05.08.2004 · Das IOC will die Korruptionsaffäre um das bulgarische IOC-Mitglied Ivan Slawkow zügig untersuchen. „Wir werden das rasch und offensiv aufklären“, sagte der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach.
Thomas Bach hat eine schnelle Aufklärung der jüngsten Korruptionsaffäre um das Internationale Olympische Komitee (IOC) angekündigt. „Wir werden das rasch und offensiv aufklären“, sagte der deutsche IOC-Vizepräsident vor seinem Abflug am Donnerstag nach Athen. Er hoffe, daß die IOC-Ethik-Kommission für die am Samstag in der Olympia-Stadt beginnenden Sitzungen des Exekutivkomitees „einen verwertbaren Zwischenbericht vorlegen kann“. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte am Mittwoch bei seinem Eintreffen
in Athen erklärt, das IOC werde „die notwendigen Maßnahmen ergreifen“.
In einer am Mittwochabend vom britischen Sender BBC ausgestrahlten und in Auszügen bereits vorher bekannten Reportage war das bulgarische IOC-Mitglied Ivan Slawkow in den Verdacht geraten, seine Stimme bei der Wahl des Olympia-Ortes 2012 gegen Entgelt für London abgeben zu wollen. Die englische Metropole konkurriert bei dem IOC-Votum im Juli 2005 mit Paris, Madrid, Moskau und New York.
Wirkungsmöglichkeiten der Geschäftemacher einschränken
Vier Agenten hatten in dem Beitrag zudem den Eindruck erweckt, sie könnten London bis zu 54 der 124 IOC-Stimmen vermitteln. Dabei blieb offen, ob das unabhängig voneinander agierende Quartett dieselben Mitglieder in seinem Angebot hatte. Die BBC-Reporter hatten sich als Geschäftsleute ausgegeben und die Gespräche insgeheim aufgezeichnet.
Bach sagte: „Wir müssen den Sumpf austrocknen.“ Damit meinte der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim vor allem die Tätigkeit von Agenten im Umfeld des IOC, die Bewerberstädten ihre Dienste anbieten und den Eindruck erwecken, sie könnten das Abstimmungsverhalten von IOC-Mitgliedern durch Bezahlung beeinflussen. Die Tätigkeit von Agenten nannte er ein „Unwesen“. Das IOC müsse sich Gedanken machen, wie man die Wirkungsmöglichkeiten dieser Geschäftemacher noch besser einschränken könne.
Kandidatenstädte gewarnt
Dabei ginge es vor allem um Einflußnahme auf Akkreditierungen für Sportkonferenzen und auf Nationale Olympische Komitees (NOK), um diese Agenten von den Olympischen Spielen auszuschließen. So könnte eine erste Konsequenz den Kuweiti Abdul Muttaleb Ahmed treffen. Der Generalsekretär der Vereinigung asiatischer NOKs hat in dem TV-Film versprochen, die 23 asiatischen IOC-Mitglieder für London beeinflussen zu wollen. Aufschlußreich wird auch sein, wie das IOC mit Slawkow verfährt. Das IOC-Mitglied gehört als NOK-Präsident auch dem Olympia-Team Bulgariens in Athen an.
Die „eigentliche Stoßrichtung“ müsse den Kandidatenstädten gelten, sagte Bach. Nach einer von ihm mit den Bewerbern der Winterspiele 2010 abgehaltenen bilanzierenden Konferenz im Januar dieses Jahres habe das IOC-Exekutivkomitee die Bewerber für die Sommerspiele 2012 davor gewarnt, sich mit Agenten und Agenturen einzulassen. Diese
Aufforderung müßte nun noch einmal bekräftigt werden.
Rogge hatte die Ethik-Kommission vor acht Tagen mit der Untersuchung der Affäre beauftragt. BBC berichtete am Mittwoch, es habe dem IOC neben dem Reportagefilm auch Material übermittelt, das nicht in der Sendung verwertet worden sei. Die Hauptfigur des TV-
Films, der serbische Agent Goran Takac, hatte in den geheim aufgenommenen Gesprächen eine Einzelcharakteristik von IOC-Mitgliedern gegeben, die den angeblichen Grad ihrer Käuflichkeit beschrieb. Bei der Ausstrahlung waren die Namen dieser Olympier anonymisiert worden.