimmung uneinheitlich. Für Lukas Podolski, Piotr Trochowski, Heiko Westermann und Robert Enke wirkte das 6:0 wie ein Aufheller. Podolski nahm dem Team durch seine beiden Tore zum 1:0 und 2:0 alle Selbstzweifel. Der bei Bayern München zur Aushilfskraft abgestiegene Offensivspieler genoss sichtlich seine Position in der Nationalmannschaft. Auch Trochowski benötigte lange, sich beim Hamburger SV und in der Nationalelf mit seinem Talent durchzusetzen.
Erst das Finnland-Spiel wird Aufschluss geben
In Vaduz machte er die linke Seite stark. Löw deutete an, der Hamburger könnte zur Dauerlösung auf dieser Mittelfeldposition werden. Innenverteidiger Westermann und Torwart Enke fanden wie erwartet zwar kaum Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Aber sie blieben auf dem tückisch nassen Rasen fehlerfrei, was ihren Ambitionen auf einen Stammplatz förderlich war. Zudem bewies Westermann mit einem Kopfballtreffer wieder seine Torgefährlichkeit.
Miroslav Klose und Clemens Fritz dagegen erweiterten ihre Formkrise um eine schwache Vorstellung mehr. Während Klose noch einen Bonus gegenüber den Konkurrenten haben dürfte, weil er sein Potential schon bewiesen hat, denkt Löw auf der Position des rechten Verteidigers über Alternativen nach. Die könnte schon am Mittwoch gegen Finnland Andreas Hinkel heißen. Das neuformierte Mittelfeld mit Rolfes, Hitzlsperger und Schweinsteiger produzierte in Vaduz Licht und Schatten. Ob sie die deutsche Mannschaft durch die WM-Qualifikation tragen können, wenn Ballack und Frings häufiger ausfallen, darüber wird erst das Finnland-Spiel näheren Aufschluss geben.
Mehr als ein Pflichtsieg.....
wolf haupricht (emilgilels)
- 07.09.2008, 19:21 Uhr