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Kommentar zur Armstrong-Beichte Unglaublich selbstverliebt

Lance Armstrong hat den Kampf gegen Doping nicht weitergebracht mit seiner Beichte. Wenn er dem angeblich geliebten Radsport helfen will, dann muss er Ross und Reiter nennen.

© Greser & Lenz Vergrößern Hut ab, Mr. Armstrong

Lance Armstrong liebt den Radsport. Auch das hat er im Interview gesagt. Man darf ihm das glauben. Ohne leidenschaftliche Liebe für die qualvolle Tretmühle schafft es keiner aus eigener Kraft auf zwei Rädern von Austin bis zu den Alpen, geschweige denn im Renntempo darüber. Aber wie weit reicht seine Zuneigung?

Anno Hecker Folgen:  

Wenn Armstrong der Radsport am Herzen läge, dann müsste es längst bluten. Vor lauter Sorge, dass sein gegen alle Widerstände, Rechtsanwaltsarmeen und Verleumdungsklagen erzwungenes Schmalspur-Geständnis doch nichts weiter ist als die Bestätigungen dessen, was man schon längst wusste.

Wer ihm bei der Beschaffung der Dopingmittel geholfen hat, wer die Dosierung festgelegt und überprüft hat, wer Blutbeutel angelegt und Blutwerte ausgerechnet hat, wer die Kontrolleure hinter das Licht führte, wer die Finanzierung der Dopingmaschinerie organisierte und wer ihn in den Verbänden stützte und schützte: Das behält er für sich. Wie so viele Kollegen vor ihm. Armstrong hat eben nicht die ganze Wahrheit gesagt, als er dies behauptete: „Die ganze Schuld trifft mich.“

Ross und Reiter

Solche Theorien wurden schon rund um die spektakulären Dopingfälle Ben Johnson 1988, Katrin Krabbe 1992, Jan Ullrich (2006) oder Marion Jones (2007) gerne verbreitet. Mit Hilfe einer in der Regel von Rennställen, Vereinen, Verbänden bis hin zur Politik betriebenen, erfolgreichen Individualisierung der Affären konnten die Systeme dahinter überleben. Erwischte Sünder traten ab, neue ersetzten sie. Ihre Helfer und Anstifter drehten das Rad weiter.

Falls Armstrong seinem Sport einen echten Liebesdienst erweisen will, dann sollte er vor der famosen Anti-Doping-Kommission der Vereinigten Staaten Ross und Reiter nennen. Mit solchen Berichten alle Verbindungen in die Szene aus alten Tagen zu riskieren, alles aufzugeben, nackt dazustehen, nie mehr im Sport einen Fuß au den Boden zu bekommen, das wäre wahre Liebe für den Radsport. Aber in Armstrongs Leben gibt es offenbar eine größere Leidenschaft: Es ist die Sucht, immer wieder siegen zu müssen, die Nummer eins zu sein. Am meisten liebt er sich selbst.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.01.2013, 16:41 Uhr

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Von Anno Hecker

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