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Kommentar Sport Ohne Führung

VON CHRISTIANE MORAVETZ

Bundestrainer Rohwein lässt sich einfach nicht zum Kasper machen.

Dinner for one, Neujahrskonzert, Skispringen: wie gut, dass es noch Dinge gibt, auf die man sich verlassen kann. Seit 54 Jahren bietet das Neujahrsspringen von Garmisch-Partenkirchen Halt zwischen den Feiertagen. Garmisch ist der Fixstern innerhalb der Vierschanzentournee, deren andere Stationen schon mal wandern. So zog Oberstdorf zum Start vom 29. auf den 30. Dezember, und der traditionelle Dreikönigstag der Skispringer findet diesmal in Bischofshofen am 7. statt am 6. Januar statt. Das Fernsehen will es so. Schließlich hat RTL aus dem Skispringen hierzulande erst eine TV-Show gemacht. Und da muss man sich schon mal verbiegen, für die Quote.

Es muss einfach gut rüberkommen: laut, bunt, spektakulär. Von stets fröhlichen Menschen transportiert. Für Menschen, denen etwas fehlen würde, wenn die Jahreswende in ihrem Wohnzimmer ohne Skispringen stattfände; für Menschen, die sich zu Tausenden am Fuß der Schanzen mit lila Mützen samt aufgesetzten Wikingerhörnern uniformieren. Selbst wenn unprogrammgemäß früh endende Höhenflüge deutscher Adler auf die Stimmung drücken: Feiern wir uns selbst.

Wie lange noch? In diesem Jahr, am 31. Oktober, läuft der Fernsehvertrag des Deutschen Skiverbandes (DSV) mit RTL aus, 75 Millionen Euro stehen auf dem Spiel. Die Fernsehleute winden sich. Man habe Gefallen gefunden am Skispringen, sagt RTL-Sportchef Manfred Loppe, "und wer Höhen erlebt, muss auch durch Tiefen gehen". Sollten sie überhaupt im Spiel bleiben, wird es weniger Geld geben als bisher, das hat Loppe klargemacht. Die Fernsehleute sitzen am längeren Hebel und dürfen die Spielregeln bestimmen. Dazu gehört, dass man sich die Akteure in Positur stellt, ihre Rollen festlegt. Wenn dann einer nicht dem Bild vom Happening Skispringen entspricht, gerät die Partnerschaft in Schwierigkeiten.

Dieser Peter Rohwein, der Bundestrainer, lässt sich einfach nicht zum Kasper machen. Er tobt nicht, wenn seine Springer ihr Dauertief ausleben, wenn sie, wie in Oberstdorf, nur knapp am schlechtesten Ergebnis seit mehr als zwanzig Jahren vorbeischrammen. Er vollführt auch keine Luftsprünge, wenn ein Martin Schmitt endlich einmal wieder abhebt. Er liefert nicht die Sprüche, die für Schlagzeilen taugen. Selbst die öffentlich geführte Spekulation um seinen Job und angebliche Nachfolger lässt ihn äußerlich unberührt.

Der DSV muss angesichts öffentlich-rechtlicher Sender in Lauerstellung nicht fürchten, von den Bildschirmen zu verschwinden oder, schlimmer, zu verarmen. Und noch fühlt man sich auch als Partner von RTL gleichberechtigt und fair behandelt. Sogar wenn die Störfeuer aus dem eigenen Haus, vom selbsternannten Experten Dieter Thoma, abgefeuert werden. Der äußere Eindruck freilich suggeriert den übermächtigen Senior und einen klein gehaltenen Junior. Bei der Pressekonferenz des DSV in Oberstdorf saßen am Ende zwei Vertreter des Sports, der Bundestrainer und der Pressesprecher, neben sechs RTL-Männern. Die sportliche Führung des Skiverbandes fehlte. Sie gab freiwillig ein Feld frei, das sie dringend besetzen müsste. Und bot so ein noch schwächeres Bild, als es die Springer jemals abliefern können.

Quelle: F.A.Z., 02.01.2007, Nr. 1 / Seite 29

 
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Veröffentlicht: 01.01.2007, 17:35 Uhr

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Von Anno Hecker

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