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11.03.2005 ·  Garri Kasparows Rückzug wenige Wochen vor seinem 42. Geburtstag ist ein herber Schlag für das Schach. Kein anderer ist so bekannt, so charismatisch, so kreativ am Brett. Zöge sich Wladimir Kramnik, der gegenwärtige Weltmeister, zurück, wäre der Verlust nicht halb so groß.

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Garri Kasparows Rückzug wenige Wochen vor seinem 42. Geburtstag ist ein herber Schlag für das Schach. Kein anderer ist so bekannt, so charismatisch, so kreativ am Brett. Zöge sich Wladimir Kramnik, der gegenwärtige Weltmeister, zurück, wäre der Verlust nicht halb so groß. Anders als sein großer Vorgänger Kasparow strebt Kramnik nicht danach, das Maximum aus seinem Talent zu machen. Kaum ein Spitzenspieler der Vergangenheit hatte die Größe, sich vom Schach zu verabschieden. Schon gar nicht, solange er noch Spitzenleistungen brachte. Es ist gar nicht so selten, daß Großmeister - wie der demnächst 74 Jahre alten Wiktor Kortschnoi - bis ins hohe Alter Profi bleiben.

Doch Kasparows Rückzug ist verständlich. Der heruntergewirtschaftete Weltschachbund hat ihn mit falschen Versprechungen hingehalten wie einen Schuljungen. Seine Kollegen haben ihn oft als Sündenbock für die Spaltung der Schachwelt dargestellt und die eigene Mitverantwortung ignoriert. Vor allem aber fällt Kasparow nicht in ein Loch, wenn er keines der ohnehin immer seltener stattfindenden großen Turniere mehr spielt. Seine Interessen sind vielfältig, und zumindest als Autor einer ehrgeizigen Ideengeschichte des Spiels anhand seiner Weltmeister bleibt er dem Schach erhalten.

Sein zwiespältiges Image im Kollegenkreis hat damit zu tun, daß er mit seiner Meinung selten hinter dem Berg hielt. Aufgrund seiner aufbrausenden Art verband ihn mit einigen Rivalen ein gespanntes Verhältnis, aber mit keinem Freundschaft. Selbst die höheren Honorare, die er seiner Prominenz und medialen Zugkraft verdankte, neideten ihm die Kollegen. Dabei war Kasparow als einer der ersten Topleute bereit, auf Startgelder zu verzichten, wenn dafür die Preisgelder erhöht wurden. Seinen persönlichen Profit stellte er oft der Werbung für seinen Sport hintan, ja, er setzte sich oft für gute Zwecke ans Brett.

Bis zu diesem Donnerstag gab es zwei Arten Turniere: die mit Kasparow und die ohne ihn. Jetzt gibt es nur noch die ohne ihn - und die ganze Schachwelt bedauert es. Stefan Löffler

Quelle: F.A.Z., 12.03.2005, Nr. 60 / Seite 33
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