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Kugelstoßer Ralf Bartels Schlaflos in Göteborg

08.08.2006 ·  Ralf Bartels hat bei der EM mit seiner Goldmedaille im Kugelstoßen für den ersten Lichtblick der deutschen Leichtathleten gesorgt. „Ich hoffe, ich habe ein Signal für die Mannschaft gegeben, daß auch Unmögliches möglich ist“, sagte der Neubrandenburger.

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Er ist der Mann für Dramen in sechs Akten und ein Meister des letzten Stoßes. Und ein goldiges Lächeln lag nach der ersten und zudem kurzen Nacht als Europameister auch auf dem kugelrunden Gesicht von Ralf Bartels. „Ich hoffe, ich habe ein Signal für die Mannschaft gegeben, daß auch das Unmögliche möglich ist“, meinte der 28 Jahre alte Kugelstoßer zwölf Stunden, nachdem er mit 21,13 Metern im letzten Versuch noch Blech gegen Gold eingetauscht hatte.

„Ein Wettkampf ist nie zu Ende, bevor Ralf seinen letzten Versuch gemacht hat“, kommentierte Trainer Gerald Bergmann den Triumph des Oberbootsmannes der Marine. „Dramen finden bei Ralf in sechs Akten statt“, erklärte Eike Emrich, Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

„Ich wußte, was ich drauf habe“

Schon zweimal zuvor, bei der Junioren-WM 1996 (Gold) und der WM 2005 (Bronze), hatte Bergmann miterlebt, wie sein Schützling im sechsten Durchgang das Blatt noch wendete. Das Erfolgsrezept von Bartels scheint eine Mischung aus Lockerheit und Abgebrühtheit zu sein, die den 140-Kilo-Mann im entscheidenden Moment immer wieder explodieren läßt: „Gedacht habe ich vor dem letzten Versuch nicht viel. Ich wußte, was ich drauf habe und wollte das einfach zeigen.“

Doch wie vor einem Jahr mußte Bartels über das Ende des Wettkampfs hinaus zittern, denn abermals gab es einen Protest. Das dänische Team hinter dem Drittplazierten Joachim Olsen (21,09 Meter) glaubte, dessen letzter Versuch sei mit 21,04 Meter falsch vermessen worden. Die drei Medaillengewinner, neben Bartels und Olsen auch der Weißrusse Andrej Michnewitsch (21,11 Meter) als Zweiter, erfuhren erst davon, als die Siegerehrung abgesagt und auf Dienstag verschoben wurde: „Plötzlich hat Joachim einen Anruf bekommen und man hat ihm von dem Protest erzählt. Er hatte darauf gar keinen Einfluß und war selbst sauer“, erzählte Bartels, dem in Göteborg der achte 21-Meter-Stoß seiner Karriere gelang.

Vorfreude auf verspätete Medaillenübergabe

In Helsinki vor einem Jahr mußte Bartels einen Protest der ukrainischen Mannschaft überstehen. Sie hatte beim damals entscheidenden Stoß von Bartels auf 20,99 Meter einen Fußfehler gesehen. Dieser wurde genauso abgewiesen wie der in Göteborg.

Etwas Gutes hatte die verspätete Medaillenübergabe für Bartels indes auch: „Das steigerte die Vorfreude ins Unermeßliche.“ Auch in seiner Heimatstadt Stavenhagen, wo das Kraftpaket seit EM-Bronze 2002 Ehrenbürger ist, wurde kräftig gefeiert: „Vom Hörensagen weiß ich, daß es eine große Euphorie gab, die wohl länger angehalten hat.“

Einfaches Konzept: Europameister werden

Und auch die Mannschaftskollegen fühlten sich von Bartels inspiriert: „Hut ab vor Ralf. Er hat mit seiner Leistung ein Feuer entfacht. Ich denke, es brennt jetzt im ganzen Team“, berichtet Hammerwerfer Markus Esser (Leverkusen).

Obwohl es bei der EM keine Prämien gibt, dürfte sich das EM-Gold für den leidenschaftlichen Computerspieler Bartels („Ich habe nachts noch gespielt, weil ich nicht einschlafen konnte“) nachträglich noch auszahlen. Durch seinen Sieg schaffte er den Sprung in die Europaauswahl für den hochdotierten Weltcup in Athen (16./17. September): „Ich habe zu meinem Trainer vorher gesagt, weil sich Deutschland nicht qualifiziert hat, werde ich halt Europameister und komme so zu meinem Start.“

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