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Kommentar Sport Reich des zynischen Lächelns

27.04.2007 ·  VON HANS-JOACHIM WALDBRÖL

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Das IOC macht Politik: Wirtschaftspolitik zum eigenen Nutzen

Im einstigen Land des Lächelns gefrieren noch immer erschreckend viele Gesichtszüge - vor allem die von kritischen Köpfen. Regimegegner haben in China, trotz angeblich respektierter Bürgerrechte und einer vorgeblichen Öffnung hin zu demokratischen Systemen, ja auch immer noch nichts zu lachen. Falls sie Meinungsfreiheit mal wörtlich nehmen. Auf den Straßen und Plätzen werden unbequeme Querdenker, als volksschädigende Quertreiber diffamiert, jedenfalls für geraume Zeit nicht mehr gesehen.

Ob die Leitfiguren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die in dieser Woche in Peking gastierten, nur gute Miene zum bösen Spiel machen? Weil die Spiele 2008 nicht politisch belastet werden sollen? Das ist doch gar nicht zu vermeiden, wie die Diskussion über die 137 000 Kilometer lange Tournee der olympischen Fackel zeigt. Ob und wie das von China besetzte Tibet und das als chinesisches Staatsgebiet deklarierte Taiwan auf der Odyssee des Feuers gestreift oder durchquert werden sollen, ist kein kleinkariertes Planspiel. Die Wahl der Route eines olympischen Symbols ist in diesen Fällen beispielhaft und hochpolitisch. Tibet und Taiwan wollten das Licht nur von dritten Ländern übernehmen und an dritte Länder weitergeben, damit sie nicht wie innerchinesisches Gebiet angesehen werden. Sie sind nicht zum Zuge gekommen. Auch wenn IOC-Vizepräsident Thomas Bach die Wahl der Route von Taiwan über die "Sonderverwaltungsregion" Hongkong als "faires Angebot" ausgibt - die Botschaft ist eindeutig: Der Stärkere siegt, China bekommt seinen Willen.

Im ersten Versuch war es, ausgerechnet in der Ägide des politischen Spekulanten und erklärten China-Freundes Juan Antonio Samaranch, schiefgegangen. Der Kandidat Peking scheiterte 1993 in Monte Carlo mit seiner Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000 auch deshalb, weil die amerikanische Organisation Human Rights Watch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen öffentlich gemacht hatte. Das entscheidende Fettnäpfchen stellten die Chinesen seinerzeit sogar selbst auf, als sie kurzfristig einen langjährig inhaftierten Regimekritiker wenige Tage vor der olympischen Abstimmung freiließen. Ein lächerlicher Opportunismus, auf den die Mehrheit der Olympier nicht hereinfiel.

Acht Jahre später, 2001, als der sportpolitische Demokrat Jacques Rogge in Moskau zum IOC-Präsidenten gekürt wurde, gewann China den Bieterwettbewerb um die Spiele 2008 - obwohl sich über das Thema Menschenrechte auch nicht wohlwollender reden ließ als 1993. Doch das IOC sah über politische Bedenken hinweg, wie es nun Hein Verbruggen, der Koordinator der Pekinger Spiele, wieder tat: Man sei nicht in der Position, Regierungen zu sagen, was sie zu tun hätten. Jetzt natürlich nicht mehr, ein gutes Jahr vor der Eröffnungsfeier. Die Wahl hatte das IOC vorher: bei der Abstimmung. Die Achtung der Menschenrechte sollte ein entscheidendes Kriterium für die Vergabe der Spiele sein, die vom Ausrichter gerne als politische Unbedenklichkeitserklärung interpretiert wird. Da kann sich ein erklärtermaßen "unpolitisches" IOC nicht mit dem Hinweis auf das Gebot der Neutralität aus der Bredouille bringen. Indem sie Menschenrechtsverletzungen tolerieren, machen die Olympier schlechte Politik. Und obendrein eigennützige Wirtschaftspolitik: Rund 1,5 Milliarden Menschen bilden einen enormen Zuwachsmarkt. Auch einen olympischen. Die ersten Großsponsoren aus dem Reich des zynischen Lächelns zahlen bereits ihre Millionen in den Topf der olympischen Bewegung.

Quelle: F.A.Z., 28.04.2007, Nr. 99 / Seite 30
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