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Kommentar zur Wahl Platinis Alles gewagt, viel gewonnen

26.01.2007 ·  Nach der Wahl von Michel Platini zum neuen Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) geisterte wie erwartet das Wort "Spaltung" durch den Düsseldorfer Kongresssaal der Uefa. Vor allem Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen ...

Von Roland Zorn
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Nach der Wahl von Michel Platini zum neuen Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) geisterte wie erwartet das Wort „Spaltung“ durch den Düsseldorfer Kongresssaal der Uefa. Vor allem Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), malte fürs Erste ein eher pessimistisches Szenario der Verhältnisse im europäischen Dachverband nach der knappen Entscheidung für den Franzosen und gegen den vom DFB unterstützten früheren Uefa-Vormann Lennart Johansson. Es gab schon bessere Mitverlierer als Zwanziger am Freitag.

Dessen Angst vor einer in sich zerrissenen Uefa mag auf den ersten Blick verständlich sein, ignoriert aber, dass innerhalb des Verbandes von vornherein eine erkennbare Bereitschaft zur Versöhnung der beiden Lager zu spüren war. Platini polarisiert nicht wie Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa); er gefällt sich auch nicht in der Rolle des jugendlichen Revolutionärs und Barrikadenstürmers. Dafür ist der neue Uefa-Vorsitzende viel zu sehr Sportsmann und auch Realist, da er jahrelang Zeit hatte, sich in die Materie der Sportpolitiker einzuarbeiten. Anders als innerhalb der Fifa geht es bei der Uefa traditionell sehr demokratisch zu - und das schließt auch die demokratische Möglichkeit einer Kampfkandidatur zwischen zwei fast gleich starken Bewerbern ein.

Platini wird nicht zum Ego-Trip aufbrechen

Platini hat am Freitag mit einem Ergebnis wie nach einem spannenden Spiel bei der Handball-Weltmeisterschaft 27:23 gewonnen und sich erst gar nicht wie ein Triumphator geriert. Mit dem Gespür des vor allem fairen Sportsmanns ist er auf Johansson und dessen Lager zugegangen, wissend, dass er den neuen Uefa-Ehrenpräsidenten und einen Teil seiner Gefolgsleute noch brauchen wird. Soll Platinis Appell an mehr Gemeinsamkeit im Fußball, an die Kraft der Einheit nicht nur Parole gewesen sein, wird der die Uefa gewiss kraftvoll anführende Pariser auch als „handelnder Präsident“ die Fähigkeit zum Kompromiss offenbaren.

Um nun zu einem Egotrip durch die Uefa-Gremien aufzubrechen, ist Platini viel zu intelligent. Der Mann kann zuhören und entscheiden, liebt Diskussionen und scheut die Verantwortung nicht. Einer wie Blatter, der am Freitag hocherfreut über den Sieg seines langjährigen Schülers, Freundes und Beraters war, sollte nicht zu sicher sein, dass aus der Uefa nun eine kleine Fifa wird. Dazu ist Platini zu eigen und zu selbstbewusst, ganz zu schweigen davon, dass die Uefa ganz andere Alltagsaufgaben anzupacken hat.

Alles oder nichts

Wer einmal wie Platini die Nummer 10 des Spielmachers im vollen Bewusstsein seiner Verantwortung für eine ganze Mannschaft trug, bleibt auch jenseits des Stadions ein mutiger Stratege, der sich nicht woanders anlehnen muss. Wer den Franzosen ein wenig kennt, weiß, dass er für seine Überzeugung gern etwas mehr als so mancher Sicherheitsdenker des Fußballs riskiert. Wäre er in Düsseldorf nicht zum Präsidenten gewählt worden, Platini wäre aus allen Gremien der Uefa ausgeschieden.

Er hat auf die Karte alles oder nichts gesetzt - und damit den großen Preis wie einst als Spieler die großen Pokale erobert. Bewahrt er sich seinen Elan im neuen Amt, kann das „Abenteuer“, als das er den nächsten Abschnitt seiner großen Fußballkarriere bezeichnet, gut enden. Nicht nur für ihn, sondern für die gesamte Uefa.

Quelle: F.A.Z., 27.01.2007, Nr. 23 / Seite 33
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