22.08.2007 · In Zeiten der Globalisierung nicht nur von Märkten, auch von Erlebnissen und Erinnerungen gibt es wenige Orte, die unverwechselbar bleiben. Orte wie das Londoner Wembley-Stadion. Die Stätte ist einmalig englisch und zugleich auch ein wenig deutsch. Von Christian Eichler.
Von Christian EichlerIn Zeiten der Globalisierung nicht nur von Märkten, auch von Erlebnissen und Erinnerungen gibt es wenige Orte, die unverwechselbar bleiben. Orte wie Wembley. Das ist etwas einmalig Englisches und zugleich: ein deutscher Ort.
Erlebnisort, Erinnerungsort. Man hört die zwei Silben, schon knipst das Gedächtnis ein paar Bilder an. Jeder, der eine Passion fürs Spiel hat, wird sich an einen Wembley-Moment erinnern. Daran, wie er ihn erlebte und wie lebendig er war.
Sei es das "Wembley-Tor" von 1966, das als ersten deutschen Wembley-Mythos das Selbstbildnis der ungerechten, tapfer ertragenen Niederlage hinterließ - illustriert durch Sven Simons Foto, auf dem Uwe Seeler hängenden Kopfes neben der Blaskapelle den Platz verlässt. Sei es 1972, jenes 3:1 im grünen Trikot, das als Geburt der spielerisch besten deutschen Nationalelf gilt - zu dem Karl-Heinz Bohrer in der F.A.Z. einen der großen Sätze der Fußballsprache fand: "Und Netzer kam aus der Tiefe des Raumes."
Dann die beiden EM-Spiele 1996, Elfmeterschießen gegen England, Bierhoffs "Golden Goal" gegen Tschechien. Nicht zuletzt der 1:0-Sieg 2000, Hamanns Freistoß blieb das letzte Tor im alten Wembley. Zehn deutsche Spiele dort, fünf davon unvergesslich - eine Quote, auf die kein anderes Stadion der Welt kommt.
Neues Kolosseum des Kickens
Ob das im neuen Wembley so bleibt? Es ist ein neues Kolosseum des Kickens, in dem der alte Mythos noch Spielpraxis braucht. So wie die meisten der Akteure, die diesen Mittwoch den Klassiker unter ungünstigen Umständen wiederbeleben sollen. Die Arena hätte mehr verdient als zwei Teams, in denen die Besten fehlen und die anderen noch nicht rund laufen. Aber vielleicht wird was draus, das keiner erwartet - ein echtes Wembley-Spiel also.
Wembley war stets ein Multiplikator. Es vervielfachte die Leistung der Spieler, das Erlebnis der Zuschauer und die Verklärung durch die Nachwelt. Etwa die jenes 72er-Teams, das in Breitners Rückblick "jeden Gegner nach Belieben schlug" - in Wahrheit aber nur vier Gegner besiegte, und nur zwei davon "nach Belieben" (Sowjetunion und Schweiz). Dann unterlag man Argentinien, der Lack war ab. Wembley 72 aber glänzt bis heute.
Der Kriegsgefangene, der zum Idol wurde
Als beim Neubau über den Namen einer Fußgängerbrücke im Internet entschieden wurde, stimmten deutsche Spaß-Fans konzertiert für Hamann, worauf die Auswahl auf englische Helden begrenzt wurde (die Brücke heißt heute "White-Horse-Bridge", nach dem Polizeipferd, das bei der Stadioneröffnung 1923 die Massen im Zaum hielt). "Beim Fußball", fand Hamann, "verlieren die Engländer ihren Humor dann doch."
Doch die "Times" widerlegte ihn. Das Blatt setzte einen Wembley-Helden als einzigen Deutschen auf die Liste der "50 härtesten Männer des Fußballs": Bert Trautmann, den Kriegsgefangenen, der zum Idol wurde, als er 1956 im Tor von Manchester City den Sieg im Pokalfinale trotz gebrochenem Halswirbel festhielt. Die Begründung der "Times": "Hätte die Wehrmacht ein paar mehr von seiner Sorte gehabt, wir würden uns nun auf die Barclay Bundesliga freuen." Sie haben stattdessen die Premier League, sie gehört den Engländern allein. Von Wembley aber gehört auch den Deutschen ein kleines Stück.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1. FC Köln | 20 | -11 | 24 | ![]() |
| 12. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 13. | ![]() |
Hamburger SV | 20 | -9 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 20 | -12 | 21 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 20 | -14 | 17 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |